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Klösterliches Leben – ein Glossar
In der Umgangssprache werden die religiösen
Gemeinschaften ohne Unterschied »Orden« genannt. Diese Bezeichnung trifft
jedoch nur auf wenige, zumeist sehr alte und traditionelle Gemeinschaften zu,
deren Status zudem juristisch genau umschrieben ist. Die bekanntesten sind die
so genannten »alten Orden«. Sie haben in den meisten Fällen eine eigene
Spiritualität ausgebildet, die später entstandene religiöse Kongregationen oder
Institute häufig übernommen und weiterentwickelt haben. Diese sind deshalb der
Tradition eines solchen Ordens zuzuordnen (oft »Familie« genannt), bilden aber
eine eigene Gemeinschaft, gerade auch in ihrer äußeren Organisation. Der
Franziskanerorden, der aus drei Zweigen besteht, kennt über 200 solcher Gemeinschaften,
die sich auf seine Spiritualität berufen, ohne doch im eigentlichen Sinne ein
und demselben Orden anzugehören. AbteiJene Klöster,
denen ein Abt als Oberer vorsteht, werden seit dem 11. Jh. Abteien genannt.
Benediktiner- und Zisterzienserklöster, deren Gemeinschaften mehr als zwölf Mönche
hatten, wurden traditionellerweise zu Abteien erhoben. Durch das Gelübde der
Beständigkeit (»stabilitas«) sind die Mönche an die Abtei, ihr Augustiner-Chorherren (OSA)Die Klöster der Augustiner-Chorherren entfalteten sich aus Priestergemeinschaften, die nach einem bestimmten Kanon zusammenlebten. Daher auch die Bezeichnung »Kanoniker«. Eines ihrer Vorbilder war der Kirchenvater Augustinus (354–430), der schließlich namensgebend für sie wurde. Die Augustiner-Chorherren durften anfangs Privateigentum besitzen. Erst nach einer Reform und Teilung innerhalb der Klöster entstanden die »regulierten« Chorherrenstifte. Um eine engere Bindung untereinander zu erreichen, schlos-sen sich viele Chorherrenstifte zu Kongregationen zusammen und trafen sich zu regelmäßigen Generalkapiteln. Im 17. und 18. Jh. kam es zu einem Aufschwung der Seelsorge und des Wissenschaftsbetriebs in vielen Chorherrenstiften, so beispielsweise in Klosterneuburg bei Wien und in St. Florian. 1907 konnten sich die sechs großen österreichischen Chorherrenstifte Klosterneuburg, St. Florian, Herzogenburg, Reichersberg, Vorau und Neustift bei Brixen zur Österreichischen Kongregation zusammenschließen, an deren Spitze der jeweils auf fünf Jahre gewählte Generalabt steht; die einzelnen Stifte sind innerhalb der Kongregation rechtlich selbstständig. Alle Klöster der Augustiner-Chorherren zusammen bilden eine Konföderation mit einem Abtprimas an der Spitze. Barmherzige SchwesternDie Bezeichnung »Barmherzige Schwestern« wird allgemein auf weibliche Genossenschaften für Armen- oder Krankenpflege angewandt. Insbesondere trifft sie auf jene drei Gemeinschaften zu, die in diesem Klosterführer erwähnt sind: Borromäerinnen, Kreuzschwestern und Vinzentinerinnen. Die Kongregation Barmherziger Schwestern vom hl. Karl Borromäus wurde 1652 in Nancy errichtet. Das dortige Stamm-Mutterhaus wurde zum Ausgangspunkt aller weiteren Gründungen, die unter der Leitung von selbstständigen General-Mutterhäusern stehen. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz wurde 1852 von dem Schweizer Kapuziner Theodosius Florentini gegründet. Sie breitete sich rasch in Europa und Übersee aus und umfasst heute 22 Provinzen. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul wurde von diesem 1634 gemeinsam mit Louise de Marillac gegründet. 1734 konstituierte sich in Straßburg ein eigener Zweig im Geist des hl. Vinzenz. Er breitete sich von dort insbesondere in Deutschland aus. Benediktiner (OSB)Die Benediktiner
sind der älteste heute noch bestehende abendländische Mönchsorden und gingen
hervor aus unterschiedlichen Laiengruppen, die nach der Regel Benedikts
(geboren um 480 in Nursia) zusammenlebten. Erst seit dem 8. Jh. setzte sich
durch, dass immer mehr Mönche zugleich Priester waren und auch politische
Aufgaben übernahmen. Einzelne Klöster konnten so zu mächtigen Institutionen werden.
