Norbert Wolff Zwei Studenten des ehemaligen Klosters Benediktbeuern als Reformer im katholischen Württemberg Benedikt Maria v. Werkmeister (17451823) und Joseph v. Mets (17581819) (Version ohne Anmerkungen und ohne Dokumentenanhang)
1. Einleitung2. Benediktbeuern und das Bildungswesen im 18. Jahrhundert
3. Benedikt Maria v. Werkmeister
5. Zur Bedeutung der beiden Theologen
Wer sich mit der Vor- und Frühgeschichte des Bistums Rottenburg befaßt, wird immer wieder auf dessen "Augsburger Wurzeln" stoßen. Beispielsweise stammten vier von fünf Professoren der 1812 in Ellwangen zur Ausbildung des württembergischen Priesternachwuchses gegründeten katholischen Landesuniversität, die 1817 als katholisch-theologische Fakultät der Universität Tübingen angegliedert wurde, aus dem Bistum Augsburg: Cölestin Spegele (17611831), Johann Nepomuk Bestlin (17661831), Peter Alois Gratz (17691849) und Johann Sebastian Drey (17771853). Der von 1812 bis 1817 in Ellwangen amtierende Generalvikar Franz Karl Fürst v. Hohenlohe (17451819) war Augsburger Domkapitular und Weihbischof. Sein wichtigster Mitarbeiter am Generalvikariat, der Geistliche Rat Joseph v. Mets (17581819), gehörte ursprünglich der Augsburger Diözese an, ebenso der erste Rottenburger Domdekan Ignaz v. Jaumann (17781862). Auch der Neresheimer Benediktiner und spätere Oberkirchenrat Benedikt Maria v. Werkmeister (17451823), der als Staatsbeamter die Geschicke der katholischen Kirche in Württemberg maßgeblich mitbestimmte, war im Gebiet des Bistums Augsburg geboren und aufgewachsen. Zahlreiche württembergische Geistliche hatten ihre Studien an der Universität Dillingen, am Lyzeum St. Salvator in Augsburg oder am Priesterseminar in Pfaffenhausen bei Mindelheim absolviert. Dillinger Studenten waren u. a. der vor der Errichtung des Bistums Rottenburg für einen großen Teil des katholischen Württemberg zuständige Konstanzer Generalvikar Ignaz Heinrich Freiherr v. Wessenberg (17741860), der erste Rottenburger Bischof Johann Baptist v. Keller (17741845) sowie Bestlin und Gratz gewesen. In Augsburg-St. Salvator und Pfaffenhausen hatten Mets, Drey und Jaumann studiert.
Alle bisher genannten Theologen hatten ihre Ausbildung in einer Zeit erhalten, die von der Aufklärung geprägt war. Damals stand Österreich im Zeichen des Josephinismus, der die Kirche als Teil des Staates begriff und daher ganz selbstverständlich den Einsatz staatlicher Mittel zur Bewerkstelligung kirchlicher Reformen befürwortete. Kaiser Joseph II. (17411790) hob die kontemplativen Klöster seines Landes auf, errichtete eigenmächtig neue Diözesen und gründete staatliche Priesterausbildungsstätten, die "Generalseminarien". In anderen deutschen Staaten traten ähnliche staatskirchliche Tendenzen zutage. Die Aufklärung wirkte sich nicht nur in kirchenpolitischer Hinsicht auf die katholische Kirche aus, sondern beeinflußte auch deren Theologie, so daß verschiedentlich von einer "Katholischen Aufklärung" gesprochen wird. Zu den Merkmalen dieser besonders im süddeutsch-österreichischen Raum vertretenen Sonderform der Aufklärung gehörten unter anderem die Hinwendung zu den modernen Wissenschaften (Philosophie, Naturwissenschaften, Geschichte), das mit einer kritischen Einstellung gegenüber der Scholastik einhergehende Interesse an der Bibel, das Bemühen, den katholischen Glauben als rational verantwortbar darzustellen, und die Forderung nach einem "vernunftgemäßen", von überflüssigen Äußerlichkeiten befreiten Gottesdienst.
In den Benediktinerklöstern Österreichs, Bayerns und Schwabens zeigte man sich aufgeschlossen für die Ideen der neuen Zeit. Mönche wie Bernhard Pez (16831735) aus Melk, Anselm Desing (16991773) aus dem oberpfälzischen Ensdorf, Frobenius Forster (17091791) aus Regensburg-St. Emmeram, Martin Gerbert (17201793) aus St. Blasien und Franz Stephan Rautenstrauch (17341785) aus Brevnov-Braunau machten sich auf ganz unterschiedliche Weise um die Förderung der Wissenschaften verdient. Zu einem der Zentren der Aufklärung im katholischen Bereich entwickelte sich Salzburg mit seiner von Benediktinern geführten Universität, deren Professoren zum Teil vorher am Studium commune der 1684 durch Papst Innozenz XI. (16111689) bestätigten Bayerischen Benediktinerkongregation tätig gewesen waren. Eine nicht unwichtige Rolle spielte außerdem das bischöfliche Lyzeum in Freising, dessen Lehrer ebenfalls dem Benediktinerorden entstammten. Im folgenden soll nun das im oberbayerischen Gebiet des Bistums Augsburg gelegene Kloster Benediktbeuern betrachtet werden, das im Laufe des 18. Jahrhunderts rund 15 Jahre lang der Sitz des Studium commune war und darüber hinaus mehrere Mitbrüder als Professoren nach Salzburg, Ingolstadt (nach der Aufhebung des Jesuitenordens) und Freising entsandte.
