Kirchenkompass


... zurück
... zur Buchbestellung

Auferstehung - Achteck

 

Auch wenn in unserem Bewußtsein die Woche mit dem Montag beginnt, der erste Tag der Woche ist nach jüdisch-christlicher Zeitrechnung der Sonntag. Als Tag der Auferstehung wurde er von den Christen schon früh gefeiert. Besondere Hervorhebung erfuhr dann das Osterfest. Das Weihnachtsfest am Tag der Wintersonnenwende entstand erst um 350 in Rom. Für die Christen ist der Sonntag jedoch auch der achte Tag. Er folgt auf den Ruhetag, denn der Sabbat schließt die Schöpfung ab. Gott ruht, weil sein Schöpfungswerk vollendet ist. Ebenso kann sich der Mensch von seiner Arbeitswoche erholen. In unserem heutigen Wochenrhythmus gehen wir am Samstag einkaufen, waschen das Auto, machen Reparaturen und schauen am späten Nachmittag im Fernsehen, welcher Fußballmannschaft die Glücksgöttin den Sieg geschenkt hat. Der Sport lenkt nicht nur ab, als Spiel hat er etwas mit dem Heiligen zu tun. Aber reicht das beste Fernsehprogramm an die Sphäre heran, die in den Kirchen gebaut ist?

Wenn wir eine Barockkirche betreten, können wir einen Blick in die jenseitige Welt werfen. Es sind die Visionen der Heiligen gemalt, die wie Stephanus den Himmel offen sahen. Oft wird die Himmelfahrt Mariens dargestellt. Sie wird von der Heiligen Dreifaltigkeit im Himmel empfangen und gekrönt.

So plastisch wie der Barock haben die Baumeister der Romanik die Vision des Himmels nicht ausgestaltet. Aber sie haben die Zahl Acht immer wieder gebaut. Die Taufbecken sind rund oder achteckig, die Kuppeln deuten auf den achten Tag hin, mit dem die Neue Schöpfung beginnt. Am achten Tag ist Christus von den Toten auferstanden. Er ist nicht mehr wie Lazarus in dieses Leben zurückgekehrt, er hat auch nicht eine Reinkarnation durchgemacht, so daß er noch einmal versuchen könnte, mit der Botschaft vom anbrechenden Reich Gottes Erfolg zu haben.

"Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott." (Röm 6,10)

Er ist ein für allemal gestorben und sitzt jetzt zur Rechten Gottes des Vaters. Mit seiner Auferweckung beginnt die neue, die himmlische Zeit. Denn die achteckigen Kuppeln ruhen auf der Vierung auf. Vier – das sind die vier Himmelsrichtungen, die vier Elemente, die Zahl 4 steht für die Welt. Die Kuppel symbolisiert die himmlische Dimension: Sie ist gewölbt und ihre acht Seiten deuten auf den achten Tag hin. Das ist der Tag nach der Vollendung der Welt, der Tag der Auferstehung, an dem die neue Wirklichkeit beginnt. Jeder Sonntag stellt uns auch im Wochenrhythmus unter die neue Wirklichkeit. Zwar wird die Woche nicht um einen Tag verlängert, es bleibt bei den sieben Tagen, aber unsere Zeit ragt schon in die endgültige, die himmlische Wirklichkeit hinein. Wenn wir uns unter das Achteck stellen, dann haben wir schon einen Fuß in die neue Wirklichkeit gesetzt.