Zudem leisteten die Benediktiner gerade im deutschsprachigen Raum wichtige
Kultur-, Bildungs- und Missionsarbeit. Ihre Klöster waren im Mittelalter
politische, wirtschaftliche und religiöse Zentren. Etwa um 1400 bildeten die
einzelnen bislang autonomen Klöster Kongregationen, die zugleich zu einer neuen
Blüte des Ordens führten, der sich nunmehr in stärkerem Maße auf seine betont
religiösen Aufgaben und Anliegen beschränkte. In der Säkularisation überlebte
in Deutschland kein einziges Benediktinerkloster. Ein mühsamer Neubeginn setzte
ein, als um 1830 die ersten Klöster wieder gegründet wurden und zuerst die
Bayerische und dann die Beuroner Kongregation entstanden. Die Benediktiner, die
sich besonders der Pflege der Liturgie annahmen, konnten vor dem Zweiten
Weltkrieg in Deutschland vor allem auf die religiös-kirchliche Erneuerung
maßgeblichen Einfluß nehmen. Nach der Regel Benedikts soll die
Mönchsgemeinschaft sich als Familie verstehen, die sich dem Abt (Vater)
freiwillig unterordnet. Eine gemeinsame Tagesordnung und vor allem das
kirchliche Stundengebet strukturieren das Leben der Mönche, die körperliche
Arbeit und geistliches Leben miteinander zu verbinden suchen. Daneben
entwickelten die Missionsbenediktiner eine ausgedehnte Missionstätigkeit. Benediktinisches
Ordensleben empfängt seine Inspiration aus der Benediktusregel, die ihrerseits
am Evangelium und an den Ordensregeln der frühen Kirche orientiert ist.
Benedikt wollte, dass seine Klöster Monasterien seien: Stätten relativer
Weltdistanz, wo die Mönche und Nonnen wie in einer Schule den Dienst für Gott
erlernen und einüben und in brüderlicher Gemeinschaft ein Stück Welt bauen, in
dem Gottes Herrschaft bedingungslos anerkannt wird. Claretiner (CMF)Missionsgesellschaft
der Söhne des Unbefleckten Herzens Mariä. Die Vereinigung wurde von A. M.
