| Der “deutsche Friedhof” neben St. Peter an der Südseite des Vatikanischen Hügels gelegen. Seit dem 14. Jh. als „Campo
Santo“ bekannt. Die älteste deutsche Nationalstiftung in Rom. Gebäudekomplex, heute Sitz von drei Institutionen: Erzbruderschaft
zur schmerzhaften Mut-tergottes der Deutschen und Flamen (Eigentümerin des Geländes), Priesterkolleg „Collegio Teutonico“ (seit
1876) und Römisches Institut der Görres-Gesellschaft (seit 1888) Schwerpunkt: Christliche Archäologie und Kirchengeschichte, in
Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut und der Mainzer Akademie der Wissenschaften Bearbeitung der römischen Katakombenmalerei.
Bei Errichtung des souveränen Vatikanstaates auf Grund der Lateranverträge von 1929 blieb der Campo Santo Teutonico italienisches
Staatsgebiet, erhielt aber den Status der Exterritori-alität. In der letzten Phase des 2. Weltkrieges fanden zahlreiche politische
Flüchtlinge im Campo Santo Zuflucht. Zugang nur über die Vatikanstadt (seitlicher Eingang zwischen Palazzo Sant´Ufficio und Kolonnaden).
Neben Friedhof und Kirche (Rechtsträger: die 1579 gegründete Erzbruderschaft St. Michael) seit 1876 ein deutsches Priesterkolleg
und seit 1888 Sitz des römischen Instituts der Görres-gesellschaft mit umfassender Bibliothek. Auf dem Friedhof u.a. die Gräber von
Königinmut-ter Charlotte Friederike von Dänemark (gest. 1840) und dem Dichter Stefan Andres (gest. 1970).
Die Anfänge des Friedhofs und der Friedhofskirche gehen aber weiter zurück in die Zeit nach dem Bau der ersten Peterskirche. Auf
dem Gelände hatte sich vermutlich der Circus der Kaiser Caligula und Nero befunden, auf dem nach Tacitus die Christus starben und auch Petrus
den Märtyrertod erlitten haben soll, im Herbst 64 n. Chr.; der Campo Santo Teutonico ist mithin der heiligste christliche Bezirk
im antiken Rom.
Karl I. der Grosse (742-814) hatte auf dem Gelände im Jahr 781 einen Palast für seine Rom-Aufenthalte („palatium caruli“) und
eine „schola francorum“ für Priester-Studenten aus seinem Reich errichten lassen. Leo III (795-816), der König Karl am Weihnachtstag
800 im Petersdom in einer umstrittenen aber letztlich von Karl akzeptierten Zeremonie krönt (Karl nennt sich fortan Kaiser), hatte
dem Frankenherrscher dieses herausgehobene Grundstück geschenkt.
Um das Heilige Jahr 1450 (Papst Nikolaus V.) hatten sich Deutsch-Römer zu einer „Arme-Seelen-Bruderschaft“, der „Erzbruderschaft zur
schmerzhaften Muttergottes der Deutschen und Flamen ( „dei Teutonici e Fiamminghi“) zusammengeschlossen, um in Rom gestorbenen Deutschen
ein würdiges Begräbnis zu sichern und Pilger in einem eigenen zu betreuen. Die Bruderschaft übernahm zu diesem Zweck vom Domkapitel
von St. Peter die Betreuung des Campo Santo. Die Pilgerkirche „S. Maria della Pietá“ stammt aus dem Jahr 1501, wahrscheinlich vom
Erbauer der Sixtinischen Kapelle Giovanni de´Dolci geschaffen. Ebenso das Hospiz. Die Erzbruderschaft nimmt ihre Arbeit unter der
Leitung von Augustinerpater Johannes Goldener aus Nürnberg auf und wird 1461 von Pius II. rechtlich anerkannt. Sie ist noch heute
Eigentümerin des Campo Santo Teutonico.
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