Kirchenkompass


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Wein und Wasser

 

Das Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat, ist Ausgangspunkt für das Gedächtnismahl, die Eucharistie, die wichtigste Handlung der Kirche. Für dieses Mahl ist der Kirchenraum erbaut. Vieles dient dem Mahl, interpretiert es, stellt es in den Zusammenhang des Lebens der Christen. Ein Mahl ohne Wein ist im Orient nicht denkbar.

Kelche nehmen den Wein auf. Die Kelche sind golden und oft reich verziert, um die Bedeutung des Inhaltes nach außen zu verdeutlichen. Mit ihrer goldenen Farbe symbolisieren sie die himmlische Sphäre, während das Wasser mit seinen sich verlaufenden Wellen für das Vergängliche steht.

 Wein und Wasser werden in einem Ritus mit tiefem Bedeutungsgehalt verbunden. Zur Vorbereitung der Mahlfeier wird Wein in den Kelch gegossen. Dazu kommt ein wenig Wasser, das mit einem kleinen Löffelchen abgemessen wird. Der Priester oder der Diakon sprechen, während sie das Wasser in den Kelch geben:
"Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat."

Das Kreatürliche, repräsentiert durch das Wasser, geht im Göttlichen auf.

Das ganze eucharistische Mahl soll die Gläubigen verwandeln. Wer das in den Leib Christi gewandelte Brot ißt, wer den in das Blut Christi gewandelten Wein trinkt, wird tiefer in den Leib Christi eingegliedert. Im Epheserbrief wird die Kirche der Leib Christi genannt und Christus selbst das Haupt des Leibes.

Gott hat Jesus "alles zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt. Sie ist sein Leib und wird von ihm erfüllt, der das All ganz und gar beherrscht. (Eph 1,22f)

Nicht nur der Körper, der ganze Mensch soll verwandelt werden, mit Leib und Seele wird er vom Göttlichen erfaßt.

Die Form des Kelches drückt aus, daß etwas von oben in den Kelch hineingegossen, hineingelegt wird. Gutes und Schweres kann dem Menschen in den Kelch gelegt werden. Der Kelch steht wegen eines Gebetes Jesu in unmittelbarer Verbindung mit seinem Leiden. Vor seiner Gefangennahme betet Jesu:
"Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst." (Mt 26,39)

Mittelalterliche Darstellung des Gebetes Jesu am Ölberg beinhalten aus diesem Grund häufig einen Kelch, zu dem Jesus aufblickt.