Kirchenkompass


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Wallfahrer

 

Oft liegen Kirchen an wichtigen Wegen. Ihre Schwellen und Stufen sind von vielen Wallfahrern und Touristen abgetreten.

Millionen Menschen sind seit dem frühen Mittelalter an den Rand der damals bekannt Welt, nach Santiago de Compostela, oder vorher schon nach Jerusalem gepilgert. Wenn der Seeweg nach Jerusalem versperrt war, gingen die Menschen nach Rom zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus.

Die Benediktiner hatten es sich zur Aufgabe gemacht, den Pilgern ein Dach über dem Kopf anzubieten. Oft haben die Wallfahrer auch auf den Emporen der Kirchen geschlafen.

"Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: "Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen." Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern." (Regula Benedicti, 53, 1-2)

Wenn wir eine Jacobusfigur, erkennbar an der Muschel, am Portal einer mittelalterlichen Kirche finden oder die Kirche sogar dem Heiligen geweiht ist, besteht große Wahrscheinlichkeit, daß vor uns schon viele Wallfahrer über die Schwelle getreten sind.

In Ottmarsheim im Elsaß sind die Weihwasserbecken am Portal der Kirche als Muschelschale geformt. Sie liegt an einem der Jacobswege, der von Norden nach Süden das Elsaß durchzog und durch die burgundische Pforte zwischen Vogesen und Jura die Pilger durch Burgund führte und dann nach Le Puy, der Stadt mit dem Vulkankegel, südwestlich von Saint Etienne. Dort kamen viele der Pilgerwege aus dem Norden und Westen zusammen.

Das Wasser am Eingang der Kirche erinnert an die Taufe. Man taucht die Finger in das Wasser und bekreuzigt sich.

Oft gab und gibt es bei der Kirche einen Brunnen. Manche Kirchen betritt man durch einen Vorbau, oder einen Vorhof, Paradies genannt. Dort findet sich ein Brunnen – wie die Karawane in der Wüste Wasserstellen passieren muß, um zu überleben.