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Klösterliches Leben – ein Glossar

In der Umgangssprache werden die religiösen Gemeinschaften ohne Unterschied »Orden« genannt. Diese Bezeichnung trifft jedoch nur auf wenige, zumeist sehr alte und traditionelle Gemeinschaften zu, deren Status zudem juristisch genau umschrieben ist. Die bekanntesten sind die so genannten »alten Orden«. Sie haben in den meisten Fällen eine eigene Spiritualität ausgebildet, die später entstandene religiöse Kongregationen oder Institute häufig übernommen und weiterentwickelt haben. Diese sind deshalb der Tradition eines solchen Ordens zuzuordnen (oft »Familie« genannt), bilden aber eine eigene Gemeinschaft, gerade auch in ihrer äußeren Organisation. Der Franziskanerorden, der aus drei Zweigen besteht, kennt über 200 solcher Gemeinschaften, die sich auf seine Spiritualität berufen, ohne doch im eigentlichen Sinne ein und demselben Orden anzugehören.
In der katholischen Kirche gibt es gegenwärtig etwa 2000 solcher Gemeinschaften, die auf unterschiedliche Weise versuchen, das Evangelium in ihrem Alltag zu verwirklichen. Anstoß zur Gründung einer solchen Gemeinschaft kann neben einer bestimmten spirituellen Tradition auch eine bestimmte Aufgabe oder Tätigkeit sein (z.B. Krankenpflege, Gefangenenseelsorge etc.); religiöse Gemeinschaften reagieren damit häufig auf ein bestimmtes Zeiterfordernis, auf Notsituationen in Kirche und Welt zur Zeit ihrer Gründung. Neben den großen »alten Orden« sind daher in diese kurz gefasste Übersicht über die Geschichte der Orden und religiösen Gemeinschaften nur jene aufgenommen, die im deutschsprachigen Raum besonders zahlreich vertreten sind bzw. selber neue spirituelle Traditionen geschaffen haben. Weitere Informationen finden sich in entsprechenden Handbüchern und Nachschlagewerken. – Knappe Bemerkungen zur Spiritualität der evangelischen Gemeinschaften bietet der jeweilige Eintrag.

Abtei

Jene Klöster, denen ein Abt als Oberer vorsteht, werden seit dem 11. Jh. Abteien genannt. Benediktiner- und Zisterzienserklöster, deren Gemeinschaften mehr als zwölf Mönche hatten, wurden traditionellerweise zu Abteien erhoben. Durch das Gelübde der Beständigkeit (»stabilitas«) sind die Mönche an die Abtei, ihr
»Vaterhaus«, gebunden. Die Mönche ihrerseits wählen den Abt, ihren Vorsteher. Eine Abtei ist »exemt«, d. h. in sich selbstständig, sie untersteht also nicht dem Bischof.


Augustiner-Chorherren (OSA)

Die Klöster der Augustiner-Chorherren entfalteten sich aus Priestergemeinschaften, die nach einem bestimmten Kanon zusammenlebten. Daher auch die Bezeichnung »Kanoniker«. Eines ihrer Vorbilder war der Kirchenvater Augustinus (354–430), der schließlich namensgebend für sie wurde. Die Augustiner-Chorherren durften anfangs Privateigentum besitzen. Erst nach einer Reform und Teilung innerhalb der Klöster entstanden die »regulierten« Chorherrenstifte. Um eine engere Bindung untereinander zu erreichen, schlos-sen sich viele Chorherrenstifte zu Kongregationen zusammen und trafen sich zu regelmäßigen Generalkapiteln. Im 17. und 18. Jh. kam es zu einem Aufschwung der Seelsorge und des Wissenschaftsbetriebs in vielen Chorherrenstiften, so beispielsweise in Klosterneuburg bei Wien und in St. Florian. 1907 konnten sich die sechs großen österreichischen Chorherrenstifte Klosterneuburg, St. Florian, Herzogenburg, Reichersberg, Vorau und Neustift bei Brixen zur Österreichischen Kongregation zusammenschließen, an deren Spitze der jeweils auf fünf Jahre gewählte Generalabt steht; die einzelnen Stifte sind innerhalb der Kongregation rechtlich selbstständig. Alle Klöster der Augustiner-Chorherren zusammen bilden eine Konföderation mit einem Abtprimas an der Spitze.


