Kirchenkompass


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Dämonen -Die Versuchung Jesu

 

Vor allem die Gotische Kathedrale nennen sie ihr Zuhause. Als Wasserspeier, Skulpturen oder als teuflische Fratzen, die das Chorgestühl besiedeln, treiben sie im Kirchenraum ihr Unwesen.

Bernhard von Clairvaux (1090/91-1153), Ordensgründer der Zisterzieser, verurteilte diese finsteren Gestalten und suchte, sie aus dem Kircheninneren zu vertreiben:
"Was sollen übrigens in den Klöstern vor den lesenden Brüdern jene lächerlichen Monstren, die unglaublich deformierte Fromvollendung und die formvolledente Deformation? Was sollen die unreinen Affen? Was die wilden Löwen? ... Überall erscheint eine ebenso bunte wie erstaunliche Fülle verschiedenartigster Formen, daß man lieber im Marmor, als in den Büchern liest und betrachtet. Den ganzen Tag ist man damit beschäftigt, die Einzelheiten der Werke zu bewundern, anstatt über das Gesetz Gottes nachzusinnen... ."

Seine Kritik galt vor allem der großen Ablenkungsgabe, die den steinernen, oder hölzernen Wesen anhaftet. Verleiteten sie nicht selbst gerade dazu, wovor sie eigentlich warnen sollten? Die Tatsache, welche ihnen stets ein Hintertürchen in die Kirchen offengehalten hatte, bestand in der Funktion der Abschreckung vor allem Bösen, vor Laster und Untugendhaftigkeit. Sie signalisierten den Chorherren und Mönchen, denen sie als Lehn- und Sitzstütze dienten, daß sie sich vor den Versuchungen der Welt in Acht nehmen sollten und forderten sie zu einem frommen Leben auf. Auch an der Außenfassade, in schwindelnden Höhen angebracht, trotzten sie allem Bösen und verwehrten ihm Einlaß in den heiligen Bezirk, das Kircheninnere.

Dem Bösen sahen und sehen sich Menschen zu jeder Zeit ausgesetzt. Einflußreiche Mächte bedrohen die menschliche Existenz. Heute wird man ihnen nicht mehr die Gestalt fratzenhafter Wesen verleihen, die in dunklen Wäldern wohnen. Vielmehr sind es "Werke von Menschenhand" die sie hinter blendenden Masken verbergen und die dann negative Wirkung erzielen, wenn ihnen Absolutsetzung entgegengebracht wird. Das gilt nicht nur für die Bereiche Technik und Weltwirtschaft. Die Versuchung, sich vom Glanz irdischer Werte in Bann ziehen zu lassen, ist groß. Sie ist selbst Jesus nicht fremd. In allem, "außer der Sünde"uns gleich, macht er in der Wüste die Erfahrung, wie verlockend die Ausübung von Macht sein könnte.

"Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest." (Mt 4,8-9)

Aber Jesus bezeugt mit seinem Leben, daß er sich ganz und gar verdankt weiß, daß er gibt, was er selbst empfangen hat. Er entlarvt das, woran Menschen ihr Herz hängen, als Vorübergehendes, Vergängliches.

Die Angst, Wurzel egoistischen Absicherungsbestrebens, ist das eigentliche Übel, welches das Verhältnis der Menschen untereinander belastet. Sie wird durch das Ziel entmachtet, von dem Jesus sich bestimmt weiß. Die Liebe durchbricht die Angst, entkräftet das Böse.