Kirchenkompass


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Messe

 

Das Wort "Messe" kommt von "Missa", das sich von dem lateinischen Verb "mittere" (= schicken) herleitet. "Missa" bedeutet "gesendet". Im Lateinischen heißt das Meßbuch, in dem sich alle Gebete für die Messe finden, "Missale".

Die Messe ist demnach zum Ausgang hin gerichtet. Die Gläubigen haben die Kirche meist durch das Portal unter dem Turm betreten, jetzt sollen sie das Gotteshaus auf selbem Wege verlassen. Sie sind ausgesandt.

"Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!" (Joh 20,21f)

Sie haben das Licht der aufgehenden Sonne im Osten gesehen. Die meisten Kirchen sind so ausgerichtet, daß der Chor im Osten liegt, die Gläubigen können sich nach der Messe dem Westen wieder gestärkt zuwenden. Damit sind viele Bedeutungen verbunden. Das Evangelium, die Gute Botschaft, wurde vom Osten zum Westen hin verkündet. Nachdem der Islam immer mehr Gebiete der Ostkirche besetzte, wurde der Westen zum Zentrum der Christenheit. Rom hatte im ersten Jahrtausend am Rande der politisch wichtigen Zone des Römischen Reiches gelegen. Es verfiel immer mehr, denn der Kaiser residierte in Byzanz, von den Türken in Istanbul umbenannt. Ohne die Präsenz der Päpste, wäre Rom möglicherweise ganz verfallen.

Nach den Wirren und Zerstörungen der Völkerwanderung bildeten sich im Westen langsam Königreiche heraus und damit eine gewisse staatliche Ordnung. In vielen Kriegszügen unterwarfen die Frankenkönige die Allemannen, Langobarden, Sachsen und schließlich auch die Bayern. Im Westen war durch viele Kriegszüge ein großes Reich entstanden, dessen Herrscher Karl die Kaiserwürde beanspruchte. Im Jahre 800 wurde er am Weihnachtsfest gekrönt. Der Kaiser wurde zum Schutzherr Roms. Das Christentum hatte sein Zentrum in den Westen verlegt. Der Gedanke wirkt noch bei der Eroberung und Besiedlung des amerikanischen Kontinents nach. Die Katholiken sehen in der Missionierung Lateinamerikas eine Kompensation für die in der Reformation verloren gegangenen Gebiete.

Die Kirche durch das Westportal verlassen, heißt auch, in den Alltag gehen. Das, was im Gottesdienst gesprochen, gebetet, gefeiert wurde, soll sich in der Welt verwirklichen.

Westen bedeutet auch "Abend" und hat damit etwas Bedrohliches. Der Dunkelheit und ihren Gefahren muß der Gläubige standhalten.