Kirchenkompass


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Weihnachtskrippe

 

"Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt."
(Lk 2,12)

Auf diese Aussage der Heiligen Schrift geht die weihnachtliche Krippe zurück, in der das Neugeborene gebettet wird. Als Aufstellungsort einer Futterkrippe gilt der Stall. Aus diesem Grund herrscht in der lateinischen Kirche die Auffassung, ein solcher sei als Geburtsort Christi anzunehmen. Die Ostkirche hingegen geht von einer Höhle aus, welche von den Nomaden und ihren Herden bei Schlechtwetter aufgesucht werden kann.

Zur Verehrung der Krippe kam es zu einer Zeit, da sich die Christen vor eine Frage gestellt sahen, die anfangs noch unbedeutend war. Galt das Interesse der ersten Christen vorwiegend Tod und Auferstehung Jesu Christi und geriet deshalb der konkrete Geburtstermin in Vergessenheit, so versuchte man Anfang des vierten Jahrhunderts Klarheit zu gewinnen, wie Jesus Christus zugleich als Gott und Mensch zu denken sei. Das Geburtsereignis rückte in den Mittelpunkt. Die Kirche definierte Christus in ihrem Bekenntnis als "wahren Gott und wahren Menschen". "Gott wird Mensch", so lautete die zentrale Aussage des Weihnachtsfestes am 25. Dezember, "dieser Mensch ist Gott", so verkündete man am Fest er Erscheinung des Herrn (Epiphanie) am 6. Januar.

Von Betlehem und der durch Kaiserin Helena in Auftrag gegebenen Kirche über der angenommenen Geburtsstätte Jesu nahm die Krippenverehrung ihren Ausgang und gelangte von dort nach Rom. Als ein nennenswertes Beispiel gilt Santa Maria Maggiore. Die Entstehungszeit der Kirche fällt ins 4. oder 5. Jahrhundert, in die Zeit des Liberius (352-366) oder Sixtus III. (432-440) und demnach unmittelbar in die vom Konzil von Ephesus geprägten Jahrzehnte, auf dem das Dogma von der "theotokos", der "Gottesgebärerin" Maria verkündet wurde. Bei diesem Konzil hielt man fest: Wer sagt, Maria sei theotokos, bringt zum Ausdruck: Gott ist in Jesus Christus wirklich Mensch geworden. Als eine der bedeutendsten Reliquien von Santa Maria Maggiore gilt die "Krippe von Betlehem".

Im 12. Jahrhundert wurde es üblich, die biblische Weihnachtsgeschichte zu inszenieren und in den Introitus der Mette des ersten Weihnachtstages einzubinden. Durch eine Krippenfeier mit Krippenspiel suchte man die Geburt Christi gegenwärtig zu setzen.

Franz von Assisi gelang es, die Weihnachtskrippe in den Häusern der Christen zu beheimaten. 1223 rief er in Greccio erstmals eine neuartige Form von Krippenfeier ins Leben. Statt des traditionellen Krippenspiels, das die Christmette eröffnete, baute Franziskus eine Krippe auf, die aus realen Figuren bestand, Ochs und Esel einbegriffen, versteht sich.

Von nun an setzte sich die figürliche Darstellung der Geburt Christi durch, wenn auch nicht mehr aus realen Personen bestehend.

Scharfer Kritik waren die Krippendarstellungen zur Zeit der Aufklärung ausgesetzt. Schließlich kam es sogar zu deren Verbot und die Kirchenkrippen verschwanden zusehends. Zugleich aber förderte das Verbot der Weihnachtskrippe ihren Einzug in Bürger- und Handwerkshäuser. Seit dem 19. Jahrhundert gehört die Krippe zur weihnachtlichen Festinszenierung, auch in evangelischen Familien.

Gott wird Mensch und begegnet uns in einem Kind - die Weihnachtskrippe führt uns eine klare Botschaft vor Augen.