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Johannes Paul II. (Karol Jozef Wojtyla),
Erzbischof von Krakau (1964-1978), geb. am 18. Mai 1920 in Wadowice,
Papstamt von 1978 an (Wahl am 16. Oktober, Amtseinführung am
22. Oktober). Als erster Slawe und somit Nichtitaliener (nach dem
Niederländer Adrianus Florisz Boeyens – Hadrian VI. v.
1522/1523, siehe Deutsche
Päpste). Gestorben, nach langen schweren Erkrankungen, am
2. April 2005, am Vorabend des von ihm gestifteten kirchlichen Festes
der Göttlichen Barmherzigkeit. Seine letzten Worte, nach der
Version des Heiligen Stuhls: „Laßt mich in das Haus des
Vaters gehen“. Vorher waren die Sätze: „Ich bin froh,
seid ihr es auch“ unter den Hunderttausenden, die auf dem Petersplatz
und in den Straßen Roms sein Sterben miterlebten, verbreitet
worden.
26 Jahre im Amt, erreichte Johannes Paul II. eines der längsten
Pontifikate der Papstgeschichte. In die ersten zehn Jahre seines
Pontifikats fiel der Zusammenbruch des kommunistischen Machtimperiums,
nicht zuletzt ausgelöst durch die „polnischen Ereignisse“,
dem Widerstand der polnischen Arbeiter und Intellektuellen unter
der Führung der Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc –
Solidarität“, der er schützend zur Seite stand.
Das zweite dramatische Ereignis, nach den Schrecken der Naziherrschaft
in Polen, war das Pistolen-Attentat auf ihn am 13. Mai 1981, das
er (wie) „durch ein Wunder“ überlebte. Johannes
Paul II. führte seine Rettung auf das Eingreifen der Gottesmutter
zurück, welche die Kugel abgelenkt habe. Er vermachte sein
mit Blut beflecktes Zingulum* sowie eine der aufgefundenen Kugeln
der Wallfahrtsstätte von Fatima/Portugal, in Anlehnung an die
Weissagung der drei Seherkinder, die ebenfalls von dem Mordanschlag
auf einen Papst und dessen Errettung gesprochen hatten. Zwar wurde
der Schütze der beinahe tödlichen Schüsse auf den
Papst ermittelt und verurteilt, der türkische Staatsbürger
Mehmet Ali Agca. Hatte er Komplicen, gab es Auftraggeber? Der sowjetische
und bulgarische Geheimdienst wurden von westlicher Seite schon unmittelbar
nach dem Anschlag verdächtigt. Eine vollständige Aufklärung
war bisher nicht möglich.
Mehr als seine Vorgänger unternahm Johannes Paul II. Pastoralreisen
„bis an die Enden der Erde“. Sein Eintreten für
die Würde und Rechte des Menschen, seine Bemühungen um
den Frieden in der Welt, seine Appelle für soziale Gerechtigkeit
wurden getragen von einer tiefen Religiosität (die ihn in die
christlichen Mystik führte) und einer konsequenten ethischen
Haltung, die er der Gesellschaft auferlegte (etwa in der Ehe- und
Sexualmoral, dem Schutz des ungeborenen Lebens und dem Schutz der
Alten und Kranken, sowie Grenzen der Biomedizin). Ebenso kennzeichnet
seine Amtsführung eine strenge theologisch-dogmatische Linie,
die von seinen Kritikern als doktrinär und starr zurückgewiesen
wurde (z.B. bei der Frage des Zölibats, der von ihm abgelehnten
Zulassung von Frauen zum Priesteramt, der Frage des gemeinsamen
Abendmahls von Katholiken und nichtrömischen Christen).
Johannes Paul II. verstärkte die von seinen Vorgängern
eingeleitete Annäherung an das Judentum. Er besuchte als erster
Pontifex eine Synagoge (1986 in Rom), bezeichnete die Juden als
die „älteren Brüder“ und unternahm im Heiligen
Jahr 2000 eine Pilgerreise in das Heilige Land, die ebenfalls Begegnungen
mit dem Judentum sowie die Konfrontation mit der Shoa bei seinem
Besuch in der Gedenkstätte Yad Vashem einschloss. Unvergessen
in diesem Zusammenhang sein Gebet an der Todeswand in Auschwitz,
als er bereits 1979, bei seinem ersten Heimatbesuch, auch die Gedenkstätte
des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers aufsuchte.
Auch mit anderen nichtchristlichen Religionen suchte er den Dialog.
Sein besonderes Anliegen galt der Einheit der Christen: Ut unum
sint (Daß sie eins seien) – wie er eine seiner Enzykliken
überschrieb.
Sein Nachfolger Benedikt XVI. hat schon bald nach seiner Amtsübernahme
seine Zustimmung zur Einleitung eines Seligsprechungsverfahrens
gegeben und damit auch auf die spontanen Akklamationen reagiert,
mit denen zahllose Gläubige schon in der Todesstunde von Johannes
Paul II. und bei dessen Beisetzung die „sofortige“ Erhebung
zur Ehre der Altäre gefordert hatten: Santo subito. |
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