Das Vatikan Glossar

Autor: Werner Kaltefleiter // Quellen
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Konklave

Konklave, lat. cum clave – mit dem Schlüssel. Bezeichnet den abgeschlossenen Ort, das „Wahllokal“ der Kardinäle für die Papstwahl, (traditionell die Sixtinische Kapelle im Apostolischen Palat). Bezeichnung auch für die versammelten Kardinäle selbst.

Ältestes Wahlverfahren der Welt. „Wird der Apostolische Stuhl durch den Tod oder Amtsverzicht des Stelleninhabers vakant, ist eine Papstwahl notwendig.“  (Apostolische Konstitution Universi dominici gregis)

Mit der Apostolischen Konstitution „Universi Dominici Gregis – Hirte der gesamten Herde des Herrn“ vom 22. Februar 1996 hat Papst Johannes Paul II die Wahlordnung modifiziert.

Auch die Beisetzungsmodalitäten und die Liturgie in der Petersbasilika, wohin der Leichnam zu überführen ist, sind genau festgelegt. Den verstorbenen Papst zu fotografieren ist streng verboten. Ausnahmen sind nur nach der Aufbahrung des Leichnams in Pontifikalgewändern mit Sondergenehmigung des Kardinal-Camerlengo möglich.

Erforderlich sind zur Wahl eines Papstes eine Zweidrittelmehrheit, nach dreissig erfolglosen Wahlgängen entscheidet die einfache Mehrheit.

Die Praxis, alle Kardinäle an einem Ort einzuschliessen, bis sie einen neuen Papst bestimmt haben, das sogenannte Konklave,  geht auf Honorius III. (1216) zurück, gedrängt von der Sorge, dass sich die Kardinäle schnell und ohne äusseren Einfluss auf einen Kandidaten einigen sollten. Andere Version: Die Bürger von Perugia, erbost über die lange Dauer der Papstwahl, die Einflussnahmen von aussen und die Unfähigkeit der Papstwähler sich zu einigen, schlossen diese kurzerhand ein

Als erstes Konklave in der Papstgeschichte gilt die Wahl von Coelestin IV. am 25. Oktober 1241 durch die im Septizonium des Septimus Severus eingeschlossenen Kardinäle.  Die Wahl Coelestins brauchte gleichwohl zwei Monate, die von Innonzenz IV im Jahre 1243 sogar zwanzig Monate.  Über fünf Monate dauerte es bis zur Wahl Clemens IV. im Jahr 1265. Nach seinem Tod 1268 begann die längste Vakanz in der Papstgeschichte: fast drei Jahre. Diesmal schritten die Bürger von Viterbo zur Tat, auf Anraten des hl. Bonaventura, damals Generaloberer der Franziskaner. Sie schlossen die Kardinäle im Papstpalast ein, entzogen ihnen die Lebensmittel und liessen das Gebäude von Bewaffneten umstellen. Als dies immer noch nichts fruchtete, liessen Bürgermeister Alberto di Montebuono und Volkskapitän Raniero Gatti das Dach des Palastes abtragen, sodass sich die Purpurträger unter freiem Himmel der Witterung ausgesetzt sahen. Es dauerte gleichwohl noch mehrere Monate bis am 1. September 1271 ein kleines Komitee von sechs Kardinälen der Erzdiakon von Lüttich, Tedaldo Visconti zum Papst designiert wurde und die Wahl annahm um die lange Sedisvakanz zu beenden. Er nannte sich Gregor X.

Dieser skandalöse Vorgang sollte sich nicht wiederholen. Man wollte schnelle Entscheidungen herbeiführen, um allzu lange Vakanzen des Apostolischen Stuhles wegen mangelnder Übereinstimmung der Wähler zu vermeiden. 

Gregor X. erliess deshalb ein neue Wahlordnung und führte das regelrechte Konklave mit  der Konstitution Ubi periculum vom 7. Juli 1274 auf der fünften Sitzung des II. Konzils von Lyon ein. Greogor X. bestimmte ferner, dass der Papst nur noch innerhalb des Konklaves gewählt werden durfte, nicht „innerhalb oder ausserhalb“ desselben sowie das absolute Verbot für jeden Kardinal, sich selbst zu wählen.

