Das Vatikan Glossar

Autor: Werner Kaltefleiter // Quellen
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Kleidung - Kardinalspurpur

Die Purpurträger (porporati), die den „roten Hut“ bekommen. Dem Amtsbereich des altrömischen Staates entlehnt, wie dieser der orientalischen Tradition. Purpurgewänder trugen asiatische Herrscher und Höflinge, in Rom dann die Imperatoren, denen die byzantinischen und römischen Kaiser folgten. In der Antike changierte das vornehme Rot mehr ins Violette.

In der Kirche zunächst den Päpsten vorbehalten, im hohen Mittelalter den päpstlichen Legaten und mit Entstehen des Kardinalskollegiums diesen engsten Mitarbeitern des Papstes. Jetzt scharlachrot zur Erinnerung an das Blut der Märtyrer.

Lt. Überlieferung:Im Jahr 314 bekleidet Kaiser Konstantin den greisen Papst  Silvester I. , der die weisse apostolische Tunika trug, mit der roten Chlamyx der Kaiser und Senatoren Roms und erhob den obersten Hirten der Christen aus dem Katakomben-Dasein zur höchsten öffentlichen Würde.

525 erhält Johannes I. für sich und seine Nachfolger von Kaiser Justinian I. die Erlaubnis zum Gebrauch der kaiserlichen Kleidung. 589 auf dem Konzil von Narbonne den einfachen Klerikern verboten. Hl. Ambrosius: Purpura facit reges, non sacerdotes – der Purpur macht Könige, keine Priester. 1049 erhält Leo IX. von Kaiser Heinrich III. den roten Mantel. Die Päpste erlauben ihren Kardinälen, die sie als Legaten, Apostolische Nuntien an den Hof von Konstantinopel oder andere Höfe entsandten, den Purpur als Zeichen ihrer päpstlichen Mission tragen.  1213 Kardinal Pelagius in rotem Talar und Mantel, von Innonzenz III nach Konstantionpel entsandt um die griechische mit der lateinischen Kirche zu vereinigen.

1245 das XIII. Ökumenische Konzil in Lyon: Antwort auf Friedrich II. Expansionsgelüste. Innozenz IV. gibt zwölf neuen und den anderen den roten Hut als Zeichen seiner Macht und Investiturrechts.  Bis dahin trugen den roten Hut die Kanoniker von Lyon.  Feierliche Überreichung im November in Cluny.  Dauernder Gebrauch des roten Habits ab 1294 bei der Wahl von Bonifatius VIII.

Bekleidung zu festlichen Anlässen ausserhalb der Liturgie: schwarzer Talar, Besätze und Säume aus roter Moiré-Seide, Knopflöcher rot paspeliert, Knöpfe aus roter Seide. Bei besonderen Gelegenheiten ein roter, Moire-seidener Schulterumhang, der Ferraiolo oder Mozetta, sonst ein schwarzer, innen rot ausgeschlagen. Kollar (Unterziehweste unter dem Talar, für Kardinäle rot), Zingulum und Scheitelkäppchen. Das Brustkreuz wird an einer Kette getragen. Alltags genügt ein schwarzer Talar ohne farbige Applikationen, statt römischem Kollar auch Oratorianer-Kragen.

Chorkleidung besteht seit dem aus:  Soutane (mit rund 30 Knöpfen)  aus rotem Stoff, rotes Zingulum mit Quasten, rotes römisches Kollar, (steife Kragenleiste) rote Strümpfe, rote Mozzetta, rotes Pileolus aus rotem Seidenmoiré, Rochett aus weissem Leinen, Brustkreuz, Ring.

Kardinalsring; wie schon der Bischofsring Zeichen der Verbundenheit und Treue. Brustkreuz (pectorale) und Hirtenstab verändern sich bei Kardinalserhebung nicht.

