Kirchenkompass


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Christi Himmelfahrt

 

Bei der Messe, beim Abendmahl stehen die Wort Jesu im Mittelpunkt, die er im Abendmahlssaal gesprochen hat.

"Nehmet und trinket alle daraus, das ist der Kelch des Neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird."

Nach diesem Einsetzungsbericht folgt ein Gebet, in dem an Tod und Auferstehung Jesu erinnert wird. Im heutigen Dritten Hochgebet, das auf ein altes Hochgebet der römischen Liturgie zurückgeht, heißt es:
"Darum, gütiger Vater, feiern wird das Gedächtnis deines Sohnes. Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine glorreiche Auferstehung und Himmelfahrt und erwarten seine Wiederkunft...."

Tod, Auferstehung und Himmelfahrt werden in dem heiligen Mahl präsent. Derjenige, der den Leib Jesu Christi empfängt, stirbt mit ihm, steht mit ihm von den Toten auf und wird mit ihm in den Himmel aufgenommen. Selten wird man sich dieser Bedeutung des Abendmahles bewußt, obwohl es in der Bibel an vielen Stellen erwähnt wird. "Wir sind mit ihm begraben worden und auferstanden" heißt es im Römerbrief.

"Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein." (Röm 6,5)
Oder im Epheserbrief: "Er hat uns mit Christus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben". (Eph 2,6)

Auch die Kirchen sind so gebaut. Wenn wir unter dem Weltgericht, das über dem Westportal vieler gotischer Kirchen gemeißelt ist, hindurchgehen, haben wir bereits den Himmel betreten. Die Gewölbe der meisten mittelalterlichen Kirchen und die Deckgemälde des Barock öffnen uns den Blick in die himmlische Welt.

Der Himmel ist aber nicht einfach oben, obwohl unser Vorstellungsvermögen uns nach oben blicken läßt, wenn wir in den Himmel schauen wollen. Der Himmel ist eine Realität direkt neben uns. Jesus geht mit uns unseren Lebensweg, Engel sind an Weihnachten auf die Felder von Bethlehem gekommen. Jesus ist, obwohl er in den Himmel aufgefahren ist, n dem eucharistischen Brot gegenwärtig. Wir bewahren es sogar im Tabernakel auf, weil es uns der Gegenwart Jesu versichert.

Auch wenn wir aus dem Kirchenraum heraustreten, verlassen wir den Himmel nicht. Wir tragen die Gegenwart Jesu mit und begegnen ihm in anderen Menschen. Manchmal spürt man ganz deutlich, sei es in der Kirche oder im alltäglichen Leben, daß der Himmel da ist. Wenn wir überraschend die Freundlichkeit eines Menschen erfahren, der uns auch hätte abweisen können, wenn wir nicht in den alltäglichen Aufgaben aufgehen, sondern eine andere Wirklichkeit wahrnehmen. Wenn wir Zugang zu den tiefen Wahrheiten haben, daß wir als Person gewollt sind, daß wir eine endgültige Heimat haben, daß wir trotz aller Sorgen nicht vor Angst zergehen müssen, wenn wir eine starke Hoffnung in uns spüren – dann sind wir im Himmel. Die Kirchen sind so gebaut, daß wir dieser Wirklichkeit deutlicher begegnen.