Hadrian V. hob sie aber 1276 auf und Johannes XXI schaffte sie im gleichen Jahr völlig ab, mit der Folge erneut lang andauernder Wahlen. Erst 1290 übernahm Coelestin V. die Verfügungen Gregor X. Gregor XV. wiederum verschärfte 1621/22  die Wahlordnung, um sie endgültig vor Missbräuchen zu schützen und sie vor dem Eingreifen der drei grossen katholischen Staaten Österreich, Frankreich und Spanien zu bewahren. Diese Staaten konnten sich bis dahin der Wahl eines bestimmten Kardinals widersetzen. (s.a. Clemens XII. Der 1732 die Kardinäle ausdrücklich vor ungebührlicher Einmischung einiger katholischer Souveräne durch Vetorecht warnte) 

Solche politische Einflussnahme auf den Ausgang des Konklaves hatte es zum Beispiel 1655 bei der Wahl von Alexander VII. (Kardinal Fabio Chigi) gegeben. Es standen sich im Konklave eine spanisch-kaiserliche und eine französische „Fraktion“ gegenüber. Weitere Fraktionen bildeten die Gruppen der von Urban VIII. (gest. 1644) und Innozenz X (gest. 1655) ernannten Kardinäle. Der erste Wahlgang endete in einer völligen Zersplitterung der Stimmen.  Der daraufhin beschlossene Akzess führte zu 22 Stimmenthaltung, auf dem Stimmzettel mit dem Vermerk „Nemini“ (für niemand) markiert. Als Spitzenkandidaten standen sich die Kardinäle Sacchetti und Chigi gegenüber. Frankreich wünschte Chigis Wahl nicht, weil er  als päpstlicher Legat beim Westfälischen Frieden zu Münster Frankreichs Foderungen nicht immer gefolgt war. Der König von Spanien konterte mit der Drohung an die spanischen Kardinäle, Sacchetti von der Kandidatur auszuschliessen. Dieser suchte seine Chancen wahren und durch einen besänftigenden Brief an Kardinal Mazarin, die politische Graue Eminenz in Paris,  umzustimmen.  Nach sechs Wochen traf die Antwort ein, die den französischen Kardinälen erlaubte Chigi zu wählen, falls Sacchetti nicht durchzubringen sei.

Die „spanische“ Gruppe versuchte zunächst an Sacchetti festzuhalten, doch gab dieser selbst schliesslich auf, worauf die „Sprecher der Gruppen“ Chigi von seiner bevorstehenden Wahl zu unterrichten. Dieser bat die Emmissäre, sich die Sache noch einmal zu überlegen; doch die Würfel waren gefallen, Chigi übernahm den Stuhl Petri als Alexander VII. Auf dem Gesims der Kolonnaden des Petersplatzes sind sein Name und Wappen angebracht, er sorgte für den Abschluss der Apsis hinter dem Hochaltar in der Peterskirche mit dem sog. Petrus-Sessel, und die Fertigstellung der Scala Regia (der Königstreppe), die von den Kolonnaden in den Vatikanpalast führt.

Ein letztes Mal erfolgte ein formelles Veto von Seiten des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. undzwar im Konklave nach dem Tod von Leo XIII. im Jahre 1903. Es richtete sich gegen Kardinal Rampolla, von dessen Wahl Österreich destabilisierende Wirkungen auf die Donaumonarchie befürchtete. Gewählt wurde der Patriarch von Venedig, Giuseppe Sarto, der den Namen Pius X. annehm und in der Konstitution „Commissum Nobis“ vom 20. Januar 1904 das staatliche Vetorecht im Konklave abschaffte.

Im übrigen haben Paul VI wie auch Johannes Paul II in ihren Konklave-Ordnungen ausdrück-ich den Kardinälen verboten, Aufträge einer weltlichen Autorität entgegenzunehmen.

