Kirchenkompass


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Veronika -"vera ikon"

 

Über dem Nordportal der gotischen Kirche St. Jodok in Landshut befindet sich ein Fresko, das Veronika mit dem Schweißtuch Christi zeigt.

Die Darstellung geht auf eine alte Legende zurück, die von der Heiligen Veronika überliefert ist.

Beronike wünschte sich, jederzeit ein Bild ihres Herrn mit sich tragen zu können. Deshalb betraute sie eines Tages einen Maler mit der Aufgabe, ein solches Gemälde anzufertigen. Als sie zu dem Atelier des Künstlers unterwegs war, begegnete ihr Christus. Er befragte sie zu dem Ziel ihrer Unternehmung und verlangte daraufhin nach ihrem Tuch. Mit dem Abdruck seinesAntlitzes gab er es ihr zurück. Beronike reiste nach Rom, wo sich die Heilkraft des Tuches erwies: Kaiser Tiberius wurde durch den Anblick des göttlichen Bildes gesund.

Beronike gilt als Überbringerin des "vera ikon", des "wahren Bildes" und so ist es auch diese Botschaft, die sich hinter dem Namen Veronika verbirgt.

Erst um 1300 entstehen erweiterte Fassungen der ursprünglichen Legende, die vermutlich durch die Passionsspiele beeinflußt werden. Veronika wird vorwiegend in Kreuzigungsszenen dargestellt. Sie reicht dem unter dem schweren Kreuz zusammenbrechenden Heiland ihr Schweißtuch, in das sich dessen Antlitz einprägt. Christus trägt eine Dornenkrone, die Gesichtszüge sind die eines Leidenden. Ab dem 15. Jahrhundert wird das Schweißtuch häufig alleine, oder von Engeln getragen abgebildet.

In diesen Darstellungen kommt eine äußerst enge Verbindung zwischen Bild und Göttlichem zum Ausdruck. Christus sagt von sich "...wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat" (Joh 1, 45), "...wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen" (Joh 14, 9).

Auf dieser Aussage beruht christliche Kunst, in ihr hat sie gewissermaßen Ausgangs- und Zielpunkt. Ab dem Moment, da das Angesicht Jesu den Vater sichtbar werden läßt, kann es christliche Bilder geben. In der Menschwerdung manifestiert sich Gott in der Geschichte, er wird Mensch und dadurch darstellbar. Es kommt zur "Aus-bildung" des an sich bildlosen Gottes und zur Überwindung des alttestamentlichen Bilderverbots.

Zugleich besteht das Ziel aller Kunst, die sich als christliche Kunst versteht, darin, den Betrachter durch das Dargestellte zum "Urbild" zu führen. Sie eröffnet eine hinter dem Sichtbaren liegende Dimension, die zu der Begegnung mit dem Göttlichen führt.

Das Schweißtuch mit dem Antlitz Christi verweist auf das "wahre Bild", das es nur gibt, da Gott Mensch geworden ist und unter uns gelebt hat.

Die Gemeinde und jeder einzelne Gläubige gehören zum Leib Christi und tragen als solche seine Züge. In ihrem Handeln und in ihrer Sorge um die Kranken bemühen sie sich, dieses Antlitz Christi für andere sichtbar werden zu lassen.