Claret 1849 in Vich (Spanien) gegründet und 1870 von Pius IX. endgültig
anerkannt. Das Betätigungsfeld der Claretiner ist das katholische Apostolat,
vor allem die Volksmission. Die Claretinerinnen widmen sich insbesondere der
Ausbildung der weiblichen Jugend. Dominikaner (OP)Dominikus Guzmán wurde 1170 in Kastilien geboren und studierte Theologie in Palencia. Bei einem Aufenthalt in Toulouse (1203) lernte er die Albigenser, die ein radikales, von der Kirche losgelöstes Leben nach dem Evangelium führten, kennen und kam zu dem Schluss, dass die Erfolge der albigensischen Prediger vor allem daher rührten, dass Klerus und Laien große Unwissenheit in religiösen Dingen aufwiesen. Um diesem Missstand abzuhelfen, sammelte Dominikus Männer um sich, die versuchen sollten, in möglichst einfachen Worten das Evangelium zu predigen. Um die religiöse Unwissenheit im Klerus zu beheben, sollten diese Männer zugleich eine qualifizierte theologische Ausbildung er-halten und so leben, dass sie selbst Beispiele für die Ideale des Evangeliums sein könnten. Das erste Kloster des »Predigerordens« entstand 1215 in Toulouse; die Brüder lebten nach der Regel des heiligen Augustinus, die Dominikus durch strengere Bestimmungen erweiterte (z.B. hinsichtlich Fasten, Kleidung, Nahrung). 1228 wurde diese Regel neu bearbeitet und bestätigt. Zahlreiche Kongregationen und Gemeinschaften der Neuzeit – vor allem Frauengemeinschaften – berufen sich in ihrer Spiritualität auf Dominikus und seine Bewegung. Franziskaner (OFM; OFMConv; OFMCap)Im weiteren
Sinne zählen zu den Franziskanern alle Orden und Genossenschaften, die sich an
Franz von Assisi (†1226) und seine Ordensregel anlehnen, in engerem Sinne aber
nur Franziskaner, Minoriten, Konventualen und Kapuziner, die sich auf die Regel
von 1223 berufen. Franziskus wollte ein ganz vom Evangelium geprägtes Leben
führen, betonte aber besonders die Befolgung der höchsten Armut des Einzelnen
und der Gemeinschaft (daher auch »Bettelmönche«, da absolutes Geldverbot
herrschte). Hinzu kam eine starke Predigt- und Seelsorgetätigkeit, die ein
außergewöhnliches Wachstum des Ordens – vor allem in den im Mittelalter
entstehenden Städten – begünstigte. Weiteres Tätigkeitsfeld war die
Wissenschaft in den überall entstehenden Universitäten. In seiner wechselvollen
Geschichte erlebte der Orden, der sich den jeweiligen Zeitumständen anzupassen
suchte, vielfache Versuche, zur ursprünglichen Strenge und Armut
zurückzukehren. Aus einem solchen Reformversuch gingen die Kapuziner hervor.
Auf Franziskus berufen sich auch die Klarissen (der II. Orden), die ein streng
zurückgezogenes und beschauliches Leben führen, und der III. Orden, der Männer
und Frauen aus den verschiedensten Lebensbereichen umfasst, vielfach auch
»Franziskanische Gemeinschaft« genannt. Aus dieser entwickelten sich zu
verschiedenen Zeiten klösterliche Gemeinschaften, die als »Regulierter Dritter
Orden« bekannt sind. Allein in Deutschland gibt es gegenwärtig 32 solcher
klösterlichen Gemeinschaften. Herz-Jesu-Missionare (MSC)Die Gesellschaft der Herz-Jesu-Missionare wurde 1854 von J. Chevalier in Issoudun (Frankreich) gegründet. Die ursprüngliche Aufgabe bestand in der Förderung der Herz-Jesu-Verehrung. 1891 wurde die Gesellschaft endgültig anerkannt. Heute sind die Mitglieder vor allem als Missionare in Ozeanien, Neuguinea und Indonesien tätig. Die europäischen Klöster dienen als Stützpunkte dieser Missionstätigkeit. Zahlreiche Schwesternkongregationen leiten Spiritualität und Aufgabenbereiche von den Herz-Jesu- Missionaren her. Jesuiten (SJ)Die Gesellschaft
Jesu geht zurück auf eine Gruppe um Ignatius von Loyola, die sich am 15.8.1534
durch gegenseitige Gelübde aneinander band. Ihr Fundament bildeten die
»Geistlichen Übungen« des Ignatius. 1540 wurde die Gruppe von Rom anerkannt.
