Kirchenkompass


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Kerzen

 

Ich kenne jemanden, der ein "leuchtendes Beispiel" ist. Da ist mir "ein Licht aufgegangen". Unser Sprachgebrauch kennt viele solcher Beispiele, die eine positive Deutung mit dem Licht verbinden.

Licht ist ein uraltes Symbol. In den Mythen von der Erschaffung der Welt spielt es eine große Rolle, denn Menschen können ohne Licht nicht leben. Licht ist Wärme, Energie, Lebenskraft. Darum wird Licht schon immer positiv verstanden, es steht für das Gute, im Gegensatz zur Dunkelheit, zum Bösen.

Wir spüren die wohltuende Wirkung des Lichtes, ob wir im Frühling die ersten warmen Sonnenstrahlen genießen oder ob wir im Advent in gemütlicher Stimmung vor den Kerzen des Adventskranzes sitzen. Auch wenn Licht heute im Prinzip jederzeit verfügbar ist, spüren wir instinktiv, wie positiv wir auf natürliches Licht reagieren.

In Kirchen sind es neben den Fenstern vor allem Kerzen, in denen die Symbolik des Lichts aufgegriffen wird. In der Osternacht, kurz vor Anbruch des Ostermorgens, entzünden Christen in einer feierlichen Liturgie das Osterfeuer. Hervorgegangen aus heidnischen Bräuchen soll das Osterfeuer ausdrücken, dass so, wie das Feuer die Nacht erhellt, wie die Natur nach der Winterzeit wieder zum Leben erwacht, Christus den Tod besiegt hat. An diesem Feuer wird dann die Osterkerze entzündet, die in einer Prozession in die Kirche getragen wird. Dazu erklingt dreimal der Gesang "Lumen Christi – Deo Gratias", in dem Gott für Christus, das Licht der Welt gedankt wird. Als "Licht der Welt" bezeichnet sich Christus im Johannesevangelium, in deutlicher Anspielung an die Schöpfung der Welt, denn mit ihm beginnt eine neue Schöpfung, eine neue Welt.

Alle Kerzen in einer Kirche erhalten ihr Licht letztlich von dieser einen Kerze, die in der Osternacht entzündet wurde.

Deutlich wird das beim Empfang der Sakramente. Die Taufkerze des Christen wird, ebenso wie die Kommunionkerze, an der Osterkerze entzündet, je nach regionalem Brauch auch die Hochzeits- und die Sterbekerze.

Weil das Licht der Kerze für das neue Leben steht, an dem wir durch die Auferstehung Christi teilhaben dürfen, sind Kerzen auch ein Symbol für das Ewige Leben.

Vor dem Tabernakel, dem Ort, an dem die gewandelten Hostien aufbewahrt werden, steht deshalb in jeder Kirche eine weitere Kerze, das "Ewige Licht". Es weist auf die Gegenwart Gottes in dem Gebäude hin, auf die Präsenz Christi in dem Brot, das zu seinem Gedächtnis geteilt wird.

Wenn man in einer Kirche eine Kerze entzündet, drückt man damit seine Zugehörigkeit zu Christus aus. Denn wer Christus nachfolgt, ist selbst "Licht der Welt", wie es bei Matthäus heißt.

"Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt,kann nicht verborgen bleiben.

Man zündet auch nicht ein Licht an und stülpt ein Gefäß darüber, sondern man stellt es auf den Leuchter; dann leuchtet es allen im Haus.

So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen." (Mt 5,14-16)