2. Benediktbeuern und das Bildungswesen im 18. Jahrhundert
Das um 739 gegründete Kloster Benediktbeuern wurde im Jahre 1698 erstmals Sitz des Studium commune der bayerischen Benediktinerklöster. Die Entscheidung, den theologischen Kurs von Prüfening (Prifling) bei Regensburg hierher zu verlegen, fiel auf dem sechsten Generalkapitel der Bayerischen Benediktinerkongregation, das vom 20. bis zum 23. April 1698 in Scheyern zusammentrat und den Benediktbeurer Abt Eliland Öttl (16531707) zum Präses der Kongregation wählte. Drei Jahre später bestätigte das Generalkapitel in Prüfening sowohl den Studienort Benediktbeuern als auch den Präses Öttl.
Die jungen Ordensleute, die zum Studium nach Benediktbeuern kamen, erlebten ein in mehrfacher Hinsicht "modernes" Kloster. 1686 war der barocke Neubau der Klosterkirche fertiggestellt worden. Seit 1695 wurde der Nordtrakt ausgebaut, um die Studenten aufnehmen zu können.
"Modern" war auch die wissenschaftliche Haltung des vielleicht bedeutendsten Benediktbeurer Mönches im Laufe der Jahrhunderte. Der aus dem schwäbischen Marktoberdorf stammende Karl Meichelbeck (16691734) hatte in Benediktbeuern, Scheyern und Salzburg studiert und war von 1697 bis 1701 als Lehrer für Latein und Griechisch am bischöflichen Gymnasium in Freising tätig. In den folgenden zwei Jahren unterrichtete er am Studium commune philosophicum in Rott am Inn. Aufgrund der Wirren des Spanischen Erbfolgekrieges existierte von 1703 bis 1705 kein gemeinsames Studium der bayerischen Benediktiner. Meichelbeck dozierte in dieser Zeit Philosophie in seinem Heimatkloster. Seit 1705 beherbergte Benediktbeuern sowohl den philosophischen als auch den theologischen Kurs des Kommunestudiums. Meichelbeck wirkte hier von 1705 bis 1708 als Theologieprofessor, wobei er sich besonders um eine historische Betrachtungsweise bemühte. 1708 wurde er Archivar seines Klosters und Historiograph der Bayerischen Benediktinerkongregation. Aufsehen erregte er 1724/29 mit seiner "Historia Frisingensis", der ersten unter Anwendung der historisch-kritischen Methode verfaßten Geschichte eines süddeutschen Bistums. Sein zweites Hauptwerk, das ebenfalls nach der neuen Methode erstellte "Chronicon Benedictoburanum", konnte erst 1751/52 posthum gedruckt werden. Vorbild für Meichelbeck war der Mauriner Jean Mabillon (16321707), der Begründer der wissenschaftlichen Diplomatik und Paläographie; außerdem stand er in Kontakt mit dem Melker Benediktiner Bernhard Pez.
Abt Eliland Öttl blieb bis zum Jahre 1705 Präses der Bayerischen Benediktinerkongregation und starb 1707. Sein Tod bedeutete zunächst einmal das Ende für das Benediktbeurer Studium commune, an dem neben Mitbrüdern anderer Abteien auch einige einheimische Mönche doziert hatten und das 1708 nach Weihenstephan verlegt wurde. Öttls Nachfolger Magnus Pachinger (16751742) machte vor allem wirtschaftliche Gründe gegen ein Weiterbestehen der gemeinsamen Studienanstalt in seiner Abtei geltend.
In den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts unterrichtete der Benediktbeurer Mönch Benno Voglsanger (17061785), der in Rott, Prüfening und Salzburg studiert hatte, am Lyzeum in Freising sowie am Studium commune in Weihenstephan und Attel. Das im September 1761 in Wessobrunn tagende 26. Generalkapitel der Bayerischen Benediktinerkongregation wählte Voglsanger seit 1758 Abt seines Heimatklosters zum Präses und beschloß, das Studium commune wiederum nach Benediktbeuern zu verlegen. Von 1761 bis 1769 befand sich hier der theologische Kurs, von 1761 bis 1763 der philosophische Kurs. 1769 wurde das Kommunestudium der bayerischen Benediktiner ganz aufgelöst, u. a. weil manche Klöster Studenten auf die Universitäten Salzburg und Ingolstadt schickten und weil Regensburg-St. Emmeram 1766 eine eigene theologische Lehranstalt gegründet hatte.
Die letzten Jahre des Kommunestudiums waren durch eine Annäherung an die Ideen der Aufklärung geprägt. Schrift und Tradition sollten nun einen höheren Stellenwert erhalten, die spekulative Theologie dagegen zurückgedrängt werden. Intensiv befaßte man sich mit den biblischen Sprachen auch mit der hebräischen und mit der Kirchengeschichte. Den Impuls dazu hatte u. a. der Oberaltaicher Benediktiner Hermann Scholliner (17221795) gegeben, der in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts am Studium commune in Rott und Prüfening gelehrt hatte und von 1760 bis 1766 Professor in Salzburg war. Nach einem Beschluß des 27. Generalkapitels im Mai 1765 in Oberaltaich sollte Scholliner der maßgebliche Autor für die dogmatischen Studien der jungen Ordensleute sein. Das Generalkapitel bestätigte Voglsanger als Präses der Kongregation.