Barmherzige Schwestern

Die Bezeichnung »Barmherzige Schwestern« wird allgemein auf weibliche Genossenschaften für Armen- oder Krankenpflege angewandt. Insbesondere trifft sie auf jene drei Gemeinschaften zu, die in diesem Klosterführer erwähnt sind: Borromäerinnen, Kreuzschwestern und Vinzentinerinnen. Die Kongregation Barmherziger Schwestern vom hl. Karl Borromäus wurde 1652 in Nancy errichtet. Das dortige Stamm-Mutterhaus wurde zum Ausgangspunkt aller weiteren Gründungen, die unter der Leitung von selbstständigen General-Mutterhäusern stehen. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz wurde 1852 von dem Schweizer Kapuziner Theodosius Florentini gegründet. Sie breitete sich rasch in Europa und Übersee aus und umfasst heute 22 Provinzen. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul wurde von diesem 1634 gemeinsam mit Louise de Marillac gegründet. 1734 konstituierte sich in Straßburg ein eigener Zweig im Geist des hl. Vinzenz. Er breitete sich von dort insbesondere in Deutschland aus.


Benediktiner (OSB)

Die Benediktiner sind der älteste heute noch bestehende abendländische Mönchsorden und gingen hervor aus unterschiedlichen Laiengruppen, die nach der Regel Benedikts (geboren um 480 in Nursia) zusammenlebten. Erst seit dem 8. Jh. setzte sich durch, dass immer mehr Mönche zugleich Priester waren und auch politische Aufgaben übernahmen. Einzelne Klöster konnten so zu mächtigen Institutionen werden. Zudem leisteten die Benediktiner gerade im deutschsprachigen Raum wichtige Kultur-, Bildungs- und Missionsarbeit. Ihre Klöster waren im Mittelalter politische, wirtschaftliche und religiöse Zentren. Etwa um 1400 bildeten die einzelnen bislang autonomen Klöster Kongregationen, die zugleich zu einer neuen Blüte des Ordens führten, der sich nunmehr in stärkerem Maße auf seine betont religiösen Aufgaben und Anliegen beschränkte. In der Säkularisation überlebte in Deutschland kein einziges Benediktinerkloster. Ein mühsamer Neubeginn setzte ein, als um 1830 die ersten Klöster wieder gegründet wurden und zuerst die Bayerische und dann die Beuroner Kongregation entstanden. Die Benediktiner, die sich besonders der Pflege der Liturgie annahmen, konnten vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland vor allem auf die religiös-kirchliche Erneuerung maßgeblichen Einfluß nehmen. Nach der Regel Benedikts soll die Mönchsgemeinschaft sich als Familie verstehen, die sich dem Abt (Vater) freiwillig unterordnet. Eine gemeinsame Tagesordnung und vor allem das kirchliche Stundengebet strukturieren das Leben der Mönche, die körperliche Arbeit und geistliches Leben miteinander zu verbinden suchen. Daneben entwickelten die Missionsbenediktiner eine ausgedehnte Missionstätigkeit. Benediktinisches Ordensleben empfängt seine Inspiration aus der Benediktusregel, die ihrerseits am Evangelium und an den Ordensregeln der frühen Kirche orientiert ist. Benedikt wollte, dass seine Klöster Monasterien seien: Stätten relativer Weltdistanz, wo die Mönche und Nonnen wie in einer Schule den Dienst für Gott erlernen und einüben und in brüderlicher Gemeinschaft ein Stück Welt bauen, in dem Gottes Herrschaft bedingungslos anerkannt wird.


Claretiner (CMF)

Missionsgesellschaft der Söhne des Unbefleckten Herzens Mariä. Die Vereinigung wurde von A. M. Claret 1849 in Vich (Spanien) gegründet und 1870 von Pius IX. endgültig anerkannt. Das Betätigungsfeld der Claretiner ist das katholische Apostolat, vor allem die Volksmission. Die Claretinerinnen widmen sich insbesondere der Ausbildung der weiblichen Jugend.