Pius X. schuf im Jahr 1904 eine völlig neue Wahlordnung, die der Zeit angepasst sein sollte. (z.B. absolute Freiheit der Kirche bei der Wahl ihres sichtbaren Oberhauptes). Pius XI. (1922) und Pius XII. (1945) und Johannes XXIII (1962) nahmen Modifikationen vor. Zu grundlegenden Änderungen entschloss sich Paul VI. im Jahre 1975.  Die jüngsten Änderungen erfuhr die Konklaveordnung durch Johannes Paul II am 22. Februar 1996. (Apost. Konstitution Universi Dominici gregis). Grundsätzlich orientiert sich das Verfahren an der Ordnung von Paul VI. Aktives Wahlrecht nur für die Kardinäle der Hl. Römischen Kirche, Kardinäle, die beim Eintritt ins Konklave das 80. Lebensjahr vollendet haben, sind von der Wahlbeteiligung ausgeschlossen, die Zahl der Wähler soll 120 nicht überschreiten.

Johannes Paul II. stellte auch klar, dass beim Ableben eines Papstes während einer Welt-Bischofs-Synode oder eines Ökumenischen Konzils dennoch die Wahl des neuen Papstes einzig und allein von den wahlberechtigten Kardinälen vorzunehmen ist, und nicht von den genannten Gremien.

Auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418) war nach einem ad hoc ausgearbeiteten Verfahren ein neuer Papst (Martin V. – 1417-1431) gewählt und damit das grosse Abendländische Schisma der Gegenpäpste (letzter Johannes XXIII. 1410-1415) beendet worden. 1415 hatte sich das Konzil in einem Dekret selber als von Christus unmittelbar mit Vollmacht ausgestat-ete, die katholische Kirche repräsentierende, auch dem Papst übergeordnete Instanz quali-iziert und damit die in jener Zeit vielfach vertretene Theorie des Konziliarismus klassisch formuliert. (vgl. Herder Korrespondenz 4/1996). Diesem spätmittelalterlichen Trend wollte Johannes Paul II mit seiner antikonziliaristischen Bestimmung einen festen Riegel vorschieben.

Vor der Wahl müssen die Kardinäle einen Eid ablegen, alle Wahlvorschriften zu beachten, strengstes Stillschweigen über alle Vorgänge im Konklave zu wahren,  auf keinerlei politisches Veto Rücksicht zu nehmen. Der Wohnwort befindet sich nicht mehr im Apostolischen Palast sondern im modernisierten „Gästehaus S. Marta“, neben der Petersbasilika, hinter der Audienzhalle, auf vatikanischem Territorium.  Hier wohnen auch die Helfer, wie z.B. Pflegepersonen für kranke und gebrechliche Kardinäle, der Sekretär des Kardinalskollegiums, der päpstl.Zeremonienmeister und vier Helfern, der Assistent des Kardinaldekans, die Beichtväter (Ordenspriester), zwei Ärzte sowie weiteres Personal.

Die stimmberechtigten Kardinäle müssen in geeigneter Form zur Sixinischen Kapelle gebracht werden, dem bisherigen traditionsreichen Ort der Papstwahlen.  Vom Beginn der Wahlhandlungen an bis zur Bekanntmachung der erfolgten Wahl werden das Gästehaus, die Sixtinische Kapelle und weitere für die liturgischen Feiern vorgesehene Räume vom Kardinal-Camerlengo hermensich abgeriegelt.

Die Wahl erfolgt ausschliesslich geheim. Gewählt ist (zunächst), wer Zweitdrittel der Stimmen auf sich vereinigt. Die bisher gültigen Formen „per Akklamation oder Inspiration“ oder „per compromissum“ (Wahlmänner) sind abgeschafft. Die Wahl soll den Charakter von Exerzitien haben, deshalb wird nach einer bestimmten Zeit erfolgloser Stimmabgabe (nach drei Tagen) ein Tag der geistlichen Besinnung eingelegt werden. Dann  können weitere sieben Wahlgänge folgen – und nach ggfs. einem weiteren Ruhetag – eine dritte Serie von sieben Wahlgängen. Erst dann können die Kardinäle mit Mehrheit das weitere Verfahren beschliessen, z.B. statt der erforderlichen Zweidrittelmehrheit die absolute Mehrheit oder Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen im vorausgegangenen Wahlgang. Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel und die dazu gehörigen Dokumente verbrannt. Damit ist die Geheimhaltung auch noch nach Jahrhunderten am sichersten gewahrt.

