Kirchenkompass


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Jesus und das Reich des Todes

 

"Höllenfahrten, das sind Abenteuer auf Messers Schneide". Im Glaubensbekenntnis findet sich ein Satz, der für uns heute schwer verständlich ist: Wir bekennen Jesus als den, der "hinabgestiegen ist in das Reich des Todes".

Während es für die Himmelfahrt einen eigenen Feiertag gibt, ist die "Höllenfahrt" Jesu ein Ereignis, das in der Ikonographie häufiger behandelt wurde als in der Theologie unserer Zeit.

Die Evangelien berichten nichts von der "Höllenfahrt", einzig eine Stelle im ersten Petrusbrief kann als Beleg dienen. "Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben, er, der Gerechte, für die Ungerechten, um euch zu Gott hinzuführen;dem Fleisch nach wurde er getötet, dem Geist nach lebendig gemacht. So ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt." (1 Petr 3,18-20)

Wie also kommt dieser Satz ins Credo und welche Funktion hat er dort?

In den ersten Glaubensbekenntnissen der Christen findet sich der Satz erst ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts. Doch auch wenn der Bericht von der Höllenfahrt noch nicht schriftlich fixiert ist, kann man davon ausgehen, daß er im Bewußtsein der ersten Christen war. Denn er schließt nahtlos an die jüdische Vorstellung von der "Scheol" an, eine Art "Unterwelt", in der sich die Verstorbenen aufhalten. Und in diesem Zusammenhang wird der Satz verständlich: Jesus war so sehr Mensch, daß er vollständig das Schicksal aller Menschen teilte. Und dazu gehörte nach antiker Vorstellung auch der Abstieg ins Totenreich.