Dominikaner (OP)

Dominikus Guzmán wurde 1170 in Kastilien geboren und studierte Theologie in Palencia. Bei einem Aufenthalt in Toulouse (1203) lernte er die Albigenser, die ein radikales, von der Kirche losgelöstes Leben nach dem Evangelium führten, kennen und kam zu dem Schluss, dass die Erfolge der albigensischen Prediger vor allem daher rührten, dass Klerus und Laien große Unwissenheit in religiösen Dingen aufwiesen. Um diesem Missstand abzuhelfen, sammelte Dominikus Männer um sich, die versuchen sollten, in möglichst einfachen Worten das Evangelium zu predigen. Um die religiöse Unwissenheit im Klerus zu beheben, sollten diese Männer zugleich eine qualifizierte theologische Ausbildung er-halten und so leben, dass sie selbst Beispiele für die Ideale des Evangeliums sein könnten. Das erste Kloster des »Predigerordens« entstand 1215 in Toulouse; die Brüder lebten nach der Regel des heiligen Augustinus, die Dominikus durch strengere Bestimmungen erweiterte (z.B. hinsichtlich Fasten, Kleidung, Nahrung). 1228 wurde diese Regel neu bearbeitet und bestätigt. Zahlreiche Kongregationen und Gemeinschaften der Neuzeit – vor allem Frauengemeinschaften – berufen sich in ihrer Spiritualität auf Dominikus und seine Bewegung.


Franziskaner (OFM; OFMConv; OFMCap)

Im weiteren Sinne zählen zu den Franziskanern alle Orden und Genossenschaften, die sich an Franz von Assisi (†1226) und seine Ordensregel anlehnen, in engerem Sinne aber nur Franziskaner, Minoriten, Konventualen und Kapuziner, die sich auf die Regel von 1223 berufen. Franziskus wollte ein ganz vom Evangelium geprägtes Leben führen, betonte aber besonders die Befolgung der höchsten Armut des Einzelnen und der Gemeinschaft (daher auch »Bettelmönche«, da absolutes Geldverbot herrschte). Hinzu kam eine starke Predigt- und Seelsorgetätigkeit, die ein außergewöhnliches Wachstum des Ordens – vor allem in den im Mittelalter entstehenden Städten – begünstigte. Weiteres Tätigkeitsfeld war die Wissenschaft in den überall entstehenden Universitäten. In seiner wechselvollen Geschichte erlebte der Orden, der sich den jeweiligen Zeitumständen anzupassen suchte, vielfache Versuche, zur ursprünglichen Strenge und Armut zurückzukehren. Aus einem solchen Reformversuch gingen die Kapuziner hervor. Auf Franziskus berufen sich auch die Klarissen (der II. Orden), die ein streng zurückgezogenes und beschauliches Leben führen, und der III. Orden, der Männer und Frauen aus den verschiedensten Lebensbereichen umfasst, vielfach auch »Franziskanische Gemeinschaft« genannt. Aus dieser entwickelten sich zu verschiedenen Zeiten klösterliche Gemeinschaften, die als »Regulierter Dritter Orden« bekannt sind. Allein in Deutschland gibt es gegenwärtig 32 solcher klösterlichen Gemeinschaften.


Herz-Jesu-Missionare (MSC)

Die Gesellschaft der Herz-Jesu-Missionare wurde 1854 von J. Chevalier in Issoudun (Frankreich) gegründet. Die ursprüngliche Aufgabe bestand in der Förderung der Herz-Jesu-Verehrung. 1891 wurde die Gesellschaft endgültig anerkannt. Heute sind die Mitglieder vor allem als Missionare in Ozeanien, Neuguinea und Indonesien tätig. Die europäischen Klöster dienen als Stützpunkte dieser Missionstätigkeit. Zahlreiche Schwesternkongregationen leiten Spiritualität und Aufgabenbereiche von den Herz-Jesu- Missionaren her.


Jesuiten (SJ)

Die Gesellschaft Jesu geht zurück auf eine Gruppe um Ignatius von Loyola, die sich am 15.8.1534 durch gegenseitige Gelübde aneinander band. Ihr Fundament bildeten die »Geistlichen Übungen« des Ignatius. 1540 wurde die Gruppe von Rom anerkannt. Ihre Ziele waren: Ausbreitung des Glaubens durch Predigt, Exerzitien, Bildungstätigkeit in allen Institutionen. Die seelsorgerliche Arbeit diente zugleich der Vervollkommnung der einzelnen Ordensmitglieder. Der Orden breitete sich rasch aus und erhielt in der »Ratio studiorum« von 1599 eine verbindliche Norm für seine Bildungsarbeit. Bedeutend war die Wirksamkeit der Jesuiten vor allem zur Zeit der Gegenreformation und der Aufklärung; diese Tätigkeit setzte die Gesellschaft Jesu zahlreichen Anfeindungen und Verdächtigungen aus, die 1773 zur Aufhebung des Ordens durch Papst Clemens XIV. führten. Die Vertreibung aus vielen Ländern Europas ging dieser Aufhebung unmittelbar voraus. Pius VII. stellte den Orden 1814 wieder her; er breitete sich überraschend schnell aus, vor allem in Nord- und Südamerika. In Europa führten die Jesuiten jene Aufgaben weiter, die ihr Wirken bereits vor der Aufhebung gekennzeichnet hatten.


