Kirchenkompass


... zurück
... zur Buchbestellung

Turm

Von außen zeigt der Turm, wofür das Bauwerk steht. Es zielt in den Himmel. Der Blick wird nach oben gelenkt. In einer mittelalterlichen Stadt drängten sich die Häuser eng zusammen, weil innerhalb der Stadtmauern der Raum knapp war. Die Türme waren die architektonische Lösung, daß der Himmel nicht aus dem Gesichtsfeld geriet.

Das, was die Türme von außen signalisieren, findet sich im Innenraum der Kirche. Aus dem Getriebe des Alltags wechselt der Besucher in eine andere Welt. Der Raum ist höher als andere Säle und Versammlungsräume. In der Romanik wird die flache Holzdecke durch das Tonnen - Gewölbe ersetzt. Später entwickeln die Baumeister die sog. Kreuzrippe. Vier Pfeiler bilden ein Quadrat. Diagonal zwischen den Pfeilern wird aus einer Reihe von Steinen ein Bogen gebaut. Die zwei Bögen kreuzen sich im Vierungsstein. Zwischen die Bögen, Rippen genannt, werden Ziegel gehängt. Das Gewölbe wird dadurch sehr viel leichter und man kann höher bauen. Da die Last des Gewölbes über die zwei Bögen auf die Säulen abgeleitet wird, kann man das Mauerwerk herausnehmen. Die Lichtmetaphysik trägt schließlich dazu bei, daß in der Gotik die Mauern durch Fenster ersetzt werden können.

Im Barock wird die Decke mit neuen Techniken vom Dachstuhl "abgehängt" und ausgemalt. Häufigstes Motiv ist die Himmelfahrt Mariens. Hat die Kirche einen anderen Heiligen als Patron, z.B. den Heiligen Benedikt, den Heiligen Augustinus finden wir diesen meist am Rande des Deckengemäldes. Mit ihm werfen wir einen Blick in den Himmel, so wie es von Stephanus in der Apostelgeschichte heißt:

"Er aber, erfüllt vom Heiligen Geist, blickte zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief: Ich sehe den Himmel offen und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen." (Apg 7,55-56)

Bei romanischen und frühgotischen Kirchen finden wir Türme, die außen den Chorraum flankieren. Sie symbolisieren die Cherubim, zwei Engel, die neben der Bundeslade im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempel standen:

"Hinter dem zweiten Vorhang aber war ein Zelt, das sogenannte Allerheiligste, mit dem goldenen Rauchopferaltar und der ganz mit Gold überzogenen Bundeslade; darin waren ein goldener Krug mit dem Manna, der Stab Aarons, der Triebe angesetzt hatte, und die Bundestafeln; über ihr waren die Kerubim der Herrlichkeit, die die Sühneplatte überschatteten." (Hebr 9,3-5)