In der Frühzeit wurde der Papst wie die Bischöfe durch den Klerus und das Volk der Diözese (Rom)  gewählt. Verständlich, dass die weltlichen Mächte die Wahl zu ihren Gunsten zu beeinflussen versuchten: die weströmischen Kaiser, die germanischen Heerkönige, der byzantinische Kaiser, die römischen Adelsgeschlechter, die fränkischen Könige, die deutschen Kaiser.

Die ältesten Quellen besagen, dass die Wahl des Nachfolgers Petri , wie damals allgemein bei Bischofserhebungen üblich, durch Klerus und Volk Roms, der Hauptstadt des Reiches, stattfand. Der Erwählte durfte  noch nicht Bischof sein. Auserwählt wurden in der Regel Diakone der römischen Kirche, die dann von den Bischöfen der umliegenden Bistümer, vor allem aber vom Bischof von Ostia konsekriert wurden.

Vom 4. bis ins frühe 8. Jahrhundert beanspruchte der römische Klerus ein Bestätigungsrecht.

824 ist erstmals von einem Treueid des Neuerwählten vor der Weihe gegenüber dem Kaiser

(Lothar I.) die Rede. In den Zeitabschnitten des Mittelalters bestimmte faktisch der stadtrömische Adel die Papstwahl, allerdings nicht ohne kaiserliche Zustimmung (Otto I., 962). Sowohl Otto I. wie Otto III und Heinrich III. haben wiederholt entschieden, wer Papst wird.

1059 aber hat Papst Nikolaus II. das Recht der Papstwahl den Kardinalbischöfen vorbehalten, Alexander II. hat es 1179 auf alle Kardinalordnungen (also K-Priester und K-Diakon) ausgedehnt und die Zweitdrittel-Mehrheit eingeführt.

Erst Nikolaus II erliess eine umfassendere Wahlordnung auf der römischen April-Synode 1059, um seine auswärts erfolgte Wahl nachträglich legitimieren zu lassen. Das neue: Auch Nichtrömer können gewählt werden, auch ausserhalb Roms  und dürfen schon die Bischofsweihe haben. Das Wahlrecht haben die Kardinalbischöfe, mit Zustimmung der Kardinalpriester, des Klerus und des Volkes von Rom. Kaiser und König wurden in ihrer Einflussnahme zurückgedrängt. Unter dem Gegenpapst Clemens III. (Wigbert von Ravenna) wurden die Kardinal-Diakone ausdrücklich in das Wahlgremium integriert. Die Papstwahl war jetzt Exklusivrecht der Kardinäle – damit festigte der Status dieses Kollegiums, dass aber die nachfolgenden Schismen nicht abwenden konnte. 1130 oblag ihm erstmals allein die Papstwahl ( Innozenz II. – Gegenpast Anaklet II.)

Alexander III bestimmte 1179 als Quorum die Zweitdrittelmehrheit, eine bewährte Norm, auch wenn sich die Bildung einer qualifizierten Mehrheit mitunter wochenlang hinzog.

1241 kam es auf Grund dessen zum ersten Konklave: der römische Senator Matteo Rosso Orsini sperrte die Kardinäle kurzerhand mit Gewalt in die Ruinen des Septizoniums ein.

Gregor X. verankerte das Konklave als rechtlich verbindliche Wahlordnung. (1274, Konzil von Lyon). Als „Wahllokal“ war ein verschliessbarer Raum möglichst am Sterbeort des letzten Papstes vorgesehen. Falls die Wähler sich nicht einigen konnten, wurde mit einigen

Erschwernissen „nachgeholfen“ –wie Einschränkungen bei der Verpflegung.

Nach dem Tod Klemens IV. war der Stuhl Petri fast drei Jahre lange verwaist. Man konnte sich auf keinen Nachfolger einigen. Die Bürger von Viterbo griffen zu radikalen Mitteln, sie mauerten die versammelten Kardinäle im dortigen Bischofspalast ein (Konklave) . So wurde am 1. September 1271 Gregor X. gewählt. Er machte das Konklave zur Vorschrift.