Im selben Jahr verfaßte der Wessobrunner Mönch Johannes Damaszenus v. Kleimayrn (Kleienmayrn) (17351810) eine Schrift mit dem Titel: "Systema de perficiendo studio theologico in studio communi Congregationis Benedictino-Bavaricae", in welcher er Grundsätze für eine systematische Studienreform aufstellte. Kleimayrn, der in Rott und in Rom Theologie sowie in Salzburg bei seinem Wessobrunner Mitbruder Gregor Zallwein (17121766) Kirchenrecht studiert hatte, fungierte seit 1762 als Kirchenrechtsprofessor in Benediktbeuern. 1765 wurde er außerdem zum Direktor des Kommunestudiums ernannt. Der Vertreter einer gemäßigten Aufklärung übernahm 1767 den vakanten Lehrstuhl der Heiligen Schrift. Nach der Auflösung des Kommunestudiums versah er zunächst verschiedene pastorale Aufgaben und wurde 1773 Kirchenrechtsprofessor an der Universität Salzburg, wo er bis 1792 verblieb und auch vier Jahre lang das Amt des Rektors innehatte. Hier in Salzburg zeigte sich, daß Kleimayrn ein Gegner übertriebener Reformen war, die seiner Meinung nach dem katholischen Glauben schadeten. Von 1798 bis zur Auflösung des Klosters wirkte er schließlich als Abt von Wessobrunn.
Schon seit 1759 unterrichtete der Benediktbeurer Mönch Landfried Heinrich (17211773), der vorher Philosophieprofessor in Salzburg gewesen war, am Studium commune in Scheyern die Heilige Schrift. Diese Tätigkeit setzte er in seinem Heimatkloster fort, bis er 1765 von Diepold Ziegler (17281801) aus Reichenbach in der Oberpfalz, dem späteren Abt von Ensdorf, abgelöst wurde, der jedoch im folgenden Jahr erkrankte. An Zieglers Stelle übernahm Ämilian Ussermann aus St. Blasien (17371798), also aus einem nicht der Bayerischen Benediktinerkongregation zugehörigen Kloster, den Lehrstuhl für biblische Sprachen und Exegese. 1767 erhielt Ussermann einen Ruf an die Universität Salzburg, wo er zwei Jahre lang als Professor für Moraltheologie und Hebräisch wirkte.
Den Lehrstuhl für spekulative Theologie hatte von 1765 bis 1769 Ägidius Bartscherer (17301799) aus Michelfeld in der Oberpfalz inne, der später Novizenmeister der Bayerischen Benediktinerkongregation und Abt von Michelfeld wurde. Benedikt Maria v. Werkmeister schilderte ihn als einen Lehrer, der seine Studenten zum Selbstdenken animierte.
Der Benediktbeurer Mönch Ämilian Reiff (17411790) erteilte am Kommunestudium zeitweise Hebräischunterricht. Von 1781 bis 1790 versah er die Professur für Moral- und Pastoraltheologie an der Universität Ingolstadt. Sein Mitbruder Marian Wourstn (17271793) leitete ab Anfang 1769 die sehr gut ausgestattete Bibliothek des Klosters, die auch von den Studenten genutzt werden konnte.
Die Studenten des Benediktbeurer Kommunestudiums kamen hauptsächlich aus den Benediktinerklöstern Altbayerns, zu einem geringen Teil aus Klöstern anderer Orden bzw. Regionen. An dieser Stelle seien einige Mönche genannt, die ihre Ausbildung in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts erhielten.
Beda Mayr (17421794) aus dem Kloster Donauwörth, das nicht der Bayerischen Benediktinerkongregation angehörte, studierte von 1762 bis 1765 (1766) in Benediktbeuern. In seinem Heimatkloster wirkte er als Bibliothekar und Lehrer. Bekannt wurde er als theologischer Autor, der ein starkes apologetisches Interesse zeigte, über Möglichkeiten zur Vereinigung der christlichen Konfessionen nachdachte, und die päpstliche Unfehlbarkeit ablehnte. Mayrs 1787 bis 1789 erschienene "Vertheidigung der natürlichen, christlichen und katholischen Religion" stieß auf heftige Kritik strengkirchlicher Kreise und gelangte 1792 auf den römischen Index. Zu den Theologen, die Mayrs "Vertheidigung" rezipierten und sich in ihren ekklesiologischen Schriften von seinem Gedankengut leiten ließen, gehörte u. a. Peter Alois Gratz.
Der Tegernseer Mönch Augustin Schelle (17421805), befand sich bis 1767 in Benediktbeuern, studierte dann orientalische Sprachen und Recht in Salzburg und wurde für eine Lehrtätigkeit am Kommunestudium vorgesehen, die er jedenfalls nur für kurze Zeit ausübte. Ab 1774 dozierte er an der Salzburger Universität Ethik, Naturrecht und Geschichte. Schelle, der zehn Jahre lang der Universität als Rektor vorstand, schloß sich den Illuminaten an.
Martin Jelmiller (17471807) aus dem Kloster Scheyern hatte zum Zeitpunkt der Aufhebung des Kommunestudiums seine theologischen Studien noch nicht ganz abgeschlossen. Er studierte in Michelfeld und Regensburg-St. Emmeram weiter. Später erhielt er einen Ruf an die Universität Ingolstadt, den er jedoch ablehnte. 1783 wurde er Novizenmeister der Bayerischen Benediktinerkongregation, 1793 Abt seines Klosters.
Der Benediktbeurer Karl Klocker (17481805) besuchte das Studium commune philosophicum in Prüfening und hörte anschließend die Theologie in seinem Heimatkloster. Nach der 1772 erfolgten Priesterweihe studierte er in Salzburg Recht. Von 1785 bis 1789 wirkte er als Professor für Kirchenrecht in Ingolstadt. 1796 wurde er zum Abt seines Klosters gewählt.
Ein weiterer berühmter Mönch des Klosters Benediktbeuern, Ägidius Jais (17501822), legte erst 1770 die Profeß ab. Er erhielt seine philosophische Ausbildung in Regensburg-St. Emmeram und hörte die Theologie am Benediktbeurer Hausstudium. Von 1792 bis 1802 war er Novizenmeister der Bayerischen Benediktinerkongregation, von 1803 bis 1806 Professor der Moral- und Pastoraltheologie in Salzburg, von 1805 bis 1806 außerdem Rektor der Universität. Jais hinterließ zahlreiche pastoraltheologische Schriften, die zum Teil mehrere Auflagen erlebten und sogar bis ins 20. Jahrhundert hinein nachgedruckt wurden.
