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Die Umsetzung der Trienter Konzilsbeschlüsse

Petrus Canisius, der erste deutsche Jesuit, überbrachte 1564 den deutschen Bischöfen die Konzilsentscheidungen. Da eine Annahme der Konzilsbeschlüsse durch das Reich nicht mehr möglich war, galt es, diese Beschlüsse auf der Ebene der einzelnen Staaten und Reichsbistümer umzusetzen. Für diese Arbeit gründete Pius V. (1566-1572) die Deutsche Kongregation. Sie sollte dafür sorgen, daß die katholischen Überreste nicht untergingen und protestantische Gebiete zurückgewonnen werden konnten. Sein Nachfolger, Papst Gregor XIII. (1572-1585) stellte die Nuntiaturen in Deutschland in den Dienst der katholischen Erneuerung, und zugleich bediente er sich der Jesuiten und Kapuziner für die Durchsetzung der katholischen Reform.

Petrus Canisius gelang es, durch seinen Katechismus besonders in den Schulen den katholischen Glauben zu stärken und nachhaltig Einfluß zu gewinnen. Um den Geist des Konzils in Deutschland an führender Stelle umzusetzen, hatten die Jesuiten in Rom das Collegium Germanicum gegründet, und der Papst hatte es mit großen Besitzungen beschenkt. Hier wurden die späteren priesterlichen Führungskräfte ausgebildet. Die Nuntien ihrerseits trugen durch ihr Beispiel und ihren pastoralen Einsatz wesentlich zur Erhaltung des katholischen Glaubens bei. Schließlich wirkten sich positiv für die Durchführung der katholischen Reform die regelmäßigen bischöflichen Rombesuche, bei denen sie über den Zustand in ihren Diözesen berichten mußten, aus.

Trotz all dieser Mühen und Anstrengungen konnte die von Trient ausgehende Reform nur schleppend in Deutschland umgesetzt werden. Es dauerte von 1564/65 bis 1617 bis praktisch alle Diözesen in Deutschland die Trienter Dekrete angenommen und deren Umsetzung veranlaßt hatten. Dies bedeutet jedoch nicht, daß auch schon alle Beschlüsse umgesetzt wurden. Mit dem Beginn des 17. Jahrhunderts war es dann schließlich so weit, daß die Katholiken im Deuschen Reich das Gesetz des Handelns wieder mitbestimmen konnten. Neben dieser Entwicklung gab es auch eine festere und schärfere Grenzziehung und einen Ausbau der Gegensätze. 1608 schlossen sich die Evangelischen zur „Protestantischen Union“ zusammen, und auf katholischer Seite kam es 1609 zur Bildung der „Liga“. Das Verhängnis kam mit dem Großen Krieg, der 1618 begann und 1648 mit dem Westfälischen Frieden sein Ende fand. In die Geschichte ist dieser Krieg als der dreißigjährige Krieg eingegangen.

Der Westfälische Friede brachte für die katholische Kirche zwei Erzbistümer und 13 Bistümer. Die vielleicht kurioseste Bestimmung betraf Osnabrück. Hier wurde festgelegt, daß auf einen katholischen ein evangelischer Bischof folgen müsse. Papst Innozenz X. (1644-1655) protestierte zwar gegen diese Bestimmungen, doch sein Protest hatte keine Wirkung. Mit dem Westfälischen Frieden war die Spaltung der Kirche und des Glaubens in Deutschland vertraglich festgeschrieben.

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