Kirchenkompass


... zurück
... zur Buchbestellung

Das Lamm

 

Schon die Christen der ersten Generationen haben Jesus in dem Bild des Lammes dargestellt. In den Texten der Bibel spielt das Lamm eine wichtige Rolle. Johannes der Täufer weist auf Jesus hin und nennt ihn "Lamm". Dieses Wort ist in die Liturgie eingegangen. Wenn der Priester die Hostie vor dem Empfang der Kommunion emporhält und der ganzen Gemeinde zeigt, sagt er:
"Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt".

Diese Aussage geht auf das Abendmahl zurück, das Jesus mit den Jüngern gefeiert hat. Im Zentrum dieses jüdischen Mahles steht das Lamm, das gemeinsam verzehrt wird. Moses hatte im Auftrag Gottes angeordnet:
"Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am Zehnten dieses Monats soll jeder ein Lamm für seine Familie holen, ein Lamm für jedes Haus. ... Ihr sollt es bis zum vierzehnten Tag dieses Monats aufbewahren. Gegen Abend soll die ganze versammelte Gemeinde Israels die Lämmer schlachten." (Ex 12,3ff)

Jesus hat dieses jüdische Mahl neu interpretiert, indem er die Akzente anders setzt: Das Brot, das am Beginn des Mahles und der Segenskelch, der am Ende des Mahles gereicht wird, stehen nun im Zentrum des neuen Gedächtnismahles. Daher verstehen die Christen Jesus selbst als das Lamm, denn er wird geopfert, damit die Menschen Rechtfertigung, Versöhnung erlangen. Dieser entscheidende Teil des Mahles findet am Kreuz statt, Brot und Wein werden von Jesus zu den Zeichen seiner Gegenwart erklärt.

Das Lamm ist häufig in Verbindung mit einer Fahne dargestellt, was darauf hindeutet, daß das Osterlamm nicht nur das geopferte sondern auch das siegreiche Lamm ist. Dieses Bild wird schon im 5. Kapitel der Offenbarung des Johannes beschrieben:
"Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den Ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet." (Offb 5,6)

Dann wird das Lamm von den vier Lebewesen und den Ältesten gepriesen:
"Du wurdest geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erworben aus allen Stämmen und Sprachen, aus allen Nationen und Völkern und du hast sie für unseren Gott zu Königen und Priestern gemacht. ... Würdig ist das Lamm, das geschlachtet wurde, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Kraft, Ehre, Herrlichkeit und Lob". (Offb 5,9-12)

In den folgenden Kapiteln der Offenbarung des Johannes wird das Lamm als mächtig beschrieben. Es setzt die Könige der Erde ab, unterwirft sie und führt das endgültige Gericht herbei.

So findet sich das Lamm bereits in der Apsis früher christlicher Kirchen, oft umgeben von anderen Schafen und Lämmern, die ihm huldigen. Diese stehen für die Gläubigen, die vom Lamm wie von einem Hirten in den Himmel geführt werden.

In der jüdischen Theologie hat das Lamm eine vielfältige Bedeutung. David, der einst Hirte war, wird im Kampf gegen Goliath als das Lamm bezeichnet, das mit dem Wort Gottes, symbolisiert durch den Stein, das Böse überwindet. So ist der Satz "Seht Christus, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt" tautologisch zu verstehen. Das Lamm ist der Messias, der Gesalbte, griechisch "Christos".

Aus der aramäischen Schreibweise für "Lamm" leitet sich her, warum das Johannesevangelium Jesus als "Lamm" und "Wort" bezeichnet. Im Aramäischen haben "Wort" und "Lamm" die gleichen Konsonanten. Da im Hebräischen und Aramäischen nur die Konsonanten der Worte geschrieben werden, sind "Wort" und "Lamm" in den alten Schriften identisch.