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Das Internet ist das Medium der Wissensgesellschaft und hat daher durch seine Struktur und seine Formate eine größere Nähe zur Bildung als z.B. das Erzählmedium Fernsehen. Wurden Radio und Fernsehen in ihren Anfangsjahren noch dem Auftrag der Bildung unterworfen und waren Radio- und Fernsehprogramme integrierte Bestandteile von Bildungsprogrammen, erfüllen diese Medien diesen Auftrag heute nicht mehr. Die durch das private Radio und die kommerziell finanzierten Fernsehprogramme entstandene Konkurrenzsituation hat bereits dazu geführt, daß auch die gebührenfinanzierten Sender keine Bildungsprogramme mehr produzieren. Das Internet kann diese Lücke schließen und hat für Bildungsprozesse bereits eigene Formate entwickelt.

Bildung im Unterschied zu Nachrichten
Bildung soll hier in breiterem Sinne als die Informationsaufnahme und -verarbeitung verstanden werden, die auf Grundlagenwissen abzielt. Durch die Auswahl der Informationseinheiten unterscheidet sich Bildung von der Nachricht. Nachrichten werden unter dem Aspekt „Aktualität“ ausgewählt und zusammengestellt. Bildungsinhalte werden nach den leitenden Fragen, die zum Grundbestand einer Kultur gehören, ausgewählt. Bildung bietet die Voraussetzung, sich in einer bestimmten Kultur verhalten zu können. Die Nachricht bietet die Orientierung, was sich in den Bereichen Politik, Sport, Wirtschaft, Kulturschaffen verändert hat, was Neues produziert wurde. Bildung schafft die Voraussetzung, die Nachrichten einordnen zu können. Die Inhalte für Bildungsprogramme werden nicht wie in den Nachrichten nach Wichtigkeit aufgebaut, sondern in einen systematischen Zusammenhang gestellt. Die Nachrichten richten sich danach, welche aktuelle Veränderung für die meisten Leser, Zuschauer von Bedeutung sind, Bildungsinhalte werden unter der Rücksicht ausgewählt, ob sie grundlegend genug sind, Verständnis zu ermöglichen. Ein weiteres Kriterium für die Auswahl ist schließlich, ob die Inhalte entsprechend den Methoden der jeweiligen Wissenschaften abgesichert sind.
Die internettypischen Formate zeigen, wie das Internet für Bildungsprogramme eingesetzt werden kann. s. Internet-seine kommunikative Funktionen

Internetlexika
Wikipedia u.a. andere Lexika sind inzwischen das Format, das im Sinne von Bildung am meisten genutzt wird. Wie das klassische Lexikon antworten die Internetlexika auf einzelne Fragen, die im Zusammenhang mit beruflichen, Erziehungs- u.a. Fragen auftauchen. Wer ein Buch oder einen Zeitungsartikel liest, kann Sachverhalte im Internet recherchieren, auf die sich das Buch, der Artikel beziehen, die aber dort nicht erläutert werden.

Hyperlinks
Die Vernetzung, die auch gedruckte Lexika durch Verweise leisten, kann das Internet sehr viel breiter anlegen, da nicht nur auf andere Stichworte des Lexikons, sondern auf alle Seiten, die im Internet online erreichbar sind, verlinkt werden kann.

Suchmaschinen
Um Bildungsinhalte aufzufinden, bietet das Internet eine Technik an, die dem Katalog einer Bibliothek oder für einzelne Themen zusammengestellten Bibliographien weiter überlegen ist. Der größte Teil der Bildungsinhalte wird heute durch die Suchmaschinen zugänglich gemacht. Auch ist die Zahl der Seiten, die eine Suchmaschinen listet, sehr viel größere als die, die über eine gedruckte Bibliographie zusammengestellt werden können. Nicht zuletzt die Suchmaschinen bewirken, daß Bildungsprozesse, die das Individuum selbst steuert, aus Bibliotheken und Seminaren in das Internet verlagert werden. Auch die Orientierung, welche Buchtitel und welche Seminarangebote für den individuellen Bildungswunsch passend sind, wird sich ins Internet verlagern. Das bietet den Anbietern von Bildung große Kostenersparnisse. Hatte das bisherige Halbjahresprogramm erhebliche Streuverluste, weil das Druckerzeugnis vielen Leuten zugeschickt werden mußte, deren genaue Bildungswunsch der Anbieter nicht kennen konnte, wird im Internet der Bildungssuchende selbst aktiv, indem er seinen Bildungswunsch in die Suchmaschine eintippt. Bildungswerbung wird durch das Internet nicht nur sehr viel preiswerter, sondern erreicht auch die Zielgruppe sehr viel besser. Voraussetzung ist allerdings, daß Bildungsträger ihre Angebote genau mit den Internetseiten verknüpfen, die bei Google auf den vorderen Plätzen gelistet werden.