Ihre Ziele waren: Ausbreitung des Glaubens durch Predigt, Exerzitien,
Bildungstätigkeit in allen Institutionen. Die seelsorgerliche Arbeit diente
zugleich der Vervollkommnung der einzelnen Ordensmitglieder. Der Orden breitete
sich rasch aus und erhielt in der »Ratio studiorum« von 1599 eine verbindliche
Norm für seine Bildungsarbeit. Bedeutend war die Wirksamkeit der Jesuiten vor
allem zur Zeit der Gegenreformation und der Aufklärung; diese Tätigkeit setzte
die Gesellschaft Jesu zahlreichen Anfeindungen und Verdächtigungen aus, die
1773 zur Aufhebung des Ordens durch Papst Clemens XIV. führten. Die Vertreibung
aus vielen Ländern Europas ging dieser Aufhebung unmittelbar voraus. Pius VII.
stellte den Orden 1814 wieder her; er breitete sich überraschend schnell aus,
vor allem in Nord- und Südamerika. In Europa führten die Jesuiten jene Aufgaben
weiter, die ihr Wirken bereits vor der Aufhebung gekennzeichnet hatten. Kanoniker (Chorherren)Als Kanoniker
oder Chorherren werden Kleriker bezeichnet, die als Mitglieder eines
Kathedral-, Dom- oder Stiftskapitels gemeinsam Gottesdienst feiern. Diejenigen
Kanoniker, die dem in der »Gregorianischen Reform« des 11. und 12. Jh.s
entwickelten Reformprogramm folgten und sich einem Leben in Gemeinschaft nach
Regeln mit Ordensgelübden in Gehorsam, Keuschheit und Armut verschrieben,
werden als Regularkanoniker (regulierte Chorherren bzw. Chorfrauen) bezeichnet.
Die bedeutendsten der regulierten Chorherren-Orden sind die nach der
Augustiner-Regel lebenden Augustiner-Chorherren und die Prämonstratenser. Karmeliten (OCarm; OCD)Die Karmeliten
verstehen ihr Leben als Fortsetzung jenes Lebens in der Einsamkeit des Berges
Karmel, das der Prophet Elija, von dem das Alte Testament berichtet, führte und
das Kreuzfahrer im 13. Jh. in Palästina nachzuahmen begannen. 1209 gab ihnen
der Patriarch von Jerusalem eine Regel, die Papst Honorius III. bestätigte. Die
Vertreibung nach Europa (1240) nahm dem Orden viel von seinen ursprünglichen
Idealen. Johannes vom Kreuz und Teresa von Avila reformierten im 16. Jh. gegen
innere und äußere Widerstände den Orden, der zu einem Leben in Gebet und
Strenge gegen sich selbst zurückkehrte. Kartäuser (OCart)Die Kartäuser
gelten als strengster Orden, den die katholische Kirche hervorgebracht hat. Er
geht auf Bruno von Köln zurück, geboren 1030 und lange Jahre Leiter der
Domschule zu Reims. Im Investiturstreit, der zu einer Verflachung des
religiös-kirchlichen Lebens in weiten Kreisen führte, zog er sich in die
Einsamkeit von La Chartreuse zurück, um ein Büßerleben zu führen. In der
Zwischenzeit als Berater nach Rom berufen, gründete er ein zweites Kloster in
der Einsamkeit von Kalabrien. Dort starb er im Jahre 1101. In der Gegend von La
Chartreuse fanden sich bald viele Einsiedlergruppen, die sich später der Grande
Chartreuse unterstellten. Dieser Zeitpunkt darf als der der eigentlichen
Ordensgründung angesehen werden. Zur Zeit seiner größten Ausdehnung im 15. Jh.