Gleichwohl kam es immer wieder zu endlos langen Wahlverfahren, bis zu zwei Jahren, unter unerträglichen Bedingen (vor allem in den stickigen römischen Sommern). Manche Papstwahlen wurden durch den Akzess entschieden (s. Alexander VII.). d.h. Kardinäle schliessen sich entgegen ihrer usprünglichen Stimmabgabe nachträglich der Majorität an, wenn damit die Zweidrittelmehrheit erreicht werden konnte. Der Akzess öffnete der Versuchung die Tür zu simonistischen Praktiken und Gefälligkeitswahlen. (vgl. Simonie)

Ganz dem Feudalismus erlegen war  Urban VI –  am 8. April 1378 gewählt im ersten Konklave seit der Rückkehr aus dem Exil in Avignon:  Damals tobte der Pöbel vor dem Papstpalast, denn es sollte auf keinen Fall ein Franzose gewählt werden. Aber auch die Wahl Urbans war umstritten.  Bartholomäus Prignano, Erzbischof von Bari und Regens der päpstlichen Kanzlei, war ein Kandidat, der nicht Kardinal war (extra collegium). Er bekam zweimal die Zweidrittelmehrheit, dann machten sich 15 von 18 Konklave-Kardinälen aus Furcht vor der erregten Menge davon, zwölf bestimmten dann in einer Bestätigungswahl, alle stimmten wieder, also zum dritten Mahl für Prignano. Da er die Kardinäle im Verlauf der nächsten Monate durch Umgehung aller Normen und wie ein Feudalherr über de Kirchenstaat sowie Neapel und Sizilien herrschend derart vor den Kopf stiess, wählte ein weiteres Konklave in Fondi, im Haus des von Urban betrogenen Grafen Onorato Caetani, Rektor der Ciociaria, am 20. September 1378 einen zweiten (Gegen)-Papst, Clemens VII. – Das grosse Abendländische Schisma (im Unterschied zum Morgenländischen Schisma von 1054 – Spaltung in Lateiner und Orthodoxe) nahm seinen Anfang.

Gregor XV. regelte 1621 abschliessend: Möglich ist sowohl die mündliche Stimmabgabe, wie die schon seit 1198 bezeugte Wahl per Stimmzettel (electio per scrutinium). Ferner die Wahl durch ein Wahlmänner-Gremium (electio per compromissum)  oder ein formlose Spontanwahl durch gleichsam pfingstliche Einmütigkeit  der Wähler (electio quasi per inspirationem).

Unmittelbar nach der Annahme der Wahl wird der neue Papst in die weissen Gewänder gekleidet, der „immantatio“. Erst dann nimmt er die Huldigung der Kardinäle entgegen. Dazu gehören auch Kelch, Brustkreuz und neuer Fischerring als päpstliche Insignien.

Wenn draussen aus dem Ofenrohr die „sfumata“ – die dünne helle Rauchwolke zu erkennen ist, weiss die wartende Menge: Habemus papam  - Wir haben einen Papst.

Früher wurde der neue Papst auf dem Tragesessel , der sedia gestatoria, zur Krönungsmesse in St. Peter getragen, von zwölf in Scharlachseide gekleideten Dienern. Dabei trat ihm ein schlichter Zeremoniar entgegen. Er entzündete an der Spitze eines Stabes eine Flocke Werg und sagte: Heiliger Vater, genau so vergeht die Herrlichkeit der Welt. „Sancte Pater, sic transit gloria mundi.“

Strikte Isolierung der Wähler seit der Konstitution von Gregor X. Ubi majus periculum von 1274. Der Sitz des eh. Hospiz Santa Marta im Westteil der Vatikanstadt hinter dem S. Uffizio und der Audienzhalle Paul VI. für die Generalaudienzen des Konklave bestimmt.

Wenn ein Papst gestorben ist:

Nach der Nachricht vom Tod, vom Präfekten des Päpstlichen Hauses verkündet, und nachdem der Leibarzt seine Aufgaben beendet hat,  erste Sterbegebete durch die Beichtpriester. Einer der Prälaten bedeckt das Gesicht des Toten mit einem weissen Tuch. Vier Kerzen werden am Fussende des Bettes entzündet, in der angrenzenden Kapelle beginnen heilige Messen für den Verstorbenen. Der Camerlengo (Kardinalkämmerer) betritt, eskortiert von einer Wache der Schweizergarde unter Hellebarde (als Symbol seiner Autorität während der Sedisvakanz)  das Zimmer und überzeugt sich offziell vom Ableben des Pontifex. Nach einem kurzen Gebet nähert er sich dem Leichnam, hebt das Tuch ab, welches das Gesicht des Toten bedeckt, klopft dreimal mit einem elfenbeinernen (goldenen, silbernen) Hämmerchen auf die Stirn und ruft den Taufnamen des Verstorbenen (Zeremonienmeister, Prälaten der Apost. Kammer und Kanzler sind Augenzeugen). Nach Festtellung des Todes nimmt er dem Verstorbenen den Fischerring ab, Symbol der pontifikalen Macht vom Finger. (Dieser wird zusammen mit dem Bleisiegel des Pontifex während einer der nächsten Zusammenkünfte der Kardinäle vor deren Augen zerbrochen.) Nach dieser Zeremonie am Totenbett verlässt „der Fortbestand des Amtes symbolisch den Körper des Papstes.“ Es folgen die neuntägigen Bestattungsfeiern. Noch in der ersten Nach wird der Körper mit den liturgischen Gewändern und dem Bischofsstab versehen, mit denen er beerdigt wird. Dazu gehört eine weisse Albe, eine rot-goldene Dalmatika, eine grosse rote Kasel.

Erst dann können, mit Genehmigung des Camerlengo Aufnahmen gefertigt werden. Der tote

Papst soll vor Indiskretionen geschützt werden, wie sie durch Fotos von Pius XII. durch den Leibarzt Riccardo Galeazzi geschahen, mit schrecklichen Einzelheiten des Körpers im Todeskampf (vgl. Giancarlo Zizola, Der Nachfolger. Düsseldorf 1997.)

Zunächst aufgebahrt in der Sixtinischen Kapelle unter  Michaelangelos Bild vom „Jüngsten Gericht“. Am nächsten Tag feierliche Überführung in die Vatikan-Basilika, aufgebahrt auf einem Katafalk in der Nähe des Altars. Am letzten der Novendiali (der neun Tage) erfolgt der endgültige feierliche Abschied der Kirche von ihrem toten Papst – seit Paul VI. unter freiem Himmel auf dem Petersplatz vor der Basilika.

Lat. „cum clave“ – „mit dem Schlüssel“: Abgeschlossener Raum. Ort der Papstwahl. Aber auch Bezeichnung für Wahlvorgang und das wahlberechtigte Kardinalskollegium. Während des Zeitraums der Zusammenkunft hermetisch von der Aussenwelt abgeschirmter Bereich.  Papst Nikolaus II. (1059-1061) hat bei der Lateransynode 1059 den Kardinlbischöfen das Privileg zugestanden, den Papst zu wählen. (Erstes Papstwahldekret:Bulle „in nomine Domini – Im Namen des Herrn“). Bis dahin Vorrecht des Adels und des Volkes von Rom, verbunden mit Unregelmässigkeiten, Gegenpäpste, äusseren Einmischungen. Nach diesem ersten Dekret konnten aber die Kardinalpriester hinzugezogen und die Zustimmung des übrigen Klerus und des Volkes eingeholt werden. Hintergrund: Die Reformbewegung von Cluny (Benediktiner-kloster in Burgund, Mönch Hildebrand = Papst Gregor VII. 1073 – 1085; mit Heinrich IV. trägt er den „Investiturstreit“  um die Besetzung der geistlichen Ämter  aus („Gang nach Canossa“ 1077). Gregor aber wurde entgegen der neuen Wahlordnung vom Volk „in einem Tumult bei der Titelkirche San Pietro in Vincoli zum Papst ausgerufen.“ (s. H.J. Fischer, Die Nachfolge, Von der Zeit zwischen den Päpsten, Freiburg i. Breisgau, 1996).

Erstmals wählten die Kardinäle 1130 gemeinsam den Papst. Aleander III. verlieh 1179 den Kardinälen endgültig das ausschliessliche Papstwahlrecht. Erstes Konklave (also hinter verschlossenen Türen) 1241 nach dem Tod Gregor IX, bzw. 1274  von Pius X. zur Beschleunigung der Wahlen eingeführt. Während der  Auseinandersetzung Friedrich II mit dem Papsttum. Es dauerte, unter entwürdigenden Umständen, zwei Monate und wählte Gotfried von Sabina, einen Greis, zum Papst. Er nannte sich Coelestin IV. und starb nach sechzehn Tagen.

