Der Drache ist
ein Wesen, das viele Völker in ihren Mythen kennen.
Er drückt Schrecken und Kraft aus und droht, den Menschen
zu überwältigen. Der Drache oder die Schlange bewohnen
das Weltmeer oder werden auch in der Milchstraße gesehen.
Als Midgardschlange oder Leviathan umschlingt der Drache
die Erde und bildet ihren äußersten Rand, der
im Orkan seine Kraft beweist und den Menschen zu verschlingen
droht.
Erdgeschichtlich gesehen kann
sich darin auch eine Erfahrung der Menschheit in der Gestalt
des Drachen spiegeln: Ein großer Komet prallte von
Osten her auf die Erde. Wie ein Drache mit Feuerschweif erschien
diese kosmische Katastrophe. Der Aufprall der Stücke
im Meer erzeugte ungeheure, sich windende Wasserdampfwolken.
Von daher läßt sich auch die Identität von
Drache und Wasserschlange begreifen.
Wenn wir den Drachen als Sinnbild
des Bösen anblicken, wird uns die Kraft, die uns verschlingen
kann, vor Augen geführt. Der Drache läßt
den Menschen nicht frei, sondern fesselt ihn, um ihn herabziehen
zu können. Vor allen in romanischen Kirchen wurde den
Menschen diese Seite des Daseins vor Augen geführt.
Daß an mittelalterlichen
Kirchen Wasserspeier in der Form eines Drachenkopfes behauen
wurden, bezieht sich auf den Drachen in der Apokalypse, dem
letzten Buch der Bibel. Er will die Frau, die ein Kind geboren
hat, verschlingen. "Als der Drache erkannte, daß er
auf die Erde gestürzt war, verfolgte er die Frau, die
den Sohn geboren hatte. Aber der Frau wurden die beiden Flügel
des großen Adlers gegeben, damit sie in die Wüste
an ihren Ort fliehen konnte. ... Die Schlange spie einen
Strom von Wasser aus ihrem Rachen hinter der Frau her, damit
sie von den Fluten fortgerissen werde. Aber die Erde kam
der Frau zu Hilfe, sie öffnete sich und verschlang den
Strom...." Offenbarung 12, 13ff
Der Drache wird aber nicht als
Sieger, sondern als Besiegter dargestellt. Der Erzengel Michael
oder der heilige Georg halten ihn mit ihrer Lanze am Boden
nieder. |
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