umfasste der Orden ca. 200 Klöster. Die Kartäusermönche sind Eremiten und
verbringen ihr ganzes Leben – mit Ausnahme der Gottesdienste – in Einsamkeit
und Stillschweigen. KlosterDas Gebäude
einer Gemeinschaft von zölibatär lebenden Christen wird normalerweise als
Kloster bezeichnet (vom lat. claustra oder claustrum, »Riegel, Verschluss,
Schloss«), d. h. als »ausgesperrter Ort«, an dem Mönche oder Nonnen wohnen. Das
früheste Kloster geht auf Pachomius († 346) zurück, der seine Anlage mit einer
Mauer umschließen ließ. Diese Anlage beinhaltete Kirche, Speisesaal, Küche,
Kleiderkammer, Bibliothek, Krankenort, Gästehaus und Werkstätten. Der älteste
Plan für ein Kloster stammt aus dem Jahr 820: Es ist der St. Gallener
Klosterplan, der Vorbild für viele Benediktiner- und alle Zisterzienserklöster
wurde. Missionare von der Heiligen Familie (MSF)J. B. Berthier
gründete die Kongregation 1895 in Crave. Das ursprüngliche Anliegen war die
Ausbildung von Spätberufenen zu Priestern. Seit 1926 sind die Mitglieder vor
allem in der Mission tätig. Monastisches LebenDer Gedanke des Mönchtums ist nicht auf das Christentum beschränkt, er lässt sich in vielen verschiedenen Religionen und Kulturkreisen nachweisen. Die ersten christlichen Mönche finden sich in Ägypten, Palästina, Syrien und Kleinasien (Asketen, Eremiten, Zönobiten) zu Beginn des 4. Jh.s. Auch in der römischen Provinz Gallien – im heutigen Südfrankreich – gab es schon vor dem 4. Jh. mönchisches Zusammenleben. Osten und Westen standen im Austausch über die Lebensweise ihrer Asketen. Die Mitglieder einer klösterlichen Gemeinschaft (Mönche bzw. Nonnen) leben unter Einhaltung der Gelübde Gehorsam, Beständigkeit und klösterlicher Lebenswandel (Armut und Ehelosigkeit) zusammen, und zwar unter Leitung eines Abtes bzw. einer Äbtissin und unter Beachtung einer bestimmten Klosterregel. Der Dienst Gottes, dem sie sich verschrieben haben, vollzieht sich in Gebet und Arbeit. Gebet ist unmittelbarer, Arbeit mittelbarer Gottesdienst. Das gemeinschaftliche Gebet im Kloster, das Chorgebet, dessen Hauptbestandteile Psalmen und andere Schrifttexte sind, reicht mit seinen Wurzeln bis in das frühe Christentum zurück. Das Chorgebet wird auch Stundengebet genannt, weil es den Ablauf des Tages heiligt. Es umfasst folgende Gebetszeiten, die auf die Eucharistiefeier als auf ihr Zentrum hingeordnet sind: Laudes – Morgenlob; Terz, Sext, Non – Heiligung der 3., 6. und 9. Tagesstunde; Vesper – Gebet am Spätnachmittag; Komplet – Gebet vor der Nachtruhe; Nokturnen – nächtliches Gebet. Die Elemente dieser Tradition werden unsere Leserinnen und Leser auch im vorliegenden Buch finden. Die (körperliche und geistige) Arbeit ist Gottesdienst, weil sie der Welt und den Menschen im Auftrag Gottes dient. In der Einheit von Gebet und Arbeit, von Kontemplation und Aktivität mag im anbrechenden 21. Jh. so etwas wie eine Alternative zur vorherrschenden Mentalität unserer Gesellschaft sichtbar werden, eine Alternative, die sich inmitten der Modernität ihrer alten Wurzeln bewusst ist. Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria (OMI)Von Ch.-J.-E. Mazenod 1816 in Aix gegründet, um durch Volksmissionen das religiöse Leben, das durch die Französische Revolution Schaden genommen hatte, wieder zu beleben, wurden die Oblaten 1826 von Rom als Orden anerkannt und vor allem auf die Missionstätigkeit verpflichtet (Kanada, Ceylon, Basutoland). Die deutsche Provinz wurde 1895 errichtet. Viele Schwesterngemeinschaften, die in den letzten hundert Jahren entstanden, fühlen sich der Spiritualität der Oblaten verpflichtet. Pallottiner (SAC) Die Pallottiner
sind eine Priester- und Brüdergemeinschaft mit unterschiedlichen apostolischen
Aufgaben. Um möglichst viele zur Mitarbeit in Kirche und Welt zu motivieren,
gründete Vinzenz Pallotti 1835 die „Vereinigung des Katholischen Apostolats“,
in der Christen jeden Standes und jeder Berufsgruppe ihren Platz haben können.