Kanoniker (Chorherren)

Als Kanoniker oder Chorherren werden Kleriker bezeichnet, die als Mitglieder eines Kathedral-, Dom- oder Stiftskapitels gemeinsam Gottesdienst feiern. Diejenigen Kanoniker, die dem in der »Gregorianischen Reform« des 11. und 12. Jh.s entwickelten Reformprogramm folgten und sich einem Leben in Gemeinschaft nach Regeln mit Ordensgelübden in Gehorsam, Keuschheit und Armut verschrieben, werden als Regularkanoniker (regulierte Chorherren bzw. Chorfrauen) bezeichnet. Die bedeutendsten der regulierten Chorherren-Orden sind die nach der Augustiner-Regel lebenden Augustiner-Chorherren und die Prämonstratenser.


Karmeliten (OCarm; OCD)

Die Karmeliten verstehen ihr Leben als Fortsetzung jenes Lebens in der Einsamkeit des Berges Karmel, das der Prophet Elija, von dem das Alte Testament berichtet, führte und das Kreuzfahrer im 13. Jh. in Palästina nachzuahmen begannen. 1209 gab ihnen der Patriarch von Jerusalem eine Regel, die Papst Honorius III. bestätigte. Die Vertreibung nach Europa (1240) nahm dem Orden viel von seinen ursprünglichen Idealen. Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila reformierten im 16. Jh. gegen innere und äußere Widerstände den Orden, der zu einem Leben in Gebet und Strenge gegen sich selbst zurückkehrte.
»Jeder soll Tag und Nacht im Gesetz des Herrn betrachten und im Gebet wachen.« Nach diesem Ideal lebten Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz, Therese von Lisieux und Edith Stein. Eine solche radikale Ausrichtung auf Gott kann nur im Dienst an den Mitmenschen gelebt werden. Der Orden sieht sein Ideal am klarsten verdeutlicht in Maria, der Mutter und Königin des Karmel. Deshalb verehrt er seit seinen Anfängen Maria in besonderer Weise. Der Erste Orden (der männliche Zweig) bemüht sich auch heute noch getreu seinem Ideal, ganz für Gott da zu sein und grundsätzlich offen zu sein für jede Art des Apostolats in der Kirche. Der Zweite Orden (der weibliche Zweig) lebt in der Zurückgezogenheit der Klausur ganz dem Apostolat des Gebets und des Opfers,
jedoch für die Mitmenschen. Der Dritte Orden (die klösterliche Gemeinschaft) lebt das Ideal des Karmel neben Gebet und Betrachtung im Apostolat tätiger Nächstenliebe (Kindergarten, Altenpflege). In Deutschland sind dies vor allem die »Marienschwestern vom Karmel« und die »Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen«.


Kartäuser (OCart)

Die Kartäuser gelten als strengster Orden, den die katholische Kirche hervorgebracht hat. Er geht auf Bruno von Köln zurück, geboren 1030 und lange Jahre Leiter der Domschule zu Reims. Im Investiturstreit, der zu einer Verflachung des religiös-kirchlichen Lebens in weiten Kreisen führte, zog er sich in die Einsamkeit von La Chartreuse zurück, um ein Büßerleben zu führen. In der Zwischenzeit als Berater nach Rom berufen, gründete er ein zweites Kloster in der Einsamkeit von Kalabrien. Dort starb er im Jahre 1101. In der Gegend von La Chartreuse fanden sich bald viele Einsiedlergruppen, die sich später der Grande Chartreuse unterstellten. Dieser Zeitpunkt darf als der der eigentlichen Ordensgründung angesehen werden. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung im 15. Jh. umfasste der Orden ca. 200 Klöster. Die Kartäusermönche sind Eremiten und verbringen ihr ganzes Leben – mit Ausnahme der Gottesdienste – in Einsamkeit und Stillschweigen.