Beim Papst sind Soutane, Mozzetta, Zingulum, Pileolus, Strümpfe weiss. Die Schuhe (Pontifikalschuhe wurden abgeschafft) braun oder rotbraun.Dazu bei bestimmten Anlässen der weisse seidene Mantel (manto papale) oder die seidene Schleppe (falda). Kardinäle und der Papst tragen zu hohen liturgischen Anlässen das erzbischöfliche Pallium, das drei Finger breite weisse Schulterband aus ungefärbter Lammwolle (vor der Verleihung auf das Grab des hl. Petrus in der Confessio gelegt, jedes Jahr am 19. Januar , dem Fest der hl. Agnes vom Papst gesegnet) mit sechs in schwarzer Seide bestickten Kreuzen. 

Vor einem Konklave werden neue massgeschneiderte Papstgewänder (von Gammarelli) in drei Grössen in der Sixtina bereitgelegt.

Das Pallium wie der Hirtenstab erinnern an das Gleichnis vom Guten Hirten.

Die cappa magna cardinalizia – die lange Schleppe ist praktisch abgeschafft, wird gelegentlich bei traditionellen Pontifikalämtern nach der tridentinischen Liturgie noch getragen.

Birett: für Kardinäle rot ohne Quaste, für Bischöfe violett, hohe Prälaten und bestimmte Mitarbeiter der Kurie schwarzes Birett mit violetter Quaste, Apostolische Protonotare und Ehrenprälaten schwarzes Birett mit schwarzer Quaste. Ursprung: eine Mütze, die man unter dem „birrus“ genannten Kapuzenumhang trug. Aus den Griffwülsten, die beim Auf- und Absetzen entstanden (wie bei jedem Hut) entstanden die drei, bzw. vier Flügel.

Der breitkrempige Hut „Galero“ wird ab dem 13. Jh. gebräuchlich, mit Bändern und Quasten geschmückt, 1969 von Paul VI. abgeschafft. (durch das rote Birett ersetzt). Erscheint aber in den Wappenschilden von Bischöfen und Kardinälen. Bischof: Grüner Hut mit vier Quastenreihen, Wappenschild und Kreuz; Kardinal: rot mit fünf Quastenreihen.

Hut: (im Unterschied zum Galero): schwarzer Glanzfilz, (ital. Scherzhaft „Saturn“, Deutsch:

„Tellermine“)  Kleriker im Bischofsrang mit grünem Band und Quasten, Kardinäle mit golddurchwirkter roter Seide. Der breitkrempige Galero mit 15 Quasten auf jeder Seite seit 1969 abgeschafft und nur noch Standeszeichen im Papstwappen.

Scheitelkappe: lat. pileus. Ursprünglich Hinterkopf und Schläfen  bedeckende Filzmütze. Im  Barock zum Pileolus (kleiner Pileus) verkleinert. Bischöfe violett, Kardinäle rot.

Zingulum: Leib-Schärpe.Für Kardinäle aus roter Moiré-Seide. Bei Bischöfen und Prälaten violett. Früher Quasten heute Fransen an den Enden.

Brustkreuz: Für die Messfeier vorgeschrieben. Fester Bestandteil der Kleidung von Bischöfen seit dem 17. Jh. Von einer Kette gehalten und von einer Schnur um den Hals gelegt, Bischöfe: grün-golden, Kardinäle zum roten Talar rot-golden. Früher unter dem Messgewand getragen, entsprechend einer magisch verstandenen Funktion, heute eher über dem Messgewand. .

Bischofs/Kardinalsring: Seit dem 9. Jh. zu den Insignien zählend, symbolisiert Treue zur Kirche, der Braut Christi. Wird an Karfreitag abgelegt.

Strümpfe: Bei rotem Talar rote Strümpfe, schwarzer Talar schwarze Strümpfe. Bischöfe bei festlichen Anlässen und Chorkleidung violett. Nach italienischer Sitte kniehoch.

Schuhe: schwarz, früher mit, heute ohne Schnallen.

Offizielle Anrede: Kardinäle: Eminenz, Bischöfe: Exzellenz

Weitere Ränge: Prälaten ohne Bischofsweihe in hohen Funktionen der Kurie (rubinrot verzierter Talar, violette Mozetta, schwarze Strümpfe, / Wirkliche Apostolische Protonotare

(erster Rang der Päpstlichen Familie), Kleriker der Apostolischen Kammer.

