Kirchenkompass


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Mariae Heimsuchung

 

"Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Herz jubelt über Gott meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut – siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter." (Lk 1,46-48)

Eine einfache Frau aus dem jüdischen Volk spricht diese Worte. Es ist der Beginn des Magnificat, eines der schönsten Gebete der Christenheit.

Wie eine Umsetzung der Biographie Marias wirkt die Kirche Mariae Heimsuchung in Wiesbaden. Der Grundriß der Kirche ist ein Davidstern, Symbol für das jüdische Volk, aus dem Maria stammt. Von Westen aus bildet die Kirche ein großes "M", Zeichen für Maria.

Das Leben Marias spielt sich zwischen zwei Polen ab: Der Verheißung, dass sie den Messias gebären soll und der Erfahrung des Leidens und Sterbens ihres Sohnes. Doch über allem steht das Geheimnis der Auferstehung. Und wer die Kirche in Wiesbaden-Kohlheck betritt, kann dies nachvollziehen.

Maria besucht ihre Verwandte Elisabeth. Sie erzählt ihr, daß sie ein Kind erwartet, in etwa einem halben Jahr. Diese Begebenheit ist die "Heimsuchung" Marias, sie ist in dieser Kirche in der Marienkapelle dargestellt.

Maria dankt Gott für das Kind, auf das sie mit großer Vorfreude wartet. Viele Frauen finden sich wieder in Maria. Jede Frau, die Mutter wird spürt, daß ihr etwas geschenkt worden ist. Auch wenn manchmal andere Erfahrungen diese Glückserfahrung trüben.

Maria war nicht verheiratet, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Eine Situation, die vor zweitausend Jahren ungleich schwieriger war als heute. Doch Maria spürt, daß sie unterstützt wird, von Josef, ihrem Verlobten und Elisabeth, ihrer Verwandten.

Und sie spürt, daß Gott Großes mit ihr vorhat. Sie, die einfache Frau aus dem jüdischen Volk soll maßgeblichen Anteil daran haben, daß Menschen eine neue Dimension der Begegnung mit dem Göttlichen erfahren können. Der Sohn, den Maria erwartet, soll derjenige sein, der die Beziehung zwischen Gott und den Menschen auf eine neue Ebene stellt.

In der Geschichte des Christentums haben viele Kirchen auf Maria Bezug genommen. Der Name Mariens ist wohl der am meisten gebrauchte für christliche Gotteshäuser in der ganzen Welt.

In der Kirche Mariae Heimsuchung in Wiesbaden ist der Besuch Marias bei Elisabeth dem Augenblick gegenüber gestellt, in dem Maria ihren toten Sohn in den Armen hält. Zwischen diesen beiden Polen, Leben und Tod, Hoffnung und Verzweiflung spielt sich das Leben Marias ab. Und genau das hat sie wohl zur Identifikationsfigur unzähliger Frauen zu allen Zeiten gemacht. Doch über dieses Leben Marias spannt sich der Glaube des Christentums, so wie das große Dach der Kirche. Die Höhe und Lichte des Kirchenschiffs, das nach oben strebt und den Besucher mitzieht, ist damit zugleich Symbol für die Auferstehung.