Das ganze 18. Jahrhundert hindurch existierte in Benediktbeuern eine Klosterschule (Seminarium). Abt Eliland Öttl richtete die Schule 1699 nach dem Lehrplan der Jesuiten ein. Die Zahl der Schüler, von denen einige kein Kostgeld zu zahlen hatten, schwankte zwischen 44 und 54. Mehrere Absolventen der Schule traten in das Kloster Benediktbeuern ein, so z. B. Ägidius Jais. Ende 1802 wurde die Schule aufgrund einer kurfürstlichen Verfügung geschlossen. Kurze Zeit später hob der Bayerische Staat das Kloster mit seiner jahrhundertealten Bildungstradition auf.
3. Benedikt Maria v. Werkmeister
Leonhard Werkmeister erblickte am 22. Oktober 1745 in Füssen als Sohn des Metzgermeisters Balthasar Werkmeister und seiner Frau Maria Regina, geb. Mayr, das Licht der Welt und verbrachte die ersten zehn Lebensjahre in seiner Geburtsstadt. Nach dem frühen Tod des Vaters wohnte er von 1755 bis 1757 bei einem Kantor namens Resch in Schongau, der ihm Unterricht in Latein und Musik erteilte. Ab 1757 besuchte er die Schule des Klosters Neresheim, trat dort 1764 ins Noviziat ein und legte 1765 die Profeß ab. Anschließend begann er, in seinem Kloster Philosophie und Theologie zu studieren. Selbständig befaßte er sich mit historischer, philosophischer sowie kirchenrechtlicher Literatur und las u. a. Schriften des Trierer Weihbischofs Johann Nikolaus v. Hontheim (Febronius) (17011790), der Benediktinerhistoriker Jean Mabillon, Magnoald Ziegelbauer (16891750) und Bernhard Pez, des englischen Philosophen John Locke (16321704) und des französischen Theologen und Philosophen Nicolas de Malebranche (16381715).
1767 wurde Werkmeister von seinem Abt an das Studium commune der Bayerischen Benediktinerkongregation nach Benediktbeuern geschickt, wo er sich in der Dogmatik, in der Moraltheologie, in der Bibelwissenschaft und im Kirchenrecht fortbilden sollte. Diese Studienzeit schilderte er in seinen 1815 niedergeschriebenen, 1830 posthum veröffentlichten, Lebenserinnerungen, in denen er vielleicht das eine oder andere etwas verklärte. Insgesamt beurteilte er die Zeit in Benediktbeuern sehr positiv und rühmte besonders die Toleranz der Lehrer, die auch protestantische Bücher benutzten, was damit zusammenhing, daß die protestantische Bibelwissenschaft in der historisch-kritischen Erforschung der Heiligen Schrift weiter vorangeschritten war als die katholische. Die Studenten sollten, so Werkmeister, zum selbständigen Denken und Urteilen geführt werden und nicht einfach den Unterrichtsstoff auswendig lernen. Recht fruchtbar war in seinen Augen der wissenschaftliche Austausch unter den Studenten, die Literatur aus ihren Klöstern mit nach Benediktbeuern brachten, über ihre Ansichten diskutierten und einen großen Studieneifer zeigten. Werkmeister befaßte sich ausführlich mit der neueren deutschen Dichtung und las auch die Schriften staatskirchlich eingestellter Juristen wie Peter v. Osterwald (17171778).
Im September 1769 empfing Werkmeister in Augsburg die Priesterweihe. Schon ein halbes Jahr später wurde er mit dem Amt des Novizenmeisters der Abtei Neresheim betraut. Die beiden Novizen, die er in das Ordensleben einzuführen hatte, Karl Nack (17511828) und Beda Pracher (17501819) erlangten später eine gewisse Bekanntheit als Aufklärer im kirchlichen Bereich. Von 1770 bis 1772 unterrichtete Werkmeister die beiden Neuprofessen in der Philosophie, worauf er sich durch das Selbststudium aufgeklärter philosophischer Autoren vorbereitet hatte. Anschließend lehrte er für zwei Jahre Philosophie am bischöflichen Lyzeum in Freising. Von 1774 bis 1778 wirkte er wiederum in Neresheim, diesmal als Archivar, Bibliothekar und Sekretär des Abtes. Von 1778 bis 1780 lehrte er noch einmal Philosophie in Freising, wo er nun dem Illuminatenorden beitrat. 1780 wurde Werkmeister im Kloster Neresheim mit der Leitung der Studien beauftragt.
Das Jahr 1784 brachte für Werkmeister eine entscheidende biographische Veränderung mit sich. Der württembergische Herzog Karl Eugen (17281793), Katholik und Vertreter des aufgeklärten Absolutismus, berief ihn in das Stuttgarter Hofpredigerkollegium, ein "Sammelbecken katholischer Aufklärer", dem auch der Franziskaner und spätere Jakobiner Eulogius Schneider (17561794) angehörte. In seinen damals verfaßten Schriften sprach sich Werkmeister für die deutschsprachige Liturgie in der katholischen Kirche aus; gleichzeitig setzte er seine diesbezüglichen Überzeugungen in die Praxis um. 1791 schied er aus dem Benediktinerorden aus und wurde Weltpriester.