In dieser Vereinigung tragen die Pallottiner eine besondere Verantwortung. In
Deutschland gibt es zwei Provinzialate: in Friedberg bei Augsburg und in
Limburg/Lahn. Prämonstratenser (OPraem)Gründer des Ordens
ist Norbert von Xanten, der nach seiner Bekehrung im Jahre 1114 als
Wanderprediger die Missstände in der Kirche scharf geißelte. Da viele Priester
und Bischöfe sich dadurch angegriffen fühlten, verboten sie diese Predigten,
sodass Papst Gelasius II. zugunsten Norberts intervenieren musste. Andere
Prediger schlossen sich Norbert an, der im Jahre 1120 das Kloster Prémontré
gründete. Die Neugründung erinnert in vielem an die Zisterzienser,
unterscheidet sich von diesen jedoch durch die Betonung des Vorrangs der
Seelsorge vor individueller Heiligung. In der Reformationszeit wäre der Orden
beinahe gänzlich untergegangen, erfuhr in der Folgezeit aber eine kräftige
Neubelebung. Gegenwärtig widmen sich die Prämonstratenser vor allem der
Seelsorge in den Pfarreien und der Belebung in Traditionen erstarrter Gemeinden
(Volksmission, missionarische Seelsorge etc.), aber auch die Pflege von
Liturgien und Chorgebet wird als zentrale Aufgabenstellung betrachtet. Redemptoristen (CSSR)1732 gründete
Alfons von Liguori in Italien eine Missionsgesellschaft (vom göttlichen
Erlöser), die sich vor allem der Volksmission, der Exerzitien und der
außerordentlichen Seelsorge annehmen sollte. Anstoß zu dieser Gründung war der
Wille, sich seelsorglich um jene Menschen zu kümmern, die weder von der
Pfarrseelsorge noch von den damals üblichen Zentralmissionen erfasst werden
konnten. Nach dem Eintritt der ersten Nichtitaliener 1784 konnte sich die
Kongregation, die in ihren Anfängen in Italien unterdrückt wurde, über die
ganze Welt ausbreiten und auch eine rege Missionstätigkeit entfalten. 1951
wurde die Regel auf Weisung Pius’ XII. gänzlich umgearbeitet und den
Erfordernissen der Gegenwart angepasst. Die Redemptoristinnen, die ebenfalls
auf Alfons von Liguori zurückgehen, sind ein streng beschaulicher Orden mit
Klausur, der in Gebet und Buße dem Erlöser nachfolgen will. Salesianer (SDB)Die Salesianer sind eine Kongregation aus Priestern und Laienbrüdern mit einfachen Gelübden, von Don Bosco 1857 in Turin gegründet und 1874 kirchlich approbiert. Don Bosco verlieh seiner Gemeinschaft eine moderne Organisationsform und stellte sie vor allem in den Dienst seines sozialen Jugendwerkes. Das Armutsgelübde gilt nur unter Wahrung der bürgerlichen Rechte der Mitglieder; zudem kennt der Orden keine besondere Tracht. Neben der Jugendarbeit ist das Presseapostolat ein weiterer Schwerpunkt der Gemeinschaft.
Salvatorianer (SDS)Die Gesellschaft
des Göttlichen Heilandes wurde von F. M. Jordan 1881 in Rom gegründet und 1923
endgültig approbiert. Ihr Ziel ist innere und äußere Mission unter den
jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Umständen. Gegenwärtig arbeiten
die Mitglieder vor allem in Pfarreien, Bildungshäusern und höheren Schulen.
