Kirchenkompass


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Tabernakel

 

Das Ewige Licht, die Kerze in einem roten Glas, bezeichnet einen besonderen Ort innerhalb des Kirchenraumes. Sie brennt in der Nähe des Tabernakels und verkündet mit ihrem Licht die Botschaft, die schon Mose am brennenden Dornbusch durch das leuchtende Feuer zuteil wurde:
"Ich bin der ‘Ich bin da’" (Ex 3,14) - ich bin der ich dasein werde für euch.

Diese niemals endende Gegenwart Gottes läßt sich nicht an einem speziellen Ort festmachen. Sie manifestiert sich nicht, ist weder sichtbar noch greifbar. Die Gegenwart Gottes ereignet sich, sobald sich der Mensch zu einer Begegnung öffnet, sobald zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Durch das besondere Raumgefühl läßt vor allem der Kirchbau diese Gegenwart spürbar werden. Hier, im Haus Gottes, kommt es zur Begegnung zwischen Himmel und Erde.

Ein Symbol dieser Gegenwart ist der Tabernakel: sichtbares Zeichen, "Zelt" Gottes unter den Menschen, so die Übersetzung des lateinischen "tabernaculum". Er geht auf das Zelt der Bundeslade zurück, welches das Volk Israel auf seinem Weg durch die Wüste mit sich geführt hat. Ihr Gott ließ sich nicht hinter Tempelmauern verschlossen halten, sondern er zog mit ihnen. Das Zelt war den Israeliten ein sicheres Zeichen der beständigen Anwesenheit Gottes.

Der Tabernakel führt auch uns vor Augen, daß Gott unter den Menschen wohnt. Gott ist für uns da und möchte uns nahe sein, hier und heute. In seiner Menschwerdung hat er die Welt bleibend mit seiner Gegenwart erfüllt. Wenn wir den Tabernakel öffnen, so finden wir darin das "Eucharistische Brot". Die Mahlgemeinschaft bildet das eigentliche Zentrum der Gegenwart Christi. Um das eucharistische Sakrament für die Kranken aufzubewahren führte man ein anfangs aus Holz oder Elfenbein gefertigtes Kästchen ein, das zunächst in Privat- oder Klerikerhäusern, ab dem 3. Jhd. in einem der Kirche angegliederten Raum seinen Ort hatte. Die Anbetung des Allerheiligsten außerhalb der Messfeier kam erst im Hochmittelalter auf und hatte seine Blüte im Zeitalter des Barock. Im 17./18. Jhd. gestaltete man den gesamten Kirchenraum zum festlichen Thronsaal um. Der Herrscher, Christus selbst, bildet das Zentrum des sakralen Raumes. Der Hochaltar erfüllte die Funktion des Thrones, eigens geschaffen, den Tabernakel zu beherbergen. Infolge des Dreißigjährigen Krieges sehnten sich die Menschen nicht nur, einen Blick in den Himmel werfen zu können, ihre Augen suchten, das Heil zu schauen. Der Höhepunkt der Schaufrömmigkeit war erreicht.

Der Tabernakel und die Flamme des Ewigen Lichts signalisieren jedem, der den Kirchenraum betritt, daß Christus gegenwärtig ist. Wenn auch nicht begrenzt auf diesen Bau und auch nicht mehr, als an anderen Orten, wird seine Nähe hier besonders erfahrbar. Die Kirche ist ein "bewohnter Ort", zu jeder Zeit. Immer wenn wir dieses Haus betreten, werden wir erwartet - der Raum lädt dazu ein, sich in die Gegenwart Gottes hinein zu stellen und sich dieser bewußt zu werden.