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  Aus den Radio Vatikan-Tagesmeldungen vom 17.08.2005

Aus den Radio Vatikan-Tagesmeldungen vom 17.08.2005


TAIZÉ-GRÜNDER ROGER SCHÜTZ GETÖTET

Frankreich: Frère Roger bei Attentat getötet
Frère Roger, der 90-jährige Gründer der internationalen ökumenischen Gemeinschaft Taizé, ist getötet worden. Eine offenbar geistig Gestörte hatte ihn gestern während des Abendgebetes mit einer Stichwaffe angegriffen und schwer verletzt, teilte die Gemeinschaft am Dienstagabend mit. Obwohl sofort Hilfe geleistet worden sei, sei Frère Roger den Verletzungen erlegen. Als mutmaßliche Täterin nahm die Polizei eine 36-jährige Rumänin fest. Frère Roger sei blutend aus dem von 2500 jungen Menschen besuchten Gottesdienst getragen worden, berichtete eine Augenzeugin. "Wir stehen unter Schock", sagte ein Mitglied der ökumenischen Glaubensgemeinschaft in Taizé. "Niemand versteht, was gerade passiert ist." Es seien sofort zwei Ärzte da gewesen, die dem 90-Jährigen aber nicht mehr helfen konnten. Der Tod von Frère Roger überschattet auch den katholischen Weltjugendtag in Köln.
Als Nachfolger von Frère Roger war bereits vor mehreren Jahren der deutsche Katholik Bruder Alois Löser bestimmt worden. Der 51-jährige katholische Theologe, der kein Priester ist, stammt aus der Pfarrei St. Nikolaus im Stuttgarter Osten und gehört schon seit etwa 30 Jahren der Kommunität von Taizé an. Er kehrte inzwischen vom Weltjugendtag in Köln nach Taizé zurück.
Der kleine Ort Taizé in Burgund, wo der gebürtige Schweizer und reformierte Theologe in den 40-er Jahren ein neues Modell des Zusammenlebens von Brüdern unterschiedlicher Konfession entwickelt hat, war seit den 50er Jahren ein ökumenischer Anziehungspunkt für junge Menschen aus aller Welt. Ob Frère Roger, wie in den Medien offen spekuliert wird, selbst katholisch geworden sei, dies aber mit Rücksicht auf seine Gemeinschaft nicht öffentlich bekannt gegeben hat, muss offen bleiben. Fest steht, dass Frère Roger der katholischen Kirche immer tief verbunden gewesen ist und auch offen an der katholischen Kommunion teilgenommen hat, zuletzt bei der Trauermesse für Johannes Paul II., was weltweit Aufsehen erregte. (rv)

Vatikan: Generalaudienz auf dem Weg nach Köln. Papst erinnert an Frère Roger
Es war keine Generalaudienz wie jede andere. Papst Benedikt XVI. empfing rund 3.000 Pilger im Hof seiner Sommerresidenz in Castelgandolfo. Am Tag vor seiner ersten Auslandsreise zog es der Papst vor, in den Bergen zu bleiben, und nicht wie sonst mit dem Hubschrauber zu einer kurzen Visite in den Vatikan zu fliegen. Der Papst legte "Psalm 125" aus: "Gott, unsere Freude und unsere Hoffnung".
Doch er war bestürzt über den gewaltsamen Tod des Gründers der Gemeinschaft von Taizé, Frère Roger Schütz. Frei gesprochen brachte der Papst seine Trauer zum Ausdruck. Die Todesnachricht sei "traurig und schrecklich", so der Papst: "Diese sehr traurige Nachricht trifft mich umso mehr, da ich gestern, wirklich erst gestern, einen sehr bewegenden Brief von ihm erhalten habe, einen sehr freundschaftlichen Brief." Benedikt zitierte bei der Generalaudienz aus dem Brief, der in französisch abgefasst war. Er betonte: "Mit ganzem Herzen ist er bei mir und all den vielen, die sich in Köln versammeln. Er hat gesagt, dass er auf Grund seines Gesundheitszustands leider nicht persönlich nach Köln kommen könne, aber geistig sei er dabei, gemeinsam mit seinen Brüdern, die vor Ort seien. Am Ende sagte er mir, dass er sich danach sehnt, wie früher nach Rom zu kommen und mich zu treffen. Wie die ganze Gemeinschaft von Taizé wolle er den gemeinsamen Weg mit dem Papst beschreiten." Von eigener Hand habe Roger Schütz hinzugefügt: "Heiliger Vater, seien Sie sicher, dass ich tief mit Ihnen verbunden bin." Der Papst bat um das Gebet für den Verstorbenen. "In diesem Moment großer Trauer können wir die Seele seines treuen Dieners nur der Güte des Herrn anvertrauen. Wir wissen, dass aus der Traurigkeit, die wir jetzt empfinden, die Freude wachsen wird, dass er in den Händen der ewigen Güte und ewigen Liebe ist, angekommen in der ewigen Freude. Er hat uns immer ermahnt, gläubige Arbeiter im Weinberg des Herrn zu sein, und - auch in traurigen Momenten - darauf zu vertrauen, dass der Herr uns begleitet und uns von seiner Freude schenken wird."
In acht Sprachen grüßte Benedikt anschließend die Pilger. Auf deutsch sagte er: "Frohen Herzens grüße ich alle Pilger deutscher Sprache. In diesen Tagen haben sich sehr viele junge Menschen in Köln zum 20. Weltjugendtag versammelt. Dieses große Treffen steht unter dem Motto: "Wir sind gekommen, um ihn anzubeten" (Mt 2,2). Auch ich mache mich morgen auf den Weg, um gemeinsam mit den Teilnehmern aus der ganzen Welt Christus zu begegnen. Begleitet uns mit Eurem Gebet und erbittet von Gott reiche Gnaden für alle, die in Köln ihren Glauben an den lebendigen Gott vertiefen. Der Herr schenke Euch seinen Segen!"
Die Pilger applaudierten dem Papst - wie immer - aber doch verwundert. Der Papst selbst erklärte, warum: "Ich habe die wichtigsten Grüße vergessen und bitte um Entschuldigung! Ich grüße auch die Pilger italienischer Sprache..." Wieder Jubel und die Verabschiedung des Papstes. Doch er kehrte noch einmal um: "Heute vergesse ich wirklich die wichtigsten Dinge. Sie sehen, dass ich quasi schon in Köln bin. Aber man hat mir gesagt, dass das Allerwichtigste ja noch fehlt - der Segen." Wie üblich - mit dem Segen - endete schließlich die Generalaudienz. (rv)

