Kirchenkompass


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Eucharistiefeier

 

Der zentrale Gottesdienst, die Abendmahls- oder Eucharistiefeier, ist nicht einfach zu verstehen. Zur Feier dieses Ritus sind die Kirchen gebaut und so kommt es darauf an, den Ablauf durchsichtig zu machen. Der Gottesdienst ist nicht einfach eine Geschichte, die man aus der Folge der Handlungen, Gesten, der Worte und Gesänge herauslesen könnte. Vielmehr muß einem die dahinter liegende Geschichte vertraut sein, um den Ritus zu verstehen. Die Hintergrundgeschichte ist das Leben Jesu, so wie es in den Evangelien geschildert wird. Da die Evangelien abschnittsweise in den Gottesdiensten vorgelesen werden, erfährt man im Laufe eines Jahres viel über dieses Leben. Entscheidende Szenen sind in den Kirchen oft auf Gemälden oder geschnitzten Altarbildern dargestellt:

Geburt, Taufe durch Johannes im Jordan, Wunderheilungen, Abendmahl, Kreuzestod und Auferstehung. Dieses Leben ist in besonderer Weise mit dem Abendmahl verbunden.

In der jüdischen Tradition wurde das Pessachmahl zum Gedächtnis an den Auszug aus Ägypten gefeiert. Auch hier wurde nicht nur gegessen sondern vor allem die Geschichte erzählt, an die das Mahl erinnert.

Jesus hat den Zusammenhang des Abendmahls mit seinem Leben selbst hergestellt.

"Während des Mahls nahm Jesus das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach der das Brot, reichte es den Jüngern und sagte: Nehmt und eßt; das ist mein Leib. Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet und reichte ihn den Jüngern mit den Worten: Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden." (Mt 26,26-28)
Dann folgt der Auftrag an die zwölf Jünger: "Tut dies zu meinem Gedächtnis" (Lk 22,19)

Die Worte Jesu verbinden das Mahl mit seinem Lebensschicksal, deshalb ist Jesus in Brot und Wein nicht nur mit seinem Fleisch und Blut gegenwärtig, sondern auch mit seinem ganzen Leben. Dieses Leben ist ein besonderes, denn Jesus ist nicht im Tod geblieben, er ist von den Toten in ein neues Leben auferstanden, er ist bei seinem Vater im Himmel und in dieser himmlischen Existenz gegenwärtig beim Eucharistischen Mahl. Weil Brot und Wein den himmlischen Jesus in der Gemeinde gegenwärtig setzen, müssen die Kirchen nicht nur als Abendmahlssaal, sondern als himmlische Stadt, als neues Jerusalem gebaut werden.

Die Gestalt des Mahles ist in den westlichen Kirchen eingebunden in einen Raum, in den die Menschen von hinten eintreten, nach vorne gehen und den Raum wieder durch das meist nach Westen gerichtete Eingangsportal verlassen. Sie kommen, um zu hören und empfangen das gewandelte Brot und den konsekrierten Wein. Es soll aber nicht nur Brot und Wein gewandelt werden, sondern auch der Mensch, der an dem Mahl teilnimmt. Er soll in einen himmlischen Menschen verwandelt werden.