Aktuelles | Kirchen-Datenbank | Stellenmarkt | Impressum  
  Diskussions-Forum | Buch.Shop | E-Mail-Adressbuch | URL-Tauschbörse  


10 Folgen
zum Thema Medienpastoral.

 

aus dem neuen Buch:

Ludger Verst
Medienpastoral -
Bericht über ein Projekt.

167 S., 12,5 x 20,5 cm, Paperback
Verlag Butzon & Bercker
ISBN 3-7666-0373-6

9. Folge:
    Das Projekt Medienpastoral

Die publizistische Arbeit der beiden großen Kirchen in Deutschland ist angesichts wachsender mediengesellschaftlicher Herausforderungen strukturell und inhaltlich vergleichsweise schwach profiliert. Dies gilt vor allem für die regionalen und lokalen Strukturen der Arbeit. Je weiter man die Organisationsstufen des Kirchlichen nach unten zur pfarrgemeindlichen Basis vordringt, wo sich der bei weitem größte Teil kirchlichen Handelns vollzieht, verliert die kirchliche Medien- und Öffentlichkeitsarbeit an konzeptioneller und personeller Verbindlichkeit und in Folge dessen an inhaltlichem Profil..

Auf der Ebene der Dekanate und Pfarrverbände findet Medienarbeit im Normalfall entweder gar nicht oder – auf ehrenamtlicher Basis – eher nebenbei statt. Die Notwendigkeit einer professionellen lokalen Medienarbeit als einer pastoralen Arbeit von Hauptamtlichen in den Gemeinden wird nicht gesehen.

Diese weitgehende Fehlanzeige hat viele Gründe: finanzielle, personelle, ausbildungs-spezifische, gemeindepraktische, kircheninterne. Die Probleme der Kirche im Umgang mit kritischer Öffentlichkeit, die Umständlichkeit ihrer Auftritte und ihre mangelhafte publizistische Präsenz auf der mittleren und unteren Organisationsebene dürften nicht zuletzt durch ein grundsätzliches pastoralplanerisches Defizit verursacht sein: durch das Fehlen einer in der Pastoral verankerten Medienpraxis. Medien- und Öffentlichkeitsarbeit erscheinen insgesamt als strategischer Annex zum Eigentlichen der Kirche, ihrer Seelsorge. Die Nachrangigkeit und weitgehende Beliebigkeit des publizistischen Engagements erklärt sich dadurch, dass dieses Engagement selbst (noch) nicht als Teil eines umfassenden Verständnisses von Pastoral begriffen wird. Die Kommunikation des Evangeliums Jesu Christi, Beratung und Katechese sind aber in einer Medien rezipierenden, nachchristlichen Gesellschaft nur so erfolgreich, wie sie selbst zwar nicht ausschließlich, aber doch selbstverständlich durch Medien geschehen und in den gewachsenen Lebensräumen einer Stadt, eines Bezirks oder einer Region, also vornehmlich in lokalen Medien, präsent sind.

Medienpastoral ist Evangelisierung mit Medien. Evangelisierung ist in der kirchlichen Theorie und Praxis inzwischen ein Schlüsselwort geworden. Für den katholischen Bereich bezeichnet das Apostolische Schreiben „Evangelii nuntiandi“ (1975) damit die Dynamik, „die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluss von innen her umzuwandeln“ (Nr. 18).

Medienpastoral in mobiler Gesellschaft bedeutet daher: Heraus aus dem Muster einer überra­schungssicheren Kirche der Insider und hinein in die Passage, dorthin, wo gerade Publikum ist. Im ursprünglichen Sinn „auf Sendung sein“, so dass aus der Bot-schaft Kund-schaft werden kann: in den Stra­ßencafés und Wohnsilos, vor dem City-Center, in der U-Bahn, „auf dem Markt­platz mit den zufällig Anwesenden“ (Apostelgeschichte 17,17) – getreu dem Motto: