Kirchenkompass


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Taufe Jesu

 

Johannes der Täufer ist der Patron vieler wichtiger Kirchen in der ganzen Welt. Denn Kirchen in denen getauft wurde, hatten schon immer eine besondere Bedeutung. Jeder kennt zum Beispiel den Dom von Florenz, doch nur wenige wissen, dass das Baptisterium St. Giovanni (= St. Johannes) neben dem Dom mindestens genauso wichtig gewesen ist. Denn mit jedem Bürger, der hier die Taufe empfing, wurde auch der Stadtstaat der Medici um ein Mitglied größer und damit mächtiger.

Zentrales Symbol der Taufe ist das Wasser.

In den Ländern Mitteleuropas lernen die Menschen erst seit kurzer Zeit wieder, das Wasser richtig wahrzunehmen. Umweltverschmutzung und Überschwemmungen zeigen, daß man mit diesem Rohstoff nicht beliebig umgehen kann, ohne seine zerstörerische Kraft zu spüren oder seine Qualität als Lebensmittel aufs Spiel zu setzen.

In den Ländern des Südens dagegen ist die Bedeutung des Wassers schon immer viel größer gewesen. Dort ist, vor allem in den Wüstenzonen, viel stärker bewußt, daß Wasser Grundlage allen Lebens ist. Nur Wasser läßt Oasen entstehen, läßt Pflanzen wachsen und Tiere wie Menschen überleben. Und dennoch: Paradoxerweise ertrinken in der Wüste mehr Menschen als in Flüssen. Denn wenn im Frühjahr die Schmelzwasser von den Bergen zu Tal fliessen und sich in den Wadis sammeln, kann das trockene Land die Wassermassen nicht aufnehmen, und immer wieder kommen Unvorsichtige in Springfluten ums Leben.

Man kann das noch heute nachvollziehen, wenn man die Reste des Wüstenklosters von Qumran besucht. Mächtige Zisternen hat man dort ausgehoben, um das Wasser, das im Frühjahr reichlich aus den Bergen herab floß, für den Sommer aufzubewahren. So viel Wasser hatte man dort, wohlgemerkt mitten in der Wüste, dass sich die Essener täglich in Reinigungsbädern rituell waschen konnten.

Vielleicht hat Johannes der Täufer eine Zeitlang in Qumran gelebt. Auf jeden Fall war er sich der Bedeutung des Wassers bewußt, als er damit begann, Menschen im Jordan zu taufen. Die ganze Ambivalenz des Wassers wurde hier deutlich: Wasser ist Leben, doch Wasser kann auch den Tod bedeuten. Was es heißt, durch die Taufe mit Wasser zu neuem Leben zu gelangen, war damals im Jordangraben am eigenen Leib zu spüren. Für Jesus, der sich von Johannes taufen läßt, muß es jedenfalls ein entscheidendes Ereignis in seinem Leben gewesen sein. Ausgedrückt wird dies in der Heiligen Schrift durch die Stimme aus dem Himmel:
"Kaum war Jesus getauft und aus dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der Himmel, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube auf sich herabkommen. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe."
(Mt 3,16-17)

Eindrücklich dargestellt ist die Taufe Jesu zum Beispiel im Hochaltar der Kirche St. Johannes in Neumarkt. Auch sie trägt das Patronat von Johannes dem Täufer, weil hier von Beginn an Taufen stattfanden. Davon zeugt noch das Taufbecken, das aus dem 12. Jahrhundert stammt.