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Die Weimarer Verfassung

Die Katholiken hatten das gesamte 19. Jahrhundert hindurch dem Staat und den staatlichen Institutionen reserviert gegenübergestanden. Sie bejahten die staatliche Gewalt und erkannten die Ordnungsfunktionen an. Erst nach dem Kulturkampf kam es zu einer gewissen Identifikation mit dem kleindeutschen Reich Bismarcks. Trotz dieser Entwicklung wurde das Ende des Krieges 1918 und der damit einhergehende Neuanfang unvorbereitet von den Katholiken zur Kenntnis genommen. Doch sie stellten sich sehr bald den Realitäten. Dies um so mehr, da sie eine sozialistische Diktatur und einen neuen Kulturkampf befürchteten. Diese Angst und zugleich diese Herausforderung waren es auch, die den politischen Katholizismus für den neuen Staat und seine staatstragenden Funktionen vom katholischen Minoritätskomplex befreite.

Die Weimarer Verfassung, an der die Zentrumspartei einen wesentlichen Anteil hatte, trug den religiösen und kirchlichen Belangen in einer Form Rechnung, die die Katholiken schon immer erhofft und angestrebt hatten. Nur in der Schulfrage gab es Unstimmigkeiten, denn die Simultanschule galt als Regelschule. Allerdings wurde der Religionsunterricht, mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen, ordentliches Lehrfach. Schließlich strebten die größeren Länder, wie im 19. Jahrhundert, mit der katholischen Kirche Konkordate ab. In Bayern wurde 1924 das erste Konkordat abgeschlossen, es folgten Preußen und kurz vor Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft noch Baden. Im Preußenkonkordat wurde auch die Gründung von zwei neuen Bistümern vereinbart: Aachen und Berlin.

Da die Reichsverfassung keine staatliche Mitwirkung bei der Bestellung kirchlicher Ämter mehr zuließ, erforderte die Besetzung der Bischofsstühle und der anderen geistlichen Ämter eine Neuregelung. Die Verhandlungen ergaben: In Bayern kann der Papst ohne direktes Einwirken des Domkapitels die Bischöfe ernennen. In Preußen und Baden - seit 1933 auch in den anderen Ländern - erhielten die Domkapitel ein beschränktes Wahlrecht. Sie können aus einem päpstlichen Dreiervorschlag den Bischof wählen. Der Staat hat kein Eingriffsrecht mehr. Er kann nur Bedenken allgemeiner politischer Art gegen einen Bischofskandidaten geltend machen.

Mit Weimar und der neuen deutschen Verfassung setzte ein neuer Frühling für die Kirche ein. Romano Guardini schrieb: „Die Kirche erwacht in den Seelen.“ Allerdings sollte dieser Frühling nicht lange anhalten. Die Weimarer Republik scheiterte, sie wurde abgelöst durch die nationalsozialistische Schreckensherrschaft.

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