Europa: Katholische Kirche trauert um Frère Roger
Kirchenvertreter aus aller Welt sind bestürzt über den Mord an Frère Roger. Kardinal Karl Lehmann verurteilte die Tat in einer Erklärung für die Deutsche Bischofskonferenz. Lehmann wörtlich: "Ein Mann, der sein Leben der Botschaft Jesu von der Versöhnung aller Menschen und des Friedens besonders auch zwischen den Kirchen, Konfessionen und Religionen widmete, hat ein Schicksal erlitten, das uns an das gewaltsame Geschick Jesu und andere Zeugen für ein gewaltfreies Leben der Menschen, wie Martin Luther King und Dag Hammerskjöld erinnert. Sein Leben wurde brutal ausgelöscht." Die deutschen Bischöfe stellten sich in dieser "tief tragischen Situation" an die Seite der Gemeinschaft von Taizé. Roger Schütz sei der Pionier einer "geistlichen Ökumene gewesen. Der Weltjugendtag werde für ihn beten. "Wir wissen uns seinem Erbe tief verpflichtet. Sein gewaltsamer Tod zeigt uns noch mehr als bisher die äußerste Dringlichkeit seines Lebens und seines Werkes und seiner Botschaft, die er hinterlassen hat."
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner und der Generalsekretär des Weltjugendtags, Heiner Koch, zeigten sich ebenfalls sehr bestürzt und versprachen das Gebet aller Teilnehmer "für diese große Persönlichkeit". Frère Roger sei der katholischen Kirche immer tief verbunden gewesen, so Koch. In vier ökumenischen Gottesdiensten soll am Abend Schütz gedacht werden. Auch Papst Benedikt XVI. will "an bedeutender Stelle" für Frère Roger beten, teilte der WJT-Generalsekretär heute den Journalisten mit. In welchem Gottesdienst das sein wird, will Koch morgen nach Ankunft des Papstes mit Vatikan-Vertretern besprechen. Die geistlichen Lieder aus Taizé sollen in den Feiern keine größere Rolle spielen als geplant, sagte Koch. Die Musik für die Messen sei als Gesamtwerk gestaltet. Hunderttausende Liedzettel seien gedruckt. "Außerdem wäre es sicher nicht im Sinn von Frère Roger, wenn nun beim Weltjugendtag alles auf Taizé abgestimmt würde", sagte Koch.
Roger Schütz, ist gebürtiger Schweizer. Noch im Frühjahr hatten die Schweizer Bischöfe ihrem Landsmann zum 90. Geburtstag gratuliert. In ihrem Beileidsschreiben an die Gemeinschaft von Taizé erinnert die Bischofskonferenz daran, dass Frère Roger in seinem gewaltsamen Tod "in gewisser Weise seinem großen Meister, Jesus Christus, ähnlich geworden ist". "Sein Einsatz für den Frieden, die spirituelle Verwurzelung so vieler junger Menschen im christlichen Glauben und das gelebte Beispiel sowie sein Einsatz für die Einheit der Christen, ließen ihn zu einem leuchtenden Stern für viele Christen werden." Dem Nachfolger, Bruder Alois Löser, wünschten die Bischöfe, dass er und die Gemeinschaft "auch in Zukunft dieses vorbildhafte Engagement leben und weiterführen könne".
Die katholische EU-Bischofskommission COMECE hat den Verstorbenen als einen "Brückenbauer für Europa" gewürdigt. Sein unermüdliches Engagement für Versöhnung habe dazu beigetragen, Barrieren zwischen Völkern niederzureißen, heißt es in einer COMECE-Erklärung. Die Visionen Frère Rogers hätten die Herzen und Sinne vieler Menschen in Europa bewegt, vor allem der Jugend. (rv/pm)

Redaktion kath.de 18.08.2005

   
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