Vorbereitung
auf die Taufe
Seit frühester
Zeit führt der Weg in die Kirche als Gemeinschaft
derer, die an Jesus Christus glauben, über die Sakramente
Taufe, Firmung und Eucharistie. Diesen Weg des Christwerdens
als Prozess der Eingliederung in die Kirche nennt man Katechumenat,
die Bewerberinnen und Bewerber um die Sakramente des Christwerdens
heißen Katechumenen.
In den ersten christlichen Jahrhunderten war die Taufe und Firmung Erwachsener
der Normalfall, und damit auch der Erwachsenenkatechumenat. Erst im Laufe des
5. Jahrhunderts wurde die Kindertaufe in der Kirche üblich, später
sogar flächendeckend praktiziert, da das Christentum inzwischen Staatsreligion
des römischen Reichs geworden war und die Zugehörigkeit zur Kirche
nicht mehr der besonderen Entscheidung und Entschiedenheit des einzelnen Gläubigen
bedurfte.
Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellen sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
in Deutschland wieder anders dar: Immer mehr Menschen erfahren keine kirchliche
Sozialisierung mehr von Kindesbeinen an. Etliche Zeitgenossen haben sich aus
unterschiedlichen Gründen von der Kirche abgewendet oder wurden durch
die äußeren Umstände, etwa eine atheistische Staatsdoktrin,
von der christlichen Glaubensüberlieferung entfremdet. Kommen diese Menschen
mit dem christlichen Glauben im Erwachsenenalter erneut oder erstmalig in Kontakt,
braucht es eine intensive Phase, den Glauben und dessen Praxis kennen zu lernen.
Dies geschieht durch Begleitung und Auseinandersetzung mit Menschen, die ihr
Leben bereits aus dem Glauben gestalten. Seit etlichen Jahren nimmt die Kirche
in Deutschland in ihren katechetischen Bemühungen die Erwachsenen neu
und verstärkt in den Blick; gewachsene und lebendige Praktiken der Kindertaufe
und -katechese bleiben dabei pastoral durchaus relevant.
Der Erwachsenenkatechumenat vollzieht sich in mehreren aufeinander aufbauenden
Phasen und Stufen; die Lebensgeschichte der Katechumenen, die Aussagen des
Glaubens und gestufte liturgische Feiern sind konstitutiv für den Weg
der Eingliederung in die Kirche. Oftmals wird dies zu einer Bereicherung des
Lebens der christlichen Gemeinde. Der Erwachsenenkatechumenat inspiriert so
die katechetische Praxis insgesamt – die Einführung, Vertiefung
und Vergewisserung im Glauben.
Weihbischof Prof. Dr. Paul Wehrle, Erzdiözese Freiburg
Literatur:
Erwachsenentaufe als pastorale Chance. Impulse zur Gestaltung des Katechumenats
(Arbeitshilfen 160), hg. v. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz,
Bonn 2001.
© Erzbistum
Freiburg |
|