Kirchenkompass


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Der Chorraum der Kirche

 

Eine Kirche, eine Kathedrale wird vom Chor her gebaut. Hier geschieht das Wichtige. Vom Chorraum aus wird die Bibel verlesen, hier steht der Altar. Die Fenster sind nach Osten, nach Jerusalem ausgerichtet. Von dort kommt das Licht, die aufgehende Sonne, Jesus Christus.

"Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen." (Apg 1,10f)

Im Wort der Bibel und im Abendmahl begegnet der Gläubige Christus selbst, nicht dem, der als Jesus von Nazareth predigend durch Galiläa gezogen ist, sondern dem, der auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist. Deshalb ist der Chorraum besonders ausgestaltet. Fast immer ist er gewölbt, selbst wenn es nur eine kleine Apsis ist, die das Kirchenschiff ausrundet – so z.B. in den römischen Basiliken oder den ältesten Kirchen nördlich der Alpen. Die Wölbung symbolisiert den Himmel, von dem her der Geist wirksam wird. Manchmal steht der Altar unter einem Baldachin, so im Petersdom in Rom. Dieses Bauelement bringt noch deutlicher zum Asdruck, daß das Geschehen direkt unter dem Himmel stattfindet.

Der Himmel wird auch durch das Achteck symbolisiert. In romanischen Kirchen sind es die achteckigen Kuppeln über der Vierung. Der geübte Blick ergänzt das Achteck, wenn er im Chorraum fünf Fenster zählt. Das ist fast immer dann der Fall, wenn es ein Mittelfenster gibt. Würde man den Chorraum mit weiteren Wänden und Säulen vervollständigen, ergäbe sich ein Achteck – so wie eine frühchristliche Taufkapelle oder der Aachener Dom. Der Chor aber ist gegenüber dem Kirchenschiff offen, so daß von dem Achteck nur fünf Seiten gebaut sind.

Ein anderer Hinweis sind sieben Säulen, die sich z.B. im Dom von Speyer finden. Die Bauidee für diese Himmelssymbolik findet sich in der Offenbarung des Johannes, im letzten Buch der Bibel.

Der Chorraum ist zugleich der Aufbewahrungsort des gewandelten Brotes. Ein rotes Licht weist auf die Gegenwart Christi im Eucharistischen Brot hin. In der Gotik hat man meist an der linken Seitenwand des Chores ein Sakramentshäuschen gebaut. Der Barock rückt den Tabernakel in die Mitte und krönt damit den Altar.

Die Altarbilder erzählen in vielen Fällen das Leben Jesu, zeigen das Abendmahl und den Weg zum Kreuz.

Im Barock wird der Altar in die Dynamik der Himmelfahrt aufgenommen. Häufiges Motiv ist die Himmelfahrt Mariens oder die Krönung der Gottesmutter. In der Kuppel findet sich fast immer die Heiligste Dreifaltigkeit, Vater und Sohn sowie der Geist in der Gestalt einer Taube dargestellt.

Die Heiligenaltäre,die Künstler im Mittelalter geschnitzt und gemalt haben, waren in den meisten Fällen zuerst als Seitenaltäre geplant und sind erst später im Fluchtpunkt der Kirche, im Chorraum, aufgestellt worden.

In romanischen Kathedralen, so in Mainz und Worms, gibt es auch im Westen einen Chorraum. Dort ist der Platz der weltlichen Macht.

In evangelischen Kirchen findet sich im Zentrum des Chorraumes oft die aufgeschlagene Bibel oder auch die Kanzel.