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Ein Blick in den Himmel
Fast alle Barockkirchen haben als zentrales Motiv die Himmelfahrt
Mariens, meist auf dem Altarbild dargestellt. Diese Himmelsperspektive
ist die Reaktion auf die Todeserfahrung des Dreißigjährigen
Krieges. Deutschland mußte neu aufgebaut werden, das Mittelalter
war nicht mehr zurückzuholen. Neue Impulse für das Bauen kamen
auch von den Naturwissenschaften und der Mathematik. Wie die Erfindung
der Kreuzrippe den Dombauhütten der Gotik eine größere
Bauhöhe ermöglichte, so sind die Raumkompositionen des Barock
durch die mathematische Berechnung der Kurven möglich geworden. Leibniz
und Newton hatten gleichzeitig die Differentialrechnung und damit
die exakte Berechnung von Kurven entwickelt. Das machten sich die
Architekten zunutze.
Eine barocke Fassade oder ein aus mehreren Ellipsen und Kreisen komponierter
Kirchenraum sind Ergebnisse aus der Verbindung von Mathematik und
Architektur. Die Entdeckungen der spanischen und portugiesischen
Kapitäne
finden sich in vielen barocken Gemälden wieder, die die damals bekannten
vier Kontinente, Indianer und Chinesen, Pflanzen und Tiere der neu
entdeckten Regionen der Welt darstellen. Die barocken Schlösser haben
einen direkten Einfluß auf die Konzeption barocker Kirchenräume.
Diese sind als himmlischer Festsaal entworfen. Denn eine barocke
Kirche ist wie ein
Thronsaal konzipiert. Anders als in der Basilika sitzt nicht der
Bischof unter der Wölbung der Apsis, sondern der Tabernakel ist in
die Mitte gerückt. War er in gotischen Kirchen noch das Sakramentshäuschen
an der Seitenwand des Chorraums aufgestellt, steht der Tabernakel
jetzt auf dem Altar. Wo der Fürst im Schloß Platz nimmt, „thront“ der
im eucharistischen Brot gegenwärtige Christus im Schnittpunkt der
Linien, die im Chorraum zusammenlaufen. Der Altar und was auf ihm
geschieht wird in eine Dynamik nach oben einbezogen. Das zeigt sich
an einem Motiv,
das wir wie selbstverständlich mit dem Barock verbinden, die unterbrochene
Begrenzung nach oben. Was ein Sims werden könnte, besteht aus zwei
Ansätzen für einen Rundbogen, zwischen denen oft ein Bild angebracht
ist, das die obere Linie zwischen den beiden Ansätzen für den
Sims durchbricht. Säulen sind ein weiteres Element, das die Linie
nach oben betont.
Anders als in der Romanik und Gotik sind die Gewölbe nicht nur durch
ihre Rundung dem Himmel ähnlich, vielmehr eröffnen die Deckengemälde
des Barock einen Blick in den Himmel, so wie es die Visionen der
Mystiker beschreiben. Dort sieht der Besucher die Heiligen, oft den Ordensgründer
oder Kirchenpatron, und oben thronend die Heilige Dreifaltigkeit,
Vater und Sohn und den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube. Das Altarbild
zeigt
im oberen Bereich oft auch die Dreifaltigkeit, sie krönen die in den
Himmel aufgenommene Maria.
Mit der zentralen Stellung des Tabernakels greift der Barock eine
durch den Kirchbau formulierten Glaubenssatz wieder auf, der in den
Basiliken des römischen Reiches bereits Ausdruck fand. Nicht der weltliche
Fürst
ist der wahre Herr, sondern der im Himmel thronende und im eucharistischen
Brot gegenwärtige Christus ist der Kyrios, dem sich die Christen unterwerfen.
Denn dieser Herr wird sie in sein himmlisches Reich aufnehmen. Davon
geben die Bilder und Deckengemälde eine Ahnung, von dem Glanz und
der Schönheit
des Himmels, von der Nähe zu Gott, von der Gemeinschaft der Heiligen.
Sie werden nicht als Seelen dargestellt, sondern mit ihrem Leib,
denn dieser wird auch im Himmel zum Menschen gehören.
In den Dienst des Himmels stellt der Barock auch die Musik. Musizierende
Engel zeigen, dass sich die im Kirchenraum singende Gemeinde mit
ihrem Chor mit den himmlischen Orchestern zu einem neuen Klang verbindet.
Der Barock hat die anderen
Künste immer mit einbezogen. Ob Schloß oder Kirche, die Raumkomposition
ist für das große Fest entworfen. Während wir heute die
bedeutendsten und höchsten Gebäude als Büros planen, baute
der Barock sich in den Schlössern und Kirchen das Bühnenbild
für die Feier von Festen. Im Schloß wird der Herrscher gefeiert,
in den Kirchen die Erlösung des Menschen durch Gott. Dafür wurde
die Musik komponiert, im katholischen Bereich die Messen, im evangelischen
die Kantaten. In den Bildern werden die Festgeheimnisse dargestellt.
Calderon und die Jesuiten haben Theaterstücke geschrieben und aufgeführt,
die das ausdrückten, was viele barocke Skulpturen zeigen: Das Religiöse
ist ein Kampf, es braucht Elan und Mut, sich zum Guten durchzuringen.
Die Anstrengung, die Auseinandersetzung wird mit der himmlischen
Schau belohnt,
die auf den Deckenfresken dargestellt ist.
Eckhard Bieger S.J.
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Der
hl. Benedikt Michaelsberg,
Bamberg

In
dem durchbrochenen Fensterbogen wurde, theologisch richtig,
eine
Chriostopherusfigur gestellt, die in die andere
Welt hineinragt.
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