Darunter liegende Klasse, die drei Ehrentitel, ebenfalls zur Gruppe der Prälaten zählend, italienische Anrede „Monsignore“ : Apostolische Protonotare ehrenhalber, Ehrenprälaten Seiner Heiligkeit, Kapläne Seiner Heiligkeit (Apostol.Protonotare mit violettem Schulterumhang). Im deutschen Sprachgebrauch gelten nur die beiden ersten als Prälaten, und der Kaplan Seiner Heiligkeit als Monsignore.

Chorkleidung bei feierlichen kirchlichen Zeremonien: Ganz in Rot gehaltene Soutane, ebenso der Schulterumhang (Mozetta) und das Hüftband (Zingulum) und das dreikantige Birett, über der roten Scheitelkappe (Pileolus – lat. pileus, Hut, Mütze) sowie Brustkreuz. Während des Gottesdienstes zwischen Soutane und Mozetta ein weisses, mit Spitzen verziertes Chorhemd (Rochett), rote Strümpfe.  Amtstalar: schwarze Soutane und Mozetta, Säume und Knöpfe rot abgesetzt, Brustkreuz, Pileolus.

Während des Gottesdienstes: Normales Messgewand: weisses Unterkleid (Albe), schalähnliche Stola, gelegentlich prachtvoll gestalteter Überwurf (Kasel). Beim Ein- und Auszug trägt er die bischöfliche Mitra.

Kardinalspurpur

Purpurmantel, ital. „porpora“. Sein Träger der „porporato“. Von Paul II im Jahr 1464 als majestätisches, purpurrotes Zeremonialgewand eingeführt, um die Mitglieder des Heiligen Kollegiums von anderen Prälaten zu unterscheiden. Statusfarbe der Könige und Eliten.

 

Kirchliche Kleidung von Rom und Byzanz. Ab 1245 Zunächst für den breitrandigen Hut (Galero). Paul II. verfügt 1464 den roten Rock für seinen „Senat“. Symbolwert des Purpurs: Nicht nur Macht und Würde, sondern auch Farbe des Blutes, an Leiden und Sterben Christi erinnernd, und verlangt von seinem Träger Treue zu Christus und seiner Kirche  (vgl. Verspottung Jesu mit einem Purpurmantel.) „ bis zur Vergiessung des Blutes“ , nach der Formel usque ad effusionem sanguinis – bereit zu sein, sein Leben für den Glauben einzusetzen

Ursprünglich zur Farbgewinnung das farblose Sekret der Purpur-oder Trompetenschnecke. Seit dem Altertum für kostbare Gewänder verwendet. Ursprungsland der Purpurfärberei ist nach der Mythologie und Geschichtsforschung Phönikien, das Land der Phönizier. Höhepunkt in Byzanz, als Farbe des Kaisers, der Prinzen und der höchsten Beamten, sowie Priester und andere kirchliche Würdenträger. Im Alten Testament schon Verleihung des Purpurs für die Übertragung der königlichen Macht. Für die ersten Christen ein heidnischer Luxus. Aber Konstantin schmückt damit den ersten Papst, der nur das Weiss der Christen trug, als Zeichen der Befreiung aus der Verfolgung und den Katakomben.

12.000 Schnecken für nur wenige Gramm. Verfärbt sich an der Luft zu blaurot oder rotblau. Hauptbestandteil ein Derivat des Indigos. Viel zu aufwendiger Gewinnungsprozess. Und da

die byzantinischen Purpurfärbereien von den Türken erobert hat Papst Paul I. bestimmt 1464, ein Purpurimitat den Weibchen der Kermes-Schildlaus abzugewinnen. Vorausgehend Beize der Wolle mit Alaun. (Kalium-Aluminium-Sulfat). Die gefälschten, licht- und verfärbungsanfälligen tierischen Produkte längst durch synthetische abgelöst, der Farbton Purpur wird durch schöner färbende Küpenfarbstoffe erhalten.

Die Farbe wurde ursprünglich in verschiedenen Tönungen aus dem Drüsensekret der Trompetenschnecke gewonnen. Heute synthetische Scharlachrote Farben.

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