Chats und Foren
Das Internet bietet die für Bildungsprozesse notwendigen Gesprächsebenen, um über die Informationen, die der einzelne aufgenommen hat, zu diskutieren, denn nur so kann das Gelernte eingeordnet und in seiner Relevanz beurteilt werden.
Chats versammeln eine Lerngruppe, Foren bieten im Vorfeld zu Angeboten die Möglichkeit, die Interessen potentieller Teilnehmer kennenzulernen und überhaupt die zu erreichen, die sich mit einer Fragestellung beschäftigen.

Die hier dargestellten Formate haben bereits zu einer Individualisierung der Lernprozesse geführt. Jeder Internetnutzer kann die ihn interessierenden Fragen über eine Suchmaschine eingeben und erhält Antworten, die nur seine Frage betreffen. Allerdings ist das Internet weniger in der Lage, eine spezielle Thematik in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Auch ist mit den oben dargestellten Formaten kein systematisches Lernen möglich. Dafür müssen Lernprogramme entwickelt werden. Diese scheinen nach bisherigen Beobachtungen aber nicht so einfach zu funktionieren, denn Lernen verlangt offensichtlich ein eigenes, lernförderndes Umfeld, das der mit dem Internet verbundene PC wohl nicht ausreichend bietet. Es braucht eine andere Disposition und Motivation als die, die das Surfen wie auch das Zeitungslesen und Fernsehschauen dem einzelnen abverlangen. Wenn das World-Wide-Web mit der Email verbunden wird, bietet das Internet auch hier ein eigenes Format.

Tutor-gestützte Lernprogramme
Das Internet ermöglicht die Einrichtung von Seminarräumen, die bundesweit zugänglich sind. Jeder Lernende kann einen persönlichen Tutor in Anspruch nehmen, mit dem er über Email verbunden ist.
Werden solche systematisch aufgebauten Lernprogramme mit Foren und Chats verbunden, können die Teilnehmer diskutieren, sich auf weitere Fragestellungen aufmerksam machen, die Relevanz des Gelernten abschätzen.

Folgerungen für die Weiterbildung:
Ein Teil der Bildungsprozesse sind bereits ins Internet verlagert und werden sich weiter dorthin verlagern. Das betrifft vor allem Wissensinhalte, die eingegrenzt sind und sich auf eine einzelne Frage beziehen.
Weiterbildungseinrichtungen sollten Einzelthemen und aktuelle Fragestellungen zu einem Teil ins Internet verlagern. Das hat den großen Vorteil, daß überregional Teilnehmer erreicht werden können.
Wenn es um die Erarbeitung von Zusammenhängen, die Vertiefung von Fragen und die Erarbeitung größerer Lerneinheiten geht, bietet das Internet nicht die Voraussetzungen wie ein Seminarraum mit einer motivierten Gruppe, eine Bibliothek, in der man sich über Stunden mit einem Buch beschäftigt, ein Lernprogramm, das man mit einer Prüfung beendet. Deshalb werden Schule, Universität, Weiterbildungseinrichtungen ihre Funktion behalten, wenn es um systematisches Lernen geht. Allerdings werden Weiterbildungseinrichtungen ihre Teilnehmer immer mehr über das Internet rekrutieren, denn ehe sich jemand für den größeren Aufwand entscheidet, nämlich einen Kurs zu buchen, ein Seminar zu besuchen, wird er sich erst einmal über eine Suchmaschine kundig machen. Stößt er bei seiner Internetrecherche nicht auf das Seminarangebot der Weiterbildungseinrichtung, die Teilnehmer sucht, wird dieses Angebot nicht in die Entscheidung einbezogen, wenn sich der Surfer entschließt, sich gründlicher und systematischer mit dem Thema auseinanderzusetzen.

s. auch Internet im Medienvergleich

Eckhard Bieger
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