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Das Zeitalter der westlichen Kirchenspaltung

Mit Papst Bonifaz VIII. (1294-1303), der als erster Papst der Kirche ein Heiliges Jahr ausrief, überschritt das Papsttum seinen machtpolitischen Höhepunkt. Für etwa 70 Jahre folgte nun das Exil der Päpste in Avignon und die enge Bindung des Papstes an die französische Krone. Es kam zu einer Entfremdung des Papsttums mit dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Wie stark diese war, belegt das Verhältnis Papst Johannes XXII. und Ludwig des Bayern. An seinen Hof flüchteten oppositionelle Franziskaner, um gegen Rom zu schreiben, so die antipäpstliche Schrift „Defensor pacis“ (Verteidiger des Friedens) des Marsilius von Padua. Ludwig selbst forderte ein allgemeines Konzil und die Absetzung des Papstes. Weiter dokumentiert die starke Spannung zwischen Papsttum und Reich, die Erklärung der deutschen Kurfürsten (1338) auf dem Kurverein zu Rhense, daß der nach altem Recht von der Mehrheit der Kurfürsten erwählte römische König ohne Approbation und Bestätigung des Apostolischen Stuhls den Königstitel führen könne.

Der mit Bonifaz VIII. einsetzende Niedergang des Papsttums und die schädlichen Auswirkungen der weltlichen Papstmacht für die Kirche versuchten die verschiedensten Reformbestrebungen entgegenzuwirken. Es war die Einleitung einer Reform im Geiste der evangelischen Armut. Es waren die neuen Orden, die entstanden und das Schiff zur Kursänderung zwingen wollten. Zunächst waren es die Zisterzienser. Sie wurden 1098 von Robert von Molesmes gegründet. Aus diesem Orden ging der hl. Bernhard von Clairvaux hervor, ferner die Prämonstratenser. Diesen Orden rief Norbert von Xanten (+ 1134), Grafensohn und Domherr, in Köln ins Leben. Es folgten die Dominikaner. Sie wurden von dem spanischen Domherrn in Osma, Dominikus (+ 1221) gegründet. Dominikus wollte mit Hilfe seiner Gefährten die Anhänger der Sekte der Albigenser zur Kirche zurückführen.

Als der vielleicht größte Reformator der Kirche kann Franziskus von Assisi bezeichnet werden. Zu ihm hatte Christus durch das Kreuz in St. Damiano gesprochen und den Auftrag gegeben, das einstürzende Haus wieder zu festigen. Franziskus (+ 1226), der Sohn eines reichen Kaufmanns, forderte eine rückhaltlose Nachfolge Christi ohne irgendwelche Abstriche. Zu Reformen wollte auch die Mystik führen. Einer der bedeutendsten Mystiker war der hl. Bernhard von Clairvaux, aber auch Meister Eckhart (+ 1327), er stammte aus dem thüringischen Rittergeschlecht, die hl. Brigitta von Schweden, Johannes Tauler und der sel. Heinrich Seuse. Nicht vergessen werden dürfen die hl. Katharina von Siena und die hl. Hildegard von Bingen.

Ungeachtet all dieser Mühen und Anstrengungen zu einer Reform ging der Weg des Papsttums und damit auch der Kirche weiter abwärts. Der „Babylonischen Gefangenschaft“ in Avignon folgte 1378 das Abendländische Schisma. Päpste und Gegenpäpste standen gegeneinander, und die Anhänger der jeweiligen Päpste trennten Diözesen und Klöster. Schließlich sollte durch ein Konzil, welches nach Pisa einberufen werden sollte (1409), die Spaltung der Kirche überwunden werden. Es hatte keinen Erfolg und scheiterte vor allem an der hartnäckigen Haltung der Papstprätendenten, am deutschen König Ruprecht.

König Sigismund gelang es schließlich, nachdem die innerkirchliche Verwirrung durch die Wahl Alexander V. zum Papst noch größer geworden war, Johannes XXII. zur Einberufung eines Konzils nach Konstanz (1414-18) zu bewegen. Dieses Konzil konnte durch Absetzung Johannes XXII. und Benedikt XIII. sowie durch den Rücktritt Gregors XII. einen neuen Papst wählen. Aus der Wahl im Kaufhaussaal in Konstanz ging am 11. November 1417 Martin V. als Papst hervor. Mit ihm begann eine neue Epoche der Papstgeschichte. Er war auch bemüht, eine Reform der Kirche einzuleiten, machte jedoch gleichzeitig auch deutlich, wer Papst sei. Ferner legte das Konzil mit dem Dekret „Frequens“ (1417) fest, daß regelmäßig Konzilien abzuhalten seien. So folgten 1423 das Konzil von Pavia-Siena. Es ging ein Jahr später zu Ende, und sieben Jahre später folgte das Konzil von Basel. Es war von Martin V. einberufen worden, der 1431 starb. Nach der versuchten Konzilsauflösung durch den neuen Papst, Eugen IV., kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Papst und Konzilsvätern, die ihren Höhepunkt in der Wahl Felix V. hatte. Der Papst hatte inzwischen das Konzil von Basel nach Ferrara-Florenz verlegt. Hier kam es 1439 zur Union mit den Griechen. Diese Einigung stärkte das Ansehen Eugen IV. Schließlich wurde er durch das Reich 1446 als rechtmäßiger Papst anerkannt, und Friedrich III. vertrieb die letzten noch in Basel verbliebenen Konzilsväter.

Das Spätmittelalter nur als eine Zeit der Machtkämpfe zwischen Päpsten und Gegenpäpsten und Herrschern zu sehen, wäre ein Zerrbild. In den breiten Bevölkerungsschichten gab es ein frommes Bürgertum, aber auch den Willen zur Reform. Hiervon legen die Kölner Kartause und vor allem die Tagebücher und Briefe der Caritas Pirkheimer von St. Klara in Nürnberg Zeugnis ab. Doch ungeachtet all dieser Entwicklungen war die Zeit für dramatische Veränderungen reif.

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