Mit dem Tode des Herzogs Karl Eugen im Jahre fand Werkmeisters Tätigkeit als Hofprediger ein Ende. 1794 wurde er in den Ruhestand versetzt und hielt sich zeitweise wieder in Neresheim auf. Der Versuch, eine Domherrenstelle in Speyer zu erlangen, blieb ohne Erfolg. Vom Mai 1795 an wirkte er noch einmal für ein Jahr an der Hofkapelle. Im Mai 1796 wurde er Pfarrer der kleinen Gemeinde Steinbach bei Kirchheim/Teck. Als Seelsorger zeigte er ein großes Interesse für das Schulwesen wie auch für das Gesundheitswesen. Hinsichtlich liturgischer Veränderungen verhielt er sich zunächst zurückhaltend. 1802 schaffte er die bildlichen Darstellungen der Feste Christi Himmelfahrt und Pfingsten, 1804 die üblichen Reiterprozessionen, 1806 das heilige Grab ab. Bestimmte Feste, die auf einen Wochentag fielen, verlegte er mit Zustimmung des Ordinariats auf den Sonntag. Die lateinische Sonntagsvesper ersetzte er durch eine deutsche.
Spätestens 1803 stand Werkmeister in Korrespondenz mit dem für Steinbach zuständigen Konstanzer Generalvikar Wessenberg. Im Oktober dieses Jahres hatte er sich gegen den Vorwurf zu verteidigen, einen Vikar angestellt zu haben, ohne das Dekanat zu benachrichtigen. Er übersandte dem Generalvikar im Jahre 1805 selbstverfaßte Schriften zum Schulwesen und außerdem Aufsätze für die von Wessenberg initiierte Pastoralzeitschrift, das "Archiv für die Pastoralkonferenzen in den Landkapiteln des Bisthums Konstanz". 1807 ließ er zusammen mit seinem ehemaligen Novizen Beda Pracher ein "Andachts- und Gesangbuch zur gemeinschaftlichen Erbauung bey dem öffentlichen Gottesdienst für das christkatholische Volk" drucken und schickte es ebenfalls nach Konstanz. Als Werkmeister im Februar 1808 wieder an Wessenberg schrieb, änderte sich der Ton. Werkmeister, inzwischen Mitglied des Katholischen Geistlichen Rates für Württemberg, erteilte dem Generalvikar nun Vorschriften bezüglich der Abhaltung von Kapitelskonferenzen.
Schon 1804 hatte sich die Möglichkeit ergeben, die Pfarrei Steinbach mit einer Professur für Moral- und Pastoraltheologie an der Universität Heidelberg zu vertauschen, was Werkmeister jedoch abgelehnt hatte. Im Juli 1807 wurde er unter Beibehaltung seiner Pfarrei, die von einem Vikar betreut wurde, Mitglied des Geistlichen Rates in Stuttgart. Württemberg hatte durch die Säkularisation von 1803 und den Preßburger Frieden von 1805 große katholische Gebiete dazuerhalten. Der Geistliche Rat sollte als staatliche Behörde die Oberaufsicht über die katholische Kirche des Landes wahrnehmen, die den fünf "ausländischen" Bistümern Konstanz, Augsburg, Würzburg, Speyer und Worms unterstand.
1807 fanden in Stuttgart Konkordatsverhandlungen zwischen der württembergischen Regierung und dem Vatikandiplomaten Annibale Della Genga, dem späteren Papst Leo XII. (17601829), statt, die jedoch ohne konkretes Ergebnis blieben. Werkmeister wurde zu diesen Verhandlungen hinzugezogen. 1808 wollte der württembergische König Friedrich I. (17541816) ihn als Unterhändler nach Rom senden, um dort das geplante Konkordat abzuschließen. Werkmeister bat wegen seines Alters von immerhin 63 Jahren und wegen Kränklichkeit um Enthebung von diesem Auftrag, woraufhin Johann Baptist Keller nach Rom fuhr. Auch Kellers Verhandlungen führten nicht zum gewünschten Vertragsabschluß.
Werkmeisters wichtigstes Arbeitsfeld wurde der Bereich der Bildung. Für die katholischen Schulen des Königreichs verfaßte er eine Schulordnung, die im September 1808 in Kraft trat. Im Frühjahr 1809 nahm der Katholische Geistliche Rat unter seiner maßgeblichen Mitwirkung eine Neueinteilung der katholischen Schulinspektionsbezirke vor. Zu einem der Schulinspektoren wurde der frühere Neresheimer Novize Beda Pracher, mittlerweile Pfarrer von Leinstetten bei Sulz am Neckar, ernannt. Werkmeister verfaßte verschiedene Schriften zum Schulwesen auch sein Gesangbuch hatte im übrigen eine pädagogische Funktion und bemühte sich um die Förderung der Lehrerbildung.
1812 gründete der württembergische König in Ellwangen eine katholische Landesuniversität zur Ausbildung des württembergischen Priesternachwuchses. Mit der Aufsicht über die aus einer einzigen Fakultät bestehende Hochschule wurde die "Universitätskuratel" betraut, die sich aus dem Direktor und den zwei Priestern des Katholischen Geistlichen Rates zusammensetzte, d. h. aus Philipp Moritz Freiherr v. Schmitz-Grollenburg (17651849), der später maßgeblich an den Vorverhandlungen, die der Gründung des Bistums Rottenburg vorausgingen, beteiligt war, aus Johann Baptist Keller und aus Werkmeister. Die Kuratel kümmerte sich nahezu um alle Einzelheiten, die die Hochschule betrafen, und machte den Professoren Vorschriften bis in technische Details hinein, was bei den Professoren teilweise zu Unzufriedenheit führte. Allerdings ist zu konstatieren, daß Keller und Werkmeister ihre Aufgabe mit "großem Sachverstand" erfüllten. Die von der Kuratel vorgeschriebenen theologischen Lehrbücher können im übrigen der Aufklärung zugerechnet werden. Im Jahre 1815 wurden Keller und Werkmeister von der katholischen Landesuniversität mit der theologischen Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Mit der Übersiedlung der katholisch-theologischen Fakultät von Ellwangen nach Tübingen im Herbst 1817 wurde die Kuratel überflüssig.
