Kirchenkompass


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Gottesdienst -
oder der Weg nach Emmaus

 

Der Weg durch eine Kirche ist auch der eigene Weg zum Glauben. Was glauben bedeutet, wird in der Geschichte von den zwei Jüngern erzählt, die enttäuscht von Jerusalem nach Emmaus unterwegs sind. Sie hatten gehofft, daß Jesus das Reich Davids wieder aufrichten und Israel von der römische Besatzungsmacht befreien würde. Wir sind heute Zeugen eines ähnlichen Kampfes der Juden um ihr Land. Es gab nur wenige Jahrzehnte, in denen sie nicht von außen bedroht waren. In der Zeit Davids waren die Reiche sowohl in Ägypten wie im heutigen Irak schwach. Auch das Königreich von Damaskus war nicht stark genug, um der militärischen Macht des Königs David standzuhalten. Die Unabhängigkeit Israels von feindlichen Stämmen und Staaten, die dieser König herbeizuführen vermochte, weckte die Sehnsucht nach einem neuen David. Die Wundertaten, die Jesus wirkte, ließ die Hoffnung aufkommen, er sei vielleicht der Erwartete. Aber Jesus hat beim Einzug in Jesusalem diese Erwartungen abgelehnt. Schon bei der wunderbaren Brotvermehrung wollte man ihn zum König machen, er aber zog sich auf einen Berg zurück. Sein Ziel war es nicht, das Reich Davids wieder herzustellen, sondern er verkündete den Anbruch des Reiches Gottes. Die Propheten hatten bereits vorausgesagt, daß dieses Reich nicht aus militärischer Macht, sondern aus den Herzen erwächst. Ezechiel hatte die Absicht Gottes kundgemacht:
"Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke ihnen einen neuen Geist. Ich nehme das Herz von Stein aus ihrer Brust und gebe ihnen ein Herz von Fleisch." (Ez 24,19; 36, 26)

Auch wer unter den Jüngern die Hoffnung hatte, daß Jesus nicht mit militärischer, sondern mit seiner Macht über die Herzen das Reich Gottes errichten werde, wurde durch den Kreuzestod enttäuscht. So geht es uns ständig, wenn wir etwas Sinnvolles aufbauen wollten, uns für andere einsetzen. Gerade dann, wenn wir unseren Egoismus überwunden haben, uns nur der Sache verpflichtet fühlen, treten um so größere Widerstände auf. Es scheint nicht ohne politische Finessen, ohne Absprachen, ohne das Geschäft zu gehen: tust du mir heute einen Gefallen, stimme ich morgen in deinem Sinne ab. Wie soll sich auf diesem Wege das Reich Gottes durchsetzen? Wir können mit solchen Erfahrungen in die Kirche gehen. Viele Menschen waren schon vor uns da und haben mit den Emmausjüngern geklagt: Jesus, bist du der einzige, der nicht weiß, wie es bei uns zugeht?

Als sie sich mit dieser Klage Luft machten, hatten sie Jesus in ihrem Begleiter noch nicht erkannt.

"Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, so daß sie ihn nicht erkannten.
Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen - er hieß Kleopas - antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, daß du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?" (Lk 24,15-18)

Zuerst mußten sie verstehen lernen, daß Gott das Kommen seines Reiches durch die Begrenztheit der Menschen, ihre üblen Absichten und ihr politisches Kalkül nicht verhindern läßt. Glauben heißt vor allem: Gott vertrauen, daß er sein Heil schenken, ja sogar durchsetzen wird, obwohl fast alles dagegen spricht. Ein Anfang ist die Auferstehung Jesu. Damit fängt die neue Wirklichkeit an. Die Feier des Abendmahles, die heilige Messe, ist der ausgewiesene Ort für alle christlichen Generationen, um Gottes Heil in Jesus Christus, dem am Kreuz Gestorbenen und am Ostertag Auferstandenen, zu begegnen. Um darauf vorbereitet zu sein, hören wir Lesungen aus der Heiligen Schrift und sind zugleich darauf angewiesen, daß uns die Texte erschlossen und gedeutet werden. So lernen auch wir, wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus Gottes Wege verstehen.