Kirchenkompass


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Verkündigung - Glocken

 

Hoch oben im Kirchturm sind sie angebracht: die Glocken. Ihr Klang breitet sich aus und dient, wie auch der Turm, der Orientierung. Während sein Signal ein optisches ist, so setzen die Glocken ein akkustisches Zeichen. Wenn sie morgens, mittags und abends läuten rufen sie den Menschen nicht in erster Linie die Uhrzeit in Erinnerung, sondern die Gebetszeiten. Sie geben zeitliche und geistige Orientierung.

Seit alten Zeiten bedient sich der Mensch eines Metallgefäßes, das beim Anschlagen ertönt, wodurch er Zeichen geben und andere herbeirufen kann. Die Glocken stehen in der Tradition der Schlagbretter, die als Klappern und Ratschen heute nur noch an den Kartagen Verwendung finden. Im christlichen Raum hielten die Glocken zuerst in den Klöstern Einzug. Ihre eigentliche Funktion besteht darin, den Beginn des Gottesdienstes anzuzeigen, die Gläubigen zusammenzurufen und auch während des Gottesdienstes die Zuhausegebliebenen durch kurze Zeichen auf den Fortgang der Feier aufmerksam zu machen. Glockengeläut ruft verschiedenste Assoziationen wach: es verkündet Freud’ und Leid im Leben einer Pfarrgemeinde, ja manchmal sogar einer ganzen Stadt. Manche Glocken haben aus diesem Grund besondere Bedeutung erlangt, so zum Beispiel der "Dicke Peter" von Köln, oder die "Pummerin" in Wien.

"Nur ewigen und ernsten Dingen sei ihr metallner Mund geweiht, und stündlich mit den schnellen Schwingen berühr im Fluge sie die Zeit. Dem Schicksal leihe sie die Zunge; selbst herzlos, ohne Mitgefühl, begleite sie mit ihrem Schwunge des Lebens wechselvolles Spiel."

So beschreibt Friedrich Schiller in seinem "Lied von der Glocke" ihre Bestimmung.

Das römische Benediktionale sieht für die Glockenweihe während der Besprengung und Beräucherung der neuen Glocke ebenfalls einen Gesang vor. Er ist dem Psalm 149 entnommen:

"Halleluja! Singt dem Herrn ein neues Lied! Sein Lob erschalle in der Gemeinde der Frommen.
Israel soll sich über seinen Schöpfer freuen, die Kinder Zions über ihren König jauchzen.
Seinen Namen sollen sie loben beim Reigentanz, ihm spielen auf Pauken und Harfen.
Der Herr hat an seinem Volk Gefallen, die Gebeugten krönt er mit Sieg.
In festlichem Glanz sollen die Frommen frohlocken, auf ihren Lagern jauchzen." (Ps 149,1-5)

Die Glocken erschallen zum Lob Gottes, ihr Klang steigt zum Himmel empor wie ein Gebet. Jeden Tag zur Mittagszeit erinnern sie an die Verkündigung, weisen auf die Botschaft hin, die Maria durch den Erzengel Gabriel übermittelt wurde. In dem Geläut zum Angelus drückt sich über die Aufforderung zum Gebet hinaus ein eigentümlicher Zusammenhang zwischen Klang und Botschaft aus. Maria war eine Hörende, offen und bereit, dem Wort Gottes in ihrem Leben Raum zu gewähren. Sie hat sich selbst so zurückgenommen, daß Gott in ihr Gestalt annehmen und Mensch werden konnte. Sie hat den zunächst fremden, vielleicht sogar erschreckenden Klang der Botschaft nicht geflissentlich überhört, sondern sich ganz davon vereinnehmen lassen. Ähnlich ist es mit dem Klang der Glocken. Er gilt ebenfalls als Aufruf, der beständig auf die Botschaft aufmerksam macht.