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Die Mischehenfrage und das Kölner Ereignis

Trotz der Verhandlungen mit Rom waren die Regierungen nicht gewillt, ihre staatskirchliche Praxis aufzugeben. Preußen und Hannover veröffentlichte die mit Rom erzielten Ergebnisse unter dem Vorbehalt der königlichen Majestätsrechte. Bayern publizierte zwar das Konkordat, erließ aber zugleich ein Religionsedikt, durch das faktisch alle der Kirche zugestandenen Rechte zurückgenommen wurden. Der eklatante Widerspruch zwischen Edikt und Konkordat löste heftige Unruhen aus, die durch die Tegernseer Erklärung König Max Josephs nur mit Mühe überdeckt werden konnten. In Preußen war der direkte Schriftverkehr der Bischöfe mit dem Papst nicht gestattet. Er mußte über das Kultusministerium in Berlin und die Gesandtschaft in Rom abgewickelt werden. In den oberrheinischen Staaten durften nur die Bischöfe direkt mit dem Papst in Verbindung treten. Die Dechanten mußten ihre Berichte an die kirchlichen Vorgesetzten auch der Regierung übergeben. Die Ausbildung von Geistlichen erfolgte durch die Universitäten, das Priesterseminar mußte sich nur auf die praktische Arbeit beschränken.

Das Konzil von Trient hatte für die katholische Kirche die Ehefragen neu geregelt. Diese betrafen auch die bekenntnisverschiedene Ehe. Es legte bei den Mischehen fest, daß die Kinder aus solchen Ehen im katholischen Glauben zu erziehen waren. Wenn jedoch, wie im Falle Preußens, diese Regelung durch staatliches Gesetz unterbunden wurde, dann mußte ein Widerspruch auftreten. So kam es zum Eklat, als Preußen die katholischen Bestimmungen außer Kraft und auf der Basis der staatlichen Vorstellungen ordnen wollte. Dieses Vorhaben stieß vor allem in den westlichen katholischen Teilen Preußens, dem Rheinland, auf erheblichen Widerstand. Es kam zu Verhandlungen mit Preußen.

Papst Pius VIII. kam Preußen in der Mischehenfrage weitestgehend entgegen. In einem Breve von 1830 erklärte der Papst, von einem förmlichen Versprechen der katholischen Kindererziehung könne abgesehen werden. Im Weigerungsfalle dürfe der katholische Geistliche bei der Eheschließung nur passive Assistenz leisten, also nur den Konsens der Ehewilligen entgegennehmen und ins Trauregister eintragen. Preußen war mit diesem Ergebnis nicht zufrieden. Die Berliner Regierung drängte Erzbischof Spiegel von Köln und durch ihn die Kölner Kirchenprovinz zu einer „Geheimen Konvention“, um das päpstliche Breve, das von der Berliner Regierung zurückgehalten worden war, zu unterlaufen. Berlin erklärte dem Erzbischof gegenüber, die Vorstellung Berlins in der Mischehenfrage stimme mit dem Breve des Papstes überein. Dieser Vorgang muß als ein staatlicher Eingriff in die innerkatholische Sakramentenverwaltung bewertet werden.

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