Kirchenkompass


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Stephannus

 

" Da erhoben sie ein lautes Geschrei, hielten sich die Ohren zu, stürmten gemeinsam auf ihn los, trieben ihn zur Stadt hinaus und steinigten ihn. Die Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes, der Saulus hieß. So steinigten sie Stephanus; er aber betete und rief: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Dann sank er in die Knie und schrie laut: Herr rechne ihnen diese Sünde nicht an! Nach diesen Worten starb er." (Apg 7,57-60)

So steht es in der Apostelgeschichte über das Martyrium des Heiligen Stephanus geschrieben. Gemäß diesem schriftlichen Zeugnis ist die Szene in der Krypta von San Vincenzo al Volturno (Molise, Anfang 9. Jhd.) ins Bild gebracht worden. Stephanus ist mit zum Gebet erhobenen Händen dargestellt. Da er der kirchlichen Hierarchie angehört, trägt er Tonsur. Als erster wurde er zusammen mit sechs anderen Diakonen gewählt und von den Aposteln durch Handauflegung geweiht. Er wirkte als wortgewaltiger Prediger, vermochte zu überzeugen und bekehren und nahm dabei kein Blatt vor den Mund. Schließlich wurde er wegen Gotteslästerung angeklagt und mußte sich vor dem Hohen Rat verteidigen. Er legte unter Berufung auf Mose und die Propheten Bekenntnis ab und scheute sich auch hier nicht, die hohe Versammlung offen zu kritisieren.

"Ihr Halsstarrigen, ihr, die ihr euch mit Herz und Ohr immerzu dem Heiligen Geist widersetzt, eure Väter schon und nun auch ihr. Welchen der Propheten haben eure Väter nicht verfolgt? Sie haben die getötet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verräter und Mörder ihr jetzt geworden seid, ihr, die ihr durch die Anordnung von Engeln das Gesetz empfangen, es aber nicht gehalten habt." (Apg 7,51-53)

Diese brüskierenden Worte konnten für Stephanus nicht ohne Folgen bleiben. Er wurde als Lästerer zur Steinigung verurteilt. Das Fresko von San Vincenzo zeigt zwei Soldaten zu seiner Linken, die kraftvoll große Steine nach ihm werfen. Zahlreich fallen sie auf ihn herab, einer trifft ihn am Kopf und Stephanus wird verwundet, er blutet. Seine Miene aber bleibt unverändert. Stephanus strahlt inmitten der ihm widerfahrenden Grausamkeit Ruhe und Frieden aus. Er schöpft Kraft aus der Gewißheit, mit dem Willen Gottes eins zu sein.

Ein radikales Zeugnis wird uns anhand dieses ersten Märtyrers vor Augen geführt. Den Mönchen, die damals die Krypta zum Gebet aufsuchten, diente die Betrachtung seines mutigen Auftretens als Beispiel konsequent gelebter Nachfolge. In Anlehnung an das Bild eines "Gefäßes" gesprochen, war Stephanus frei von "weltlicher Last" und ganz erfüllt von Gottes Wort. Er trat für das ein, was er verkündete: die Botschaft Jesus Christi. Vielleicht gibt er auch uns Anlaß, über unsere Weise der Weitergabe der christlichen Botschaft nachzudenken.