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  Der Ratzinger in Papst Benedikt XVI.

Der Ratzinger in Papst Benedikt XVI.

Bestürzung und Unverständnis über die Betonung des Lateins in der Liturgie und die Verurteilung des Befreiungstheologen Sobrino


Nur zwei Jahre hat sie angehalten, die Aura des Benedetto. Sein Charme, das demütige Lächeln und seine so positiv gehaltene Enzyklika „Gott ist die Liebe“ überzeugten viele davon, dass das Papstamt den einst so nüchternen und kühlen Kardinal Ratzinger in einen liebevollen Benedetto verwandelt hatte. Mit einem zweifachen Paukenschlag zerplatzte in der vergangenen Woche diese Aura. Die Betonung der lateinischen Sprache in der Liturgie und die Kritik an einigen Aussagen des Befreiungstheologen Sobrino machte der Medienwelt klar: Der Ratzinger in Papst Benedikt XVI. ist wieder da.

Dabei war er nie wirklich weg. Ratzinger drückt die alles vereinigende Klammer in seinem Leben in seinem Bischofsspruch „Mitarbeiter der Wahrheit“ aus. Dieses Zitat aus dem dritten Johannesbrief sei die Brücke zwischen seiner Professorentätigkeit und seinem Bischofsamt, so schreibt er in seiner Autobiografie (Aus meinem Leben, Erinnerungen (1927-1977), S. 178f). Bei allen Unterschieden ginge es bei beidem um das Gleiche: der Wahrheit nachzugehen und ihr zu Diensten zu sein. Dass dieser Leitspruch auch für sein Wirken als Papst gilt, erkennt man daran, dass er das gleiche Wappen und den gleichen Spruch trägt wie als Bischof. Daher gilt auch für Benedetto: Er sieht sich als Mitarbeiter an der Wahrheit und erfüllt das mit dem einen Auge eines Professors und dem anderen Auge eines Hirten.

Unter diesem Blickwinkel erscheinen auch die beiden Verlautbarungen der vergangenen Woche nicht neu. Schon in den Jahren seiner Tätigkeit als Präfekt der Glaubenskongregation bekämpfte Ratzinger die Tendenzen in der Befreiungstheologie, die Marx als ihren großen Wegweiser ansieht. Nach seiner Ansicht ist die marxistische Philosophie wesentlich eine Praxis, „die erst ‚Wahrheit‘ schafft, nicht eine solche voraussetzt. Wer Marx zum Philosophen der Theologie macht, der übernimmt den Primat des Politischen und der Wirtschaft, die nun die eigentlichen Heilsmächte [...] sind.“ (Vorwort in „Einleitung in das Christentum“, S. 12). Jesus werde so nur noch als der Leidende und der Unterdrückte dargestellt und zu einem Revolutionär gemacht, der zum Umbruch und zur Veränderung ruft.

Die hier vom damaligen Theologieprofessor formuliert Kritik ist die gleiche, mit der in dieser Woche einige Lehrinhalte des Befreiungstheologen Sobrino richtig gestellt wurden. Der Theologe wie auch Papst Benedikt XVI. sehen die Wahrheit des einzigen Sohnes Gottes gefährdet und schreiten deshalb, gemäß ihrem Auftrag, „Mitarbeiter der Wahrheit“ zu sein, ein.

Die Betonung der lateinischen Sprache war ebenso vorhersehbar. Sie hat nichts damit zu tun, dass Benedikt XVI. jetzt hinter das Zweite Vatikanische Konzil zurück will. Gewiss nicht. Noch als Theologieprofessor verteidigte er mehrfach in verschiedenen Schriften (Das neue Volk Gottes, S. 308f; Die erste Sitzungsperiode des Zweiten Vatikanischen Konzils, Ein Rückblick, S. 32ff) die Einführung der Volkssprache. Ihm geht es auch nicht darum, den traditionalistischen Pius-Brüdern entgegen zu kommen. Auch hier ließen sich genügend Belege anführen, wie er ihr sektenhaftes Gebaren verurteilt.

Er will vielmehr dem fast völligen Verbot des alten Missale entgegenwirken. Seiner Ansicht nach stellt dieses Verbot ein Novum in der ganzen Liturgiegeschichte der Kirche dar. Damit werde der kontinuierliche Prozess des Wachsens und Reinigens der Liturgie unterbrochen und der trennende Graben zwischen vorkonziliar und nachkonziliar vertieft. In seiner Autobiografie schreibt er, „daß diese ‚Exkommunikation‘ des alten Missale aufhören muß, auch gerade um der rechten Aneignung des neuen willen.“ (Aus meinem Leben, S. 190). Benedikt XVI. will also durch sein Eucharistie-Schreiben und die Betonung des Lateins die Gläubigen wieder näher an den historisch gewachsenen Schatz der Liturgie heranführen.


Sebastian Pilz

Redaktion kath.de 16.03.2007

   
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