Kirchenkompass


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Berg/ Bergpredigt - Blasiusberg

 

Ein Berg ist meist schon von weitem sichtbar. Er ist ein herausragender Ort. Und das nicht nur im tatsächlichen Wortsinn. Berge haben oft auch eine mystische Dimension. Deshalb sind viele Kirchen auf Bergen gebaut. Denn auch sie sind herausragend. Im mittelalterlichen Stadtbild überragen sie schon optisch alle anderen Gebäude. Auf einem Berg wird ihre herausgehobene Bedeutung natürlich noch einmal besonders deutlich – im tatsächlichen, wie im übertragenen Sinn.

Denn Berge haben eine tiefe christliche Bedeutung und Symbolik. Am Berg Sinai redet Gott zu Moses und durch ihn zum Volk Israel. Er schließt seinen Bund mit Israel und verkündet die zehn Gebote. Der Berg wird zu einem Ort der Gottesbegegnung und der Verkündigung. Auch das zentrale Gebet der Christen, das in jedem Gottesdienst gebetet wird, wurde uns auf einem Berg verkündet. Während der berühmten Bergpredigt lehrte Jesus das "Vater unser". Am bekanntesten berichtet der Evangelist Matthäus von diesem Ereignis. Der Berg auf dem Jesus lehrte, entspricht dem Berg Sinai des Alten Bundes.

Immer wieder zieht sich Jesus auf Berge zurück, um zu beten. Auf einem Berg erlebt er die Nähe Gottes ganz intensiv, z.B. während seiner Verklärung, aber auch zu anderer Zeit die Versuchung des Teufels, der Jesus aber widersteht. Der Berg wird so auch zu einem Symbol der Hoffnung und der Vollendung. Wenn sich der neue Bund vollendet und ein "neuer Himmel und eine neue Erde" entstehen, wird das neue, das himmlische Jerusalem auf einem Berg liegen. So wird es dem Seher Johannes offenbart.

"Da entrückte er mich in der Verzückung auf einen großen, hohen Berg und zeigte mir die heilige Stadt Jerusalem, wie sie von Gott her aus dem Himmel herabkam,... ." (Offb 21,10)

Zeugnis dieser tiefen Gotteserfahrungen, die Menschen zu allen Zeiten auf Bergen gemacht haben, sind die zahlreichen "Bergkirchen." Eine davon steht im Westerwald. Es ist die Kirche St. Blasius auf dem Blasiusberg in Dornburg. Schon vor der ersten Jahrtausendwende wurde hier an der Stelle einer germanischen Kultstätte eine erste Kirche gebaut. Die Menschen aus den umliegenden Dörfern zogen Sonntag für Sonntag zum weithin sichtbaren Blasiusberg, um dort Gottesdienst zu feiern. Hier zeigt sich eine weitere Dimension des Bergs im christlichen Sinn. Der Berg und die Bergkirchen sind das Ziel der Wallfahrt der Christen. Wir machen uns auf den Weg, um Gott zu begegnen. Wir brechen auf, damit Gott in unser Leben neu "einbrechen" kann. Wie in das Leben des Volkes Israel nach der Begegnung mit Gott auf dem Berg Sinai. Wir sind unterwegs zum "himmlischen" Jerusalem auf dem Berg.