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06.10.1998

Freiburg und Beuron:

zwei Stationen auf dem Lebens- und Glaubensweg Edith Steins, die am 11. Oktober 1998 heiliggesprochen wird

Am 11. Oktober 1998 wird Papst Johannes Paul II. in Rom die jüdische Philosophin und katholische Ordensfrau Edith Stein heiligsprechen. Damit wird, wie die deutschen Bischöfe in einem Hirtenwort anläßlich ihrer Heiligsprechung schreiben, "eine bedeutende Frau unseres Jahrhunderts" zur Ehre der Altäre erhoben, deren Lebens- und Glaubensweg nicht zuletzt auch mit Stationen in der Erzdiözese Freiburg eng verbunden ist.

Daß Edith Stein, die am 12. Oktober 1891 als Kind jüdischer Eltern in Breslau geboren und 1942 als Karmelitin in den Gaskammern von Auschwitz ermordet wurde, einmal in den Heiligenkalender der Kirche aufgenommen werden würde, wäre ihr selbst wohl kaum in den Sinn gekommen. Bereits als Vierzehnjährige nannte sie sich eine Atheistin, eine Gottlose, die trotz einer strengen jüdischen Erziehung durch ihre Mutter den Glauben ihrer Väter verloren hatte. "Ganz bewußt und aus freiem Entschluß" hatte sie sich schon in Jugendtagen das Beten abgewöhnt, wie sie später berichtete.

Eine der ersten Begegnungen, die sie wieder auf die Spur des Glaubens zurückführte, erlebte Edith Stein in den Jahren 1916 bis 1918, die sie als Schülerin und später Assistentin des berühmten Philosophen Edmund Husserl in Freiburg verbrachte. Von Göttingen aus war sie ihrem verehrten "Meister", wie sie Husserl selbst bezeichnete, in die Breisgaumetropole gefolgt, wo sie 1917 mit ihrer Arbeit über "Das Einfühlunsgproblem in seiner historischen Entwicklung und in phänomenologischer Betrachtung" mit höchster Auszeichnung promovierte. In diese Zeit fiel ein Erlebnis, das Edith Stein tief beeindruckte. Es war das Zusammentreffen mit der jungen Witwe Anne Reinach. Die Frau von Adolf Reinach, Husserls rechter Hand, bat Edith Stein, den philosophischen Nachlaß ihres 1917 an der Westfront gefallenen Mannes zu ordnen. Edith Stein fürchtete sich vor dieser Begegnung, weil sie nicht wußte, wie sie der jungen Frau in ihrem Schmerz gegenübertreten sollte. Überraschenderweise fand sie jedoch keine gebrochene, verzweifelte Witwe vor, sondern eine Frau, die aus ihrem christlichen Glauben Kraft und Lebensmut schöpfte. Diese Erfahrung traf die hochbegabte Philosophin in ihrem Innersten. Sie sagte später darüber: "Es war dies meine erste Begegnung mit dem Kreuz und der göttlichen Kraft, die es seinen Trägern mitteilt. Ich sah zum erstenmal die aus dem Erlöserleiden Christi geborene Kirche in ihrem Sieg über den Stachel des Todes handgreiflich vor mir. Es war der Augenblick, in dem mein Unglaube zusammenbrach,... und Christus aufstrahlte: Christus im Geheimnis des Kreuzes."

Auf dem weiteren Lebens- und Glaubensweg Edith Steins, die 1922 im pfälzischen Bergzabern durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen wurde, spielte auch die Benediktinerabtei Beuron eine bedeutende Rolle. Von dem Jesuitengelehrten Erich Przywara dorthin empfohlen, entwickelte sie eine enge Beziehung zu dem Kloster im Donautal. Von 1928 an bis zu ihrem Eintritt in den Karmel zu Köln 1933 verbrachte Edith Stein die hohen Festtage, vor allem die Kar- und Osterwoche, regelmäßig in Beuron, wo sie in dem jungen Abt Dr. Raphael Walzer einen Berater und Freund fand. Die altehrwürdige Abtei mit ihrem monastischen Leben und ihrer kulturellen Ausstrahlung empfand sie nach eigener Beschreibung "wie den Vorhof des Himmels". Beuron wurde zu ihrem spirituellen Ort und Erzabt Dr. Raphael Walzer ihr geistlicher Begleiter, mit dem sie bis zu ihrer Ermordung 1942 in Kontakt stand.


06.10.1998

Überholtes Missionsverständnis

Der Präsident des Internationalen katholischen Missionswerkes missio, Hermann Schalück, hat sich von einem überholten Missionsverständnis distanziert. Mission sei früher oft als "Zwillingsschwester des Kolonialismus" wahrgenommen worden, sagte der Franziskaner in Freiburg anläßlich der Eröffnung des Weltmissionssonntages. Mit dieser Erinnerung habe die Kirche heute noch zu kämpfen. Die derzeitige missionarische Praxis der Kirche sei durch Dialog, Ökumene und den Dienst am Leben der Menschen gekennzeichnet. Schalück räumte ein, daß dieses Missionsverständnis noch nicht von allen Katholiken anerkannt werde. "Der Papst ist hier schon weiter als Teile der Kirchenbasis", sagte der missio-Präsident.


06.10.1998

Selbstmord eines Bosniers

Als dramatisch haben die Karlsruher Verbände von Caritas und Diakonie die Situation der bosnischen Flüchtlinge in ihrer Stadt bezeichnet. Der enorme psychische Druck führe zu Panikreaktionen. Die Verbände verwiesen auf den Selbstmord eines Familienvaters, dessen volljährige Tochter abgeschoben werden sollte. Caritas-Sprecher Hans-Gerd Köhler betonte, es dürfe nicht zugelassen werden, daß der politische Erfolg des baden-württembergischen Innenministeriums mit hohen Abschiebezahlen gemessen werde. Es gehe um Menschen und nicht um Zahlen. Der Leiter des Begegnungs- und Beratungszentrums für Flüchtlinge von Caritas und Diakonie, Thomas Schirmer, verdeutlichte, viele Bosnier könnten nicht in ihre Heimat zurückkehren. Dies gelte insbesondere für die Republik Srpska. Rückkehrer würden dort nicht registriert und hätten daher keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung oder Wohnraum. Viele der noch in Karlsruhe lebenden 1275 Flüchtlinge seien durch Kriegserlebnisse wie Erschießungen, Vergewaltigungen und Folter traumatisiert. Sie seien in ihrer früheren Heimat nicht überlebensfähig.


 

Fragen zu den Meldungen bitte per E-Mail an Pressestelle Bistum Freiburg

 

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