Kloster

Das Gebäude einer Gemeinschaft von zölibatär lebenden Christen wird normalerweise als Kloster bezeichnet (vom lat. claustra oder claustrum, »Riegel, Verschluss, Schloss«), d. h. als »ausgesperrter Ort«, an dem Mönche oder Nonnen wohnen. Das früheste Kloster geht auf Pachomius († 346) zurück, der seine Anlage mit einer Mauer umschließen ließ. Diese Anlage beinhaltete Kirche, Speisesaal, Küche, Kleiderkammer, Bibliothek, Krankenort, Gästehaus und Werkstätten. Der älteste Plan für ein Kloster stammt aus dem Jahr 820: Es ist der St. Gallener Klosterplan, der Vorbild für viele Benediktiner- und alle Zisterzienserklöster wurde.


Missionare von der Heiligen Familie (MSF)

J. B. Berthier gründete die Kongregation 1895 in Crave. Das ursprüngliche Anliegen war die Ausbildung von Spätberufenen zu Priestern. Seit 1926 sind die Mitglieder vor allem in der Mission tätig.


Monastisches Leben

Der Gedanke des Mönchtums ist nicht auf das Christentum beschränkt, er lässt sich in vielen verschiedenen Religionen und Kulturkreisen nachweisen. Die ersten christlichen Mönche finden sich in Ägypten, Palästina, Syrien und Kleinasien (Asketen, Eremiten, Zönobiten) zu Beginn des 4. Jh.s. Auch in der römischen Provinz Gallien – im heutigen Südfrankreich – gab es schon vor dem 4. Jh. mönchisches Zusammenleben. Osten und Westen standen im Austausch über die Lebensweise ihrer Asketen. Die Mitglieder einer klösterlichen Gemeinschaft (Mönche bzw. Nonnen) leben unter Einhaltung der Gelübde Gehorsam, Beständigkeit und klösterlicher Lebenswandel (Armut und Ehelosigkeit) zusammen, und zwar unter Leitung eines Abtes bzw. einer Äbtissin und unter Beachtung einer bestimmten Klosterregel. Der Dienst Gottes, dem sie sich verschrieben haben, vollzieht sich in Gebet und Arbeit. Gebet ist unmittelbarer, Arbeit mittelbarer Gottesdienst. Das gemeinschaftliche Gebet im Kloster, das Chorgebet, dessen Hauptbestandteile Psalmen und andere Schrifttexte sind, reicht mit seinen Wurzeln bis in das frühe Christentum zurück. Das Chorgebet wird auch Stundengebet genannt, weil es den Ablauf des Tages heiligt. Es umfasst folgende Gebetszeiten, die auf die Eucharistiefeier als auf ihr Zentrum hingeordnet sind: Laudes – Morgenlob; Terz, Sext, Non – Heiligung der 3., 6. und 9. Tagesstunde; Vesper – Gebet am Spätnachmittag; Komplet – Gebet vor der Nachtruhe; Nokturnen – nächtliches Gebet. Die Elemente dieser Tradition werden unsere Leserinnen und Leser auch im vorliegenden Buch finden. Die (körperliche und geistige) Arbeit ist Gottesdienst, weil sie der Welt und den Menschen im Auftrag Gottes dient. In der Einheit von Gebet und Arbeit, von Kontemplation und Aktivität mag im anbrechenden 21. Jh. so etwas wie eine Alternative zur vorherrschenden Mentalität unserer Gesellschaft sichtbar werden, eine Alternative, die sich inmitten der Modernität ihrer alten Wurzeln bewusst ist.


Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (OMI)

Von Ch.-J.-E. Mazenod 1816 in Aix gegründet, um durch Volksmissionen das religiöse Leben, das durch die Französische Revolution Schaden genommen hatte, wieder zu beleben, wurden die Oblaten 1826 von Rom als Orden anerkannt und vor allem auf die Missionstätigkeit verpflichtet (Kanada, Ceylon, Basutoland). Die deutsche Provinz wurde 1895 errichtet. Viele Schwesterngemeinschaften, die in den letzten hundert Jahren entstanden, fühlen sich der Spiritualität der Oblaten verpflichtet.


Pallottiner (SAC)

Die Pallottiner sind eine Priester- und Brüdergemeinschaft mit unterschiedlichen apostolischen Aufgaben. Um möglichst viele zur Mitarbeit in Kirche und Welt zu motivieren, gründete Vinzenz Pallotti 1835 die „Vereinigung des Katholischen Apostolats“, in der Christen jeden Standes und jeder Berufsgruppe ihren Platz haben können. In dieser Vereinigung tragen die Pallottiner eine besondere Verantwortung. In Deutschland gibt es zwei Provinzialate: in Friedberg bei Augsburg und in Limburg/Lahn.


Prämonstratenser (OPraem)

Gründer des Ordens ist Norbert von Xanten, der nach seiner Bekehrung im Jahre 1114 als Wanderprediger die Missstände in der Kirche scharf geißelte. Da viele Priester und Bischöfe sich dadurch angegriffen fühlten, verboten sie diese Predigten, sodass Papst Gelasius II. zugunsten Norberts intervenieren musste. Andere Prediger schlossen sich Norbert an, der im Jahre 1120 das Kloster Prémontré gründete. Die Neugründung erinnert in vielem an die Zisterzienser, unterscheidet sich von diesen jedoch durch die Betonung des Vorrangs der Seelsorge vor individueller Heiligung. In der Reformationszeit wäre der Orden beinahe gänzlich untergegangen, erfuhr in der Folgezeit aber eine kräftige Neubelebung. Gegenwärtig widmen sich die Prämonstratenser vor allem der Seelsorge in den Pfarreien und der Belebung in Traditionen erstarrter Gemeinden (Volksmission, missionarische Seelsorge etc.), aber auch die Pflege von Liturgien und Chorgebet wird als zentrale Aufgabenstellung betrachtet.


Redemptoristen (CSSR)

1732 gründete Alfons von Liguori in Italien eine Missionsgesellschaft (vom göttlichen Erlöser), die sich vor allem der Volksmission, der Exerzitien und der außerordentlichen Seelsorge annehmen sollte. Anstoß zu dieser Gründung war der Wille, sich seelsorglich um jene Menschen zu kümmern, die weder von der Pfarrseelsorge noch von den damals üblichen Zentralmissionen erfasst werden konnten. Nach dem Eintritt der ersten Nichtitaliener 1784 konnte sich die Kongregation, die in ihren Anfängen in Italien unterdrückt wurde, über die ganze Welt ausbreiten und auch eine rege Missionstätigkeit entfalten. 1951 wurde die Regel auf Weisung Pius’ XII. gänzlich umgearbeitet und den Erfordernissen der Gegenwart angepasst. Die Redemptoristinnen, die ebenfalls auf Alfons von Liguori zurückgehen, sind ein streng beschaulicher Orden mit Klausur, der in Gebet und Buße dem Erlöser nachfolgen will.


Salesianer (SDB)

Die Salesianer sind eine Kongregation aus Priestern und Laienbrüdern mit einfachen Gelübden, von Don Bosco 1857 in Turin gegründet und 1874 kirchlich approbiert. Don Bosco verlieh seiner Gemeinschaft eine moderne Organisationsform und stellte sie vor allem in den Dienst seines sozialen Jugendwerkes. Das Armutsgelübde gilt nur unter Wahrung der bürgerlichen Rechte der Mitglieder; zudem kennt der Orden keine besondere Tracht. Neben der Jugendarbeit ist das Presseapostolat ein weiterer Schwerpunkt der Gemeinschaft.


Die Salesianerinnen (Orden von der Heimsuchung Mariä) sind bedeutend älter als die Salesianer Don Boscos und gehen zurück auf Franz von Sales und Johanna Franziska von Chantal (1610). Die Schwestern versuchen auf der Grundlage der Augustinerregel das tätige mit dem beschaulichen Leben zu verbinden. Die Salesianerinnen wurden Vorbild für eine Vielfalt neuer, besonders karitativ oder apostolisch tätiger Schwesterngemeinschaften.


Salvatorianer (SDS)

Die Gesellschaft des Göttlichen Heilandes wurde von F. M. Jordan 1881 in Rom gegründet und 1923 endgültig approbiert. Ihr Ziel ist innere und äußere Mission unter den jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Umständen. Gegenwärtig arbeiten die Mitglieder vor allem in Pfarreien, Bildungshäusern und höheren Schulen. Daneben gründete Jordan zusammen mit Th. v. Wüllenweber 1888 die Gemeinschaft der Schwestern vom Göttlichen Heiland; diese Gemeinschaft bewies große Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit und breitete sich rasch in Mitteleuropa, aber auch in Übersee aus. Die Schwestern wirken vor allem in Kindergärten, Pfarrstationen, Altersheimen und Krankenhäusern.


Serviten (OSM)

Hervorgegangen ist der Orden der Diener Mariens aus einzelnen Bruderschaften, die sich Mitte des 13. Jh.s in Florenz zusammenschlossen, die Augustinerregel annahmen und 1304 durch Benedikt XI. endgültig bestätigt wurden. Nach der Auflösung des Ordens im Jahre 1800 gelang eine spätere erneute Verbreitung. Der Orden ist in fast allen Staaten Europas vertreten. Die Servitinnen sind besonders auf sozial-karitativem Gebiet tätig.


Spiritaner (CSSp)

Die Gemeinschaft wurde 1703 in Paris von C.-F. Poullart des Places gegründet. 1805 wurde sie mit Missionen in den französischen Kolonien betraut und vereinigte sich 1848 mit der Kongregation vom Hl. Herzen Mariens. Heute sind den Spiritanern Schulen, das Französische Seminar in Rom und 56 Missionsdistrikte anvertraut.


Stift

Das Wort »Stift« verweist auf die Gründungsgeschichte eines Klosters – und macht klar, dass es sich bei der Klostergründung um eine »Stiftung« handelt, die das Mönchs- oder Kanonikerleben überhaupt erst (wirtschaftlich gesehen) ermöglicht. Als Stifte
bezeichnet man in Österreich im Allgemeinen die mit Grundherrschaft und unterschiedlichen Privilegien ausgestatteten Klöster der alten Orden, der Benediktiner und der ihnen verwandten Zisterzienser, der Prämonstratenser und Augustiner-Chorherren und auch der Kartäuser. Sie besaßen in Österreich die Rechte der Grundherrschaft bis 1848 und galten bis zum selben Jahr gewissermaßen als exterritorial. Heute werden sie als juristische Personen gewertet, als Körperschaften öffentlichen Rechts mit großer
kulturhistorischer, wirtschaftlicher und geistlicher Bedeutung, ihren politischen Einfluss haben sie jedoch verloren.


Trappisten (OCSO)

Die Trappisten sind ein Reformzweig des Zisterzienserordens, der 1098 in Burgund als Reformzweig des Benediktinerordens gegründet und nach dem Mutterkloster Cistercium benannt wurde. Der Zisterzienserorden war nach einer fast zweihundertjährigen großen Blütezeit wie so viele Orden von seinem ursprünglichen Ideal abgekommen und zerfallen. Um diesen Zerfall aufzuhalten und wieder zum ursprünglich rein kontemplativen Leben zurückzufinden, wurden schon früh Reformen versucht, aus denen sich dann Reformkongregationen entwickelten. Die bekannteste ist die von La Trappe in Nordfrankreich, die unter Abt de Rancé († l670) ihre große Blüte erreichte. 1892 schlossen sich drei Reformkongregationen zum Trappistenorden zusammen. Seitdem lebt der Zisterzienserorden in zwei selbstständigen Zweigen weiter. Der Trappistenorden heißt offiziell »Orden der Zisterzienser von der Strengeren Observanz« (OCSO) oder »Orden der Reformierten Zisterzienser« (OCR).


Ursulinen (OSU)

Der Orden der Ursulinen wurde 1535 in Brescia von Angela Merici gegründet, die eine starke soziale Betätigung der Schwestern wünschte. Pius V. zwang – in Anlehnung an die traditionellen Frauenorden – den Ursulinen Klausurvorschriften auf, die das angezielte Apostolat nahezu unmöglich machten. Die Schwestern unterhalten vor allem Internate und Schulen für Kinder aus allen Bevölkerungsschichten. 1907 entstand der Verband selbstständiger deutscher Ursulinenklöster als freie Arbeits- und Hilfsgemeinschaft der Schwestern.


Zisterzienser (OCist)

Der Zisterzienserorden wurde 1098 von Robert von Molesmes als Zweig des Benediktinerordens gegründet und im 12. Jh. durch Bernhard von Clairvaux († 1153) zu hoher Blüte geführt. Die Zisterzienser/innen leben nach der Regel des abendländischen Mönchsvaters Benedikt von Nursia († 547) und nach den Satzungen des Zisterzienserordens. Einige Klöster bewahren noch ihren ursprünglich beschaulichen Charakter, andere jedoch (insbesondere die österreichischen) haben ihn durch die geschichtliche Entwicklung im Sinne des Erziehungsapostolates abgewandelt.