Zusammenfassende deutsche Kirchengeschichte rück auf vor


Bonifatius

Bonifatius, auch Winfried genannt, steht als der Apostel Deutschland für die Christianisierung Germaniens. Er war der bedeutendste der angelsächsischen Missionare, doch er war nur einer unter vielen, die das Christentum den germanischen Stämmen brachten. Die Christianisierung selbst zog sich über viele Etappen hin. Sie begann in den römischen Provinzen jenseits des Rheins etwa im 3. Jahrhundert.

Mit Kaiser Konstantin kam auch in den römisch-germanischen Gebieten in der ersten Hälfte des vierten Jahrhunderts eine stärkere Missionsbewegung in Gang. Jetzt war die Zeit gekommen, daß auch an den Aufbau einer kirchlichen Organisation, den Bau von Kirchen und der Mission gedacht werden konnte. Erleichternd für die christliche Mission war, daß Mitte des Jahrhunderts die öffentlichen Opfer durch kaiserliche Verordnung untersagt wurden. Nun begann auch in Germanien die Schließung von Tempeln und Heiligtümern. Teilweise wurden diese in christliche Gotteshäuser umgewandelt. Wo jedoch kein Bedarf bestand, wurden Tempel und Opferstätten dem Erdboden gleichgemacht.

Mit der Freiheit, die das Christentum durch Kaiser Konstantin erhielt, bildeten sich auch die kirchlichen Strukturen heraus. In Germanien richteten sie sich nach der römischen Provinzeinteilung. Für das ehemalige römische Kolonialgebiet bedeutete dies, kirchliche Strukturen bildeten sich in der Provinz Raetien (Donaugebiet) mit dem Zentrum in Augsburg. Hier gab es einen Bischof. Ob es in der Provinz Raetien, in den Zentren Regensburg und Passau schon Bischöfe zu römischer Zeit gab, kann nicht nachgewiesen werden. Die zweite Provinz, in der es kirchliche Strukturen gab, war Belgica. Hier war es die Stadt Trier, in der die Zahl der Christen vom 3. Jahrhundert an zunahm; und so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß es von dieser Zeit an einen Bischof gab. Die Bischofsliste reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück und ist von da an nicht mehr unterbrochen worden.

Das Zentrum der Provinz Untergermanien war Köln. Der erste nachgewiesene Bischof ist der hl. Maternus. Er wurde 313 von Kaiser Konstantin zusammen mit zwei gallischen und 15 Bischöfen aus Italien eingeladen, an der Bischofskonferenz in Rom teilzunehmen. Das Zentrum der Provinz Obergermanien war Mainz. Als erster Bischof wird hier Martinus erwähnt. Dies war Mitte des 4. Jahrhunderts. Nachweisbar gab es Bischöfe in Speyer und Worms. Der erste Bischof von Worms, der bekannt ist, war Victor. Er nahm an der Kölner Synode von 346 teil.