Zusammenfassende deutsche Kirchengeschichte rück auf vor


Die Missionierung im Mittelalter

Das Auseinanderbrechen des Römischen Reiches unter dem Ansturm der Germanen erschütterte die damalige Welt. Die heidnischen germanischen Truppen führten ihre Siege darauf zurück, daß die Römer die alten Götter verlassen hätten. Für die Ausbreitung des Christentums bedeuteten die germanischen Eroberungen, daß neue Missionsfelder entstanden.

Mit der Bekehrung des Frankenherrschers Chlodwig wurde die entscheidende Wende der Christianisierung der Germanen eingeleitet. Es war der Einfluß seiner Frau Chlothilde, einer katholischen Prinzessin aus dem burgundischen Königshaus, die Chlodwig dazu führte, sich 498/99 durch den Reimser Bischof Remigius taufen zu lassen. Dem Beispiel des Königs sollen 3000 seiner Mannen gefolgt sein. Damit war eine wesentliche Entscheidung für die Christianisierung gefallen. Die Erweiterung des christlichen Frankenreiches durch die Eroberung der Alemannen, Burgunder und der Thüringer und damit der direkte Einfluß auf Bayern erleichterte die Missionierung. Und so dauerte es auch nicht lange, bis die „alten“ wiedererstarkten christlichen Zentren eine eigene missionarische Kraft entwickelten. Bereits im 6./7. Jahrhundert war die Christianisierung der Franken an Rhein und Mosel abgeschlossen. Die Versuche, Friesen und Sachsen zu missionieren, erwiesen sich als fruchtlos. Anders war es bei der Mission, die von Mainz ausging: Sie erfaßte die rechtsrheinischen Gebiete bis zum Untermain, Trierer Missionare drangen bis zur Lahn vor, und die Bistümer Speyer und Worms missionierten den Neckarraum bis an die Grenzen Alemanniens.

Es waren also die politischen Erfolge der Franken, die der Mission der germanischen Stämme die Wege geebnet hatten. In Alemannien, das sich eine gewisse politische Selbständigkeit bewahrt hatte, erwarben sich iroschottische Mönche große Verdienste bei der Missionierung. Weitere Zentren der Missionierung waren die Klöster Säckingen am Rhein und das Schwarzwaldkloster St. Trudpert. Mit der Gründung des Bistums Konstanz, unter Mithilfe von Chur, war ein weiterer wichtiger Schritt zur Bekehrung getan. Bereits 725 läßt das Stammesrecht, die Lex Alamanorum erkennen, daß sich die Alemannen als ein christliches Volk verstanden. Zu dieser Zeit gründete der hl. Pirmin, sicherlich zur Festigung des Christentums, auf der Bodenseeinsel Reichenau ein Benediktinerkloster. Dieses Kloster sollte zu einem der wichtigsten Zentren des christlichen Lebens und der abendländischen Kultur werden.

In Bayern konnten das Heidnische und die Reste des spätrömischen Christentums arianischer Prägung überwunden werden. Hilfe kam aus dem westlichen Frankenreich durch die irischen Wanderbischöfe Emmeran und Korbinian (+ 720/30). Sie schufen die Grundlagen für die Bistümer Regensburg und Freising. In Hessen und Thüringen gestaltete sich die Missionsarbeit bedeutend schwieriger. In das thüringische Gebiet wirkte die von 600 Adligen aus dem Einzugsgebiet der Mosel und des Bischofs von Speyer gestiftete Abtei Weißenburg im Elsaß. Die Bistümer Mainz, Speyer und Worms unterstützten die Mission des irischen Bischofs Kilian und seiner Gefährten im Raum Würzburg. Hier erlitten sie 689 das Martyrium. Jedem Missionsversuch widersetzten sich die Friesen und Sachsen.

In den missionierten Gebieten der Frankenherrschaft galt es, schwerwiegende organisatorische Mängel zu beheben. Es waren vor allem die iroschottischen Wandermönche, die sich der territorialen Gliederung in Diözesen widersetzten und so mit den Ortsbischöfen in Konflikt gerieten. Ein weiteres Problem für die Kirche entstand, da sich die Germanen über die nach den römischen Verwaltungsstrukturen entstandenen Bistumsordnungen hinwegsetzten. Eine weitere Belastung für die soeben erst entstandene Kirche war der sittliche Tiefstand der fränkischen Kirche - hiervon waren auch die Leiter nicht ausgenommen - sowie der Zerfall des merowingischen Staatswesens seit Ende des 7. Jahrhunderts.