Wenn ein Papst gestorben ist: Der Camerlengo (Kardinalkämmerer) tritt an das Totenbett, klopft mit einem goldenen oder silbernem kleinen Hammer dem Verstorbenen auf die Stirn  und fragt, den Toten mit seinem Tauf- oder Familiennamen anredend, auf Lateinisch: „Schläfst Du?“ Nach zweimaliger Wiederholung stellt der Camerlengo fest: „Vere, sanctus pater mortuus est“ – „Wahrhaftig, der Heilige Vater ist tot.“ Damit beginnt die Sedisvakanz, die Verwaisung des Heiligen Stuhls. Der Camerlengo übernimmt die Vorbereitungen für die Exequien (Bestattungsfeierlichkeiten) und das Konklave. Der einbalsamierte Leichnam des Papstes wird neuerdings nicht mehr in der Sakramentenkapelle sondern in der Petersbasilika (offen)  aufgebahrt; die Totenmesse findet im Freien, vor dem Hauptportal des Petersdomes statt, wie auch die Amtseinführung (Inthronisation).

Nach dem Gottesdienst in der Paulinischen Kapelle (Capella Paolina. Fresken an den Seitenwänden zeigen als letzte Arbeiten Michelangelos die „Kreuzigung Petri“ und „die Bekehrung des Paulus“. Von dort  führt der Weg über die Sala Regia, die beide Bereiche miteinander verbindet,  zur Sixtinischen Kapelle.

Die Wahl selbst findet traditionell in der Sixtinischen Kapelle statt. Ein positives Wahlergebnis wird der Aussenwelt durch den „weissen Rauch“ (verbranntes Werg, über einen Kamin aus der Sixtina abgeleitet) mitgeteilt. Unter Johannes Paul II. Reformen für das Verfahren. Die Kardinäle wohnen im separaten modernen Gästehaus Santa Marta hinter der Audienzhalle. ( Santa Marta, eh.  Pilgerhospitz Sancta Marta innerhalb der vatikanischen Mauern, renoviert und umgebaut, Unterkunft der am Konklave beteiligten Kardinäle.)

Johannes Paul II modifizierte in seiner Apostolischen Konstitution „Universi dominici gregis“ 1996 die von Paul VI. zuletzt festgelegte Wahlordnung.  Reguläres „Wahllokal“ ist und bleibt die Sixtinische Kapelle. Das Konklave muss frühestens 15, spätestens 20 Tage nach dem Tod des Papstes eröffnet werden. Wahlberechtigt sind alle Kardinäle, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Geheime Wahl auf Stimmzetteln. (Akklamation und Wahlmänner wurden abgeschafft). Nach jedem Wahlgang werden die Stimmzettel verbrannt. Bei erfolglosem Wahlgang wurde in moderner Zeit  (vorher nasses Stroh) oder anderes Material untergemischt, dass den Rauch dunkel färbt („schwarzer Rauch“). Bei erfolgreicher Abstimmung ohne Beimischung, deshalb „weisser Rauch“.

Gewählt ist, wer zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinigt. Die Kardinäle können nach 33 erfolglosen Wahlgängen einen neuen Wahlmodus beschliessen: Absolute Mehrheit oder Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit dem höchsten Stimmanteil.

Prinzipiell ist jeder männliche Katholik wählbar. Einige Weihen müssten nachgeholt werden.

De facto hat sich seit Jahrhunderten durchgesetzt, dass die Kardinäle den Pontifex aus den eigenen Reihen wählen.

Zum Konklave versammeln  sich die Kardinäle am 16. spätestens am 19. Tag nach den Tod des Papstes. Sie sind nicht mehr in unbequemen Zellen nahe der Sixtinischen Kapelle untergebracht, sondern im konfortablen Gästehaus „Domus Sanctae Marthae“ innerhalb der vatikanischen Mauern.

Wahlberechtigt, wer das 80. Lebensjahr noch nicht erreicht hat. Jeder Kardinal hat Anspruch auf die Begleitung durch einen Assistenten (Konklavisten); ferner werden weitere Kleriker und auch Laien, z.B. Ärzte zugelassen. Später eintreffende Kardinäle sind zugelassen; erkrankte Kardinäle dürfen das Konklave verlassen und zurückkehren. Die äussere Bewachung wird vom Gouverneur der Vatikanstadt und dem Konklave-Marschall verantwortet. Alle Zeugen des Konklaves legen einen Eid auf strengstes Stillschweigen ab.

Jegliche Aufzeichnung und Übermittlung von Informationen durch Bild und Ton oder Radio noch Fernsehen, Telefon noch Fax sind zugelassen.

Wählbar: jeder getaufte, männliche, rechtgläubige Christ, der zum Priester geweiht ist. (Ausnahme: Unmündige und Geisteskranke). In der neueren Geschichte aber waren es stets Kandidaten aus den eigenen, den Reihen der Kardinäle. Höchstens zwei Wahlgänge vormittags und nachmittags. Absolute geheime Wahl, protokolliert durch den Camerlengo. Gewählt ist, wer eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen erreicht; nach erfolglosen Wahlgängen in den ersten drei Tagen kann, wenn mehrheitlich unter Leitung des Camerlengo so entschieden wird, ein anderer Wahlmodus getroffen werden: absolute Mehrheit oder Stichwahl unter den beiden  Kandidaten mit den meisten Stimmen, aber auch relative oder einfache Mehrheit wäre möglich (was dazu führen kann, dass sich bestimmte Fraktionen auf diese Weise am Ende durchsetzen könnten mit der Gefahr einer schismatischen Tendenz).

Für den Fall, dass die Anzahl der anwesenden Kardinäle nicht genau durch drei geteilt werden kann, ist für die Gültigkeit der Papstwahl eine Stimme mehr erforderlich. Papst Johannes Paul II. wollte mit der Aktualisierung der Konklaveordnung die  Verfahren vor allem von allen Möglichen Verfahrenstricks und Kompromiss-Kandidaten, wie noch 1978 im Drei-Päpste-Jahr, entlasten. (Kardinal Karol Wojtyla hatte beim achten Wahlgang „die schwierige Schwelle von 75 Stimmen“ überschritten und soll dann 97 von 111 Stimmen erhalten haben.)

Es wird nicht mehr per Akklamation (Zuruf) gewählt, sondern mit Stimmzetteln. Er muss doppelt faltbar sein, möglichst mit verstellter aber deutlicher Schrift ausgefüllt (Eligo Summum Ponteficem – dann folgt der Name des Gewählten). Die Stimmzettel werden in einer Urne gesammelt, gemischt und öffentlich ausgezählt und auf einer Schnur aufgereiht. und anschliessend im Wahlöfchen verbrannt.

Der Gewählte kann Bedenkzeit erbitten, das Wahlkollegium kann ihm eine Frist setzen. Mit der Annahme der Welt übernimmt der Gewählte die volle Jurisdiktionsgewalt. Er gibt sich in der Regel einen neuen Namen. (Mercurius, der sich Johannes II. nannte, begründete  533 diese Tradition. Einen zweiten Petrus hat es aber nie gegeben, aus Verehrung gegenüber dem Apostel.) Sollte der Gewählte noch keine Bischofsweihe erhalten haben, muss diese sofort erfolgen.

Das Wahlergebnis teilt der Kardinal-Protodiakon (der erste Kardinaldiakon) den Wartenden auf dem Petersplatz und der Welt an Radio und Fernsehen von der Mittelloggia des Petersdomes mit („habemus papam – Wir haben einen Papst“). Zuvor hat der berühmte „Weisse Rauch“ aus dem Wahl-Öfchen in der Sixtina den Wahlerfolg angezeigt.  Dann stellt sich der neue Pontifex der Öffentlichkeit vor und erteilt, nach kurzen Begrüssungsworten,  seinen ersten päpstlichen Segen „urbi et orbi“ – der Stadt Rom und dem Erdkreis.

Die Kardinäle und alle „eingeschlossenen“ Helfer müssen strikte Geheimhaltung geloben. Nach dem Tod eines Papstes beruft der Dekan des Kardinalskol-legiums das Konklave ein. Es soll 120 Wahlmänner nicht überschreiten, Johannes Paul II hatte im Konsistorium des Frühjahrs 2002 die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle erheblich erhöht. Die über 80jährigen Kardinäle sind zur Papstwahl nicht zugelassen.

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