Der Katholische Geistliche Rat erhielt im Jahre 1816 die Bezeichnung Katholischer Kirchenrat, dessen Mitglieder im folgenden Jahr den Titel Oberkirchenrat. Werkmeister, der Pfarrer von Steinbach geblieben war, verzichtete 1819 auf seine Pfarrei. Im selben Jahr konnte er sein 50jähriges Priesterjubiläum feiern. Bei der Rottenburger "Bischofswahl" des Jahres 1822, bei der die Mitglieder des Generalvikariats und die Dekane wählen durften, erreichte er mit neun Stimmen immerhin das drittbeste Ergebnis. Er starb am 16. Juli 1823 in Stuttgart.
Werkmeister hinterließ zahlreiche Schriften, in denen er Anliegen der Aufklärung vertrat. Wie bereits erwähnt, befaßte er sich mit pädagogischen und liturgischen Fragen, wobei die in deutscher Sprache zu feiernde Liturgie für ihn auch eine belehrende Funktion hatte. In kirchenrechtlicher bzw. kirchenpolitischer Hinsicht vertrat er einen dezidiert staatskirchlichen, von Gallikanismus und Josephinismus beeinflußten Standpunkt. In den publizistischen Auseinandersetzungen um den Konstanzer Bistumsverwalter Wessenberg ergriff er vehement Partei für diesen. Außerdem sprach er sich für die Priesterehe und für die Möglichkeit zur Ehescheidung aus. Entschieden wandte er sich gegen den Mystizismus und warnte vor den Gefahren einer Lektüre der Heiligen Schrift ohne die notwendige Anleitung. Bei alledem verstand er sich als Katholik und griff zumal in den letzten Lebensjahren zur Feder, um seine Kirche zu verteidigen.
Joseph Mets wurde am 9. März 1758 in Ebenhofen bei Marktoberdorf als Sohn eines Schusters und Landwirts geboren. Schon früh regte sich bei ihm der Wunsch, Priester zu werden, was angesichts der fehlenden Geldmittel allerdings illusorisch erschien. Eine zufällige Begegnung mit dem Reichenauer Prior Meinrad Meichelbeck (17111792), der ihm die Bezahlung des Studiums versprach und der später übrigens in Benediktbeuern verstarb, ermöglichte ihm ab 1774 den Besuch der Benediktbeurer Klosterschule. Als 16jähriger befand er sich hier unter 10- bis 12jährigen Mitschülern.
Den Unterricht in Benediktbeuern beurteilte Mets als angenehm und lehrreich, und er dachte zwischenzeitlich daran, sich selbst einem Orden anzuschließen. Ein negatives Erlebnis sorgte dafür, daß er diesen Gedanken wieder fallenließ. Der Regens des Seminariums, Anselm Kellner (17371809), bezichtigte ihn fälschlicherweise einer unziemlichen Beziehung zu einem anderen Schüler, schlug ihn und wollte ihn der Schule verweisen. Nachdem sich am folgenden Tag Mets Unschuld erwiesen hatte, durfte dieser in Benediktbeuern zu Ende studieren, zeigte jedoch keine Neigung mehr zum klösterlichen Stand. Nach Abschluß der Schule unternahm er auf Meichelbecks Kosten eine Reise nach Kremsmünster, wo er die Sternwarte bewundern konnte. Das Angebot der dortigen Mönche, in ihr Kloster einzutreten, nahm er nicht wahr.
1780 begann er, am Lyzeum St. Salvator in Augsburg Philosophie und Theologie zu studieren. An der von Exjesuiten geleitete Studienanstalt herrschte eine konservative, aufklärungsfeindliche Richtung, die Mets nicht besonders zusagte. Namentlich die dort gelehrte Philosophie und die nach kasuistischen Grundsätzen betriebene Moraltheologie genügten seinen Ansprüchen nicht, während er mit dem Kirchenrecht und der Physik recht zufrieden war. Die meisten theologischen Fächer studierte er privat nach den Büchern des aufgeklärten Exjesuiten Benedikt Stattler (17281797). In Augsburg machte Mets die Bekanntschaft des Stattler-Schülers Johann Michael Sailer (17511831), der sich nach seiner 1781 erfolgten Entlassung von der Ingolstädter Professur dort aufhielt. Sailer nahm sich Zeit für Mets sowie für zwei weitere Studenten und diskutierte mit ihnen ausgiebig über theologische Themen, was Mets in seinen Lebenserinnerungen sehr positiv vermerkte. Eine ausgesprochene Negativerfahrung mußte er mit dem Präfekten von St. Salvator machen. Wegen seiner Besuche beim evangelischen Pfarrer von St. Ulrich, in dessen Bibliothek er naturwissenschaftliche Literatur konsultierte, und wegen des Lesens evangelischer Bücher erhielt Mets ein schlechtes Sittenzeugnis, so daß die Aufnahme ins Priesterseminar gefährdet war. Eine Intervention des Augsburger Provikars Thomas Joseph v. Haiden (17391813) sorgte dafür, daß er seine Ausbildung fortsetzen konnte. Vom November 1784 an besuchte Mets das Priesterseminar in Pfaffenhausen.