Daneben gründete Jordan zusammen mit Th. v. Wüllenweber 1888 die Gemeinschaft
der Schwestern vom Göttlichen Heiland; diese Gemeinschaft bewies große
Vielseitigkeit und Anpassungsfähigkeit und breitete sich rasch in Mitteleuropa,
aber auch in Übersee aus. Die Schwestern wirken vor allem in Kindergärten,
Pfarrstationen, Altersheimen und Krankenhäusern. Serviten (OSM)Hervorgegangen
ist der Orden der Diener Mariens aus einzelnen Bruderschaften, die sich Mitte
des 13. Jh.s in Florenz zusammenschlossen, die Augustinerregel annahmen und
1304 durch Benedikt XI. endgültig bestätigt wurden. Nach der Auflösung des
Ordens im Jahre 1800 gelang eine spätere erneute Verbreitung. Der Orden ist in
fast allen Staaten Europas vertreten. Die Servitinnen sind besonders auf
sozial-karitativem Gebiet tätig. Spiritaner (CSSp)Die Gemeinschaft
wurde 1703 in Paris von C.-F. Poullart des Places gegründet. 1805 wurde sie mit
Missionen in den französischen Kolonien betraut und vereinigte sich 1848 mit
der Kongregation vom Hl. Herzen Mariens. Heute sind den Spiritanern Schulen,
das Französische Seminar in Rom und 56 Missionsdistrikte anvertraut. StiftDas Wort »Stift«
verweist auf die Gründungsgeschichte eines Klosters – und macht klar, dass es
sich bei der Klostergründung um eine »Stiftung« handelt, die das Mönchs- oder
Kanonikerleben überhaupt erst (wirtschaftlich gesehen) ermöglicht. Als Stifte Trappisten (OCSO)Die Trappisten sind ein Reformzweig des Zisterzienserordens, der 1098 in Burgund als Reformzweig des Benediktinerordens gegründet und nach dem Mutterkloster Cistercium benannt wurde. Der Zisterzienserorden war nach einer fast zweihundertjährigen großen Blütezeit wie so viele Orden von seinem ursprünglichen Ideal abgekommen und zerfallen. Um diesen Zerfall aufzuhalten und wieder zum ursprünglich rein kontemplativen Leben zurückzufinden, wurden schon früh Reformen versucht, aus denen sich dann Reformkongregationen entwickelten. Die bekannteste ist die von La Trappe in Nordfrankreich, die unter Abt de Rancé († l670) ihre große Blüte erreichte. 1892 schlossen sich drei Reformkongregationen zum Trappistenorden zusammen. Seitdem lebt der Zisterzienserorden in zwei selbstständigen Zweigen weiter. Der Trappistenorden heißt offiziell »Orden der Zisterzienser von der Strengeren Observanz« (OCSO) oder »Orden der Reformierten Zisterzienser« (OCR). Ursulinen (OSU)Der Orden der
Ursulinen wurde 1535 in Brescia von Angela Merici gegründet, die eine starke
soziale Betätigung der Schwestern wünschte. Pius V. zwang – in Anlehnung an die
traditionellen Frauenorden – den Ursulinen Klausurvorschriften auf, die das
angezielte Apostolat nahezu unmöglich machten. Die Schwestern unterhalten vor
allem Internate und Schulen für Kinder aus allen Bevölkerungsschichten. 1907
entstand der Verband selbstständiger deutscher Ursulinenklöster als freie
Arbeits- und Hilfsgemeinschaft der Schwestern. Zisterzienser (OCist)Der Zisterzienserorden wurde 1098 von Robert von Molesmes als Zweig des Benediktinerordens gegründet und im 12. Jh. durch Bernhard von Clairvaux († 1153) zu hoher Blüte geführt. Die Zisterzienser/innen leben nach der Regel des abendländischen Mönchsvaters Benedikt von Nursia († 547) und nach den Satzungen des Zisterzienserordens. Einige Klöster bewahren noch ihren ursprünglich beschaulichen Charakter, andere jedoch (insbesondere die österreichischen) haben ihn durch die geschichtliche Entwicklung im Sinne des Erziehungsapostolates abgewandelt. |