Die Priesterweihe empfing Joseph Mets am 10. Juni 1786 in Augsburg. Auf Sailers Empfehlung erhielt er eine Anstellung als Hofmeister, d. h. als Hauslehrer, bei der Familie Schenk v. Stauffenberg in Dillingen. Während seines dreijährigen Aufenthaltes in der Universitätsstadt konnte Mets auch den Vorlesungen Sailers beiwohnen, der hier mittlerweile Ethik und Pastoraltheologie unterrichtete. Von 1789 an hatte Mets seine adeligen Zöglinge an verschiedene Hochschulorte zu begleiten. Zunächst ging es nach Straßburg, wo Mets die Gelegenheit nutzte, Umgang mit zahlreichen Gelehrten zu pflegen und sich in der französischen Sprache zu vervollkommnen. Wegen der Revolutionswirren kehrte man im kommenden Jahr wieder nach Dillingen zurück. Von 1791 bis 1792 befand Mets sich in Mainz, von 1793 bis 1797 in Würzburg. Auch an diesen beiden Orten konnte er sich im Kontakt mit aufgeklärten Wissenschaftlern weiterbilden.
Nachdem die Hochschulausbildung der Söhne der Familie Schenk v. Stauffenberg abgeschlossen war, präsentierte diese ihren Hofmeister Ende 1797 auf die Pfarrei Freihalden bei Günzburg. Mets, der sich nach zehn Jahren erzieherischer Tätigkeit nur schwer vorstellen konnte, als Pfarrer zu wirken, erreichte in Absprache mit dem Pfarrpatron und dem Augsburger Generalvikariat, daß er Schloßkaplan im nahegelegenen Eberstall wurde. Auf einer Reise an den Bodensee, die er zusammen mit der Familie Schenk v. Stauffenberg unternahm, traf er mit dem Konstanzer Bischof Karl Theodor v. Dalberg (17441817) zusammen, der ihn ermutigte, eine Pfarrei in seinem Bistum zu übernehmen und ihm zugleich eine Stelle als Geistlicher Rat in Konstanz in Aussicht stellte. Im September 1801 wurde Mets, der zunächst in Eberstall blieb, zum Geistlichen Rat ernannt; im Juli 1802 begab er sich in die Pfarrei Rißtissen bei Ehingen, wo er bis 1809 im Sinne einer gemäßigten Aufklärung wirkte, die Prozessionen stark reduzierte und das Schulwesen förderte.
Auch Mets stand in Korrespondenz mit dem Konstanzer Generalvikar Wessenberg: Am 29. Juli 1803 übersandte er die Resultate der Pastoralkonferenzen des Dekanats nach Konstanz und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß ihm das Amt des Dekans anvertraut werden solle, erklärte jedoch, daß er sich aus gesundheitlichen Gründen nicht für geeignet halte. Mets, der dennoch Dekan wurde, setzte Wessenberg über konkrete Angelegenheiten der Pfarreien des Dekanates Laupheim in Kenntnis und betrieb dabei gewissermaßen Personalpolitik. Am 6. August 1804 schlug er vor, den Pfarrer Friedrich Dossenberger (17761860) von der armen Pfarrei Stetten in die besser dotierte Pfarrei Orsenhausen zu versetzen und ihn demnächst zum Dekan zu ernennen. Noch einige Male schrieb er deswegen an den Konstanzer Generalvikar. Dossenberger wurde Pfarrer von Orsenhausen, 1809 Dekan, 1817 Regens des Priesterseminars in Rottenburg und 1828 Domkapitular. Außerdem kümmerte Mets sich um die Pfarrei Schafhausen, deren Pfarrer schließlich der spätere Rottenburger Domdekan Ignaz Jaumann wurde. Am 10. Mai 1807 informierte Mets den Generalvikar darüber, daß ein Pfarrer von der Bezirkshauptmannschaft die Anweisung erhalten habe, sich künftig in kirchlichen Dingen nicht mehr an das Ordinariat in Konstanz, sondern an den Katholischen Geistlichen Rat in Stuttgart zu wenden. Der episkopalistisch eingestellte Mets ging davon aus, daß die erwähnte Resolution nicht legal sein könne.
Im Jahre 1809 verzichtete er auf seine Pfarrei Rißtissen und trat im Mai 1810 als Geistlicher Rat in die Konstanzer Diözesanverwaltung ein, wo er eng mit Wessenberg zusammenarbeitete. Aus dieser Zeit stammt beispielsweise ein am 23. August 1811 erstelltes Gutachten zu einem Erlaß des württembergischen Katholischen Geistlichen Rates. In diesem Gutachten sprach sich Mets gegen ein Eingreifen der weltlichen Gewalt in innere Angelegenheiten der katholischen Kirche aus, so etwa in bezug auf liturgische Fragen. Zugleich äußerte er die Ansicht, daß es gut sei, bei bestimmten gottesdienstlichen Formen die deutsche Sprache zu gebrauchen. Die Heilige Messe sei in der lateinischen Sprache zu halten, das Evangelium jedoch auf deutsch vorzulesen.
Mit der Gründung des Generalvikariats Ellwangen im Herbst 1812 wurde Mets von der württembergischen Regierung als Generalvikariatsrat dorthin berufen. Generalvikar war der Augsburger Weihbischof Franz Karl Fürst v. Hohenlohe, der sich in Verwaltungsdingen nicht sehr bewandert zeigte, so daß Mets die Hauptlast der Arbeit zu tragen hatte. Mehrfach hatte dieser sich auch mit dem Katholischen Geistlichen Rat in Stuttgart auseinanderzusetzen, der sich seiner Auffassung nach zu sehr in innerkirchliche Belange einmischte. Zum späteren Rottenburger Bischof Johann Baptist v. Keller, der 1816 als Provikar nach Ellwangen kam, nachdem er vorher Mitglied des Katholischen Geistlichen Rates gewesen war, hatte Mets kein besonders gutes Verhältnis, wohl aber zu den übrigen Ellwanger Räten, darunter auch Johann Nepomuk Bestlin.
In der kleinen Universitätsstadt sammelte sich um Mets ein Kreis aufgeklärter Theologen, dem die Professoren Peter Alois Gratz und Johann Sebastian Drey sowie der Geistliche Rat Anton Nikolaus Huberich (17661833) angehörten. In dieser "Ellwanger Abendgesellschaft" wurde u. a. über die Notwendigkeit einer qualifizierten wissenschaftlichen Ausbildung des zukünftigen Klerus diskutiert. Auch die Vorüberlegungen zur Herausgabe einer wissenschaftlichen Zeitschrift, der später so berühmten "Theologischen Quartalschrift", könnten in diesem Kreis stattgefunden haben. Als Gratz, der den ersten Jahrgang der Quartalschrift redigierte, dem Konstanzer Generalvikar Wessenberg am 12. August 1818 schrieb, erwähnte er, daß Mets diesen wahrscheinlich schon über die geplante Zeitschrift informiert haben werde. Schon 1816 hatte die Ellwanger Landesuniversität Mets mit der theologischen Ehrendoktorwürde ausgezeichnet.
Den Umzug des Generalvikariates von Ellwangen nach Rottenburg im Herbst 1817 machte Mets nicht mit. Die Differenzen zu Keller und seine angeschlagene Gesundheit dürften dafür ausschlaggebend gewesen sein. Er verbrachte seinen Ruhestand in Rißtissen, von wo aus er den mittlerweile in Tübingen lehrenden Gratz im Sommer 1818 besuchte, um sich anschließend zur Kur nach Niedernau bei Rottenburg zu begeben. Joseph Mets starb am 4. Januar 1819 in Ulm.
In bescheidenem Umfang war Mets auch literarisch tätig. Er veröffentlichte einige Artikel zu liturgischen Fragen im "Archiv für die Pastoralkonferenzen in den Landkapiteln des Bisthums Konstanz".
5. Zur Bedeutung der beiden Theologen
Benedikt Maria v. Werkmeister und Joseph v. Mets waren Zeitgenossen, stammten aus dem (heute) bayerischen Allgäu wie auch aus dem Bistum Augsburg, durchliefen einen Teil ihrer Ausbildung in Benediktbeuern, wurden von der Aufklärung geprägt, wirkten als katholische Geistliche in Württemberg, befürworteten kirchliche Reformen, interessierten sich für das Bildungswesen und spielten eine wichtige Rolle in der Vorgeschichte der Diözese Rottenburg. Zahlreiche Parallelen zwischen beiden lassen sich aufweisen.
Dennoch sind auch große Unterschiede zu konstatieren. In kirchenpolitischer Hinsicht können wir feststellen: Werkmeister war staatskirchlich, Mets dagegen episkopalistisch eingestellt. Beide Haltungen trafen nicht auf die Zustimmung gegenaufklärerischer Kreise. Darüber hinaus trat Werkmeister häufig in der Öffentlichkeit in Erscheinung und beteiligte sich an literarischen Auseinandersetzungen, während Mets sich hier sehr zurückhielt und seinen Einfluß eher im persönlichen Kontakt geltend machte.
Beide haben Benediktbeuern in ihren Autobiographien einen relativ breiten Raum gegeben. Werkmeister sah die Zeit dort in einem sehr positiven Licht, konnte er doch an seine bereits in Neresheim begonnen Studien fast nahtlos anknüpfen und sich im Sinne der Aufklärung weiterbilden. Vor allem der Kontakt unter den Studenten war für ihn fruchtbar. Mets war mit der schulischen Ausbildung, die er in Benediktbeuern erhielt, zufrieden. Eine ungerechtfertigte Beschuldigung, die er sein ganzes Leben lang nicht vergessen sollte, hielt ihn jedoch davon ab, Benediktiner zu werden.
Verdienste hat sich Werkmeisters auf jeden Fall um das katholische Bildungswesen in Württemberg erworben. Seine liturgischen Vorstellungen, die heftig kritisiert wurden, konnten damals nicht verwirklicht werden. Im Gefolge der Liturgischen Bewegung und des II. Vatikanischen Konzils hat der (fast auschließlich) muttersprachliche Gottesdienst Einzug in die katholische Kirche gehalten. Werkmeisters Forderung nach Aufhebung des Zölibatsgebotes ist heute zumindest ein Diskussionsthema geworden. Es läßt sich nicht übersehen, daß die Qualität seiner Schriften unterschiedlich ausfiel und manches unausgegoren war. Schließlich darf auch gesagt werden, daß Werkmeister dem Staat in kirchlichen Fragen zuviel Einfluß zumaß.
Mets hat sich Verdienste im Verwaltungsbereich erworben. Die von ihm geleistete Arbeit das Ellwanger Generalvikariat mußte ohne Vorakten praktisch aus dem Nichts aufgebaut werden kam dem Bistum Rottenburg zugute, dessen Gründung er nicht mehr erlebte. Auch die spätere Tübinger Theologie und die Theologische Quartalschrift profitierten von Mets, der in gewisser Weise eine Katalysatorfunktion ausübte. Ohne selbst in den Vordergrund zu treten, inspirierte er andere durch seine Ideen. Darüber hinaus schlug er junge Theologen für wichtige Aufgaben vor.
Leben und Werk von Werkmeister und Mets bedürfen noch weiterer Forschungen. Beide werden in der Literatur erwähnt Werkmeister sogar recht häufig. Es muß jedoch festgestellt werden, daß vor allem die archivalischen Quellen bei weitem nicht ausgeschöpft sind. August Hagens umfangreiche Arbeit über Werkmeister befaßt sich fast ausschließlich mit gedruckten Quellen und bietet zudem einige einseitige Urteile. Valentin Doering hat Werkmeisters pastorale Schriften ausgewertet. Norbert Bayrle-Sick hat sich mit einigen politischen Schriften des Aufklärungstheologen befaßt. Kritische Gesamtdarstellungen existieren bislang weder zu Werkmeister noch zu Mets.
Zuletzt bearbeitet: 4. November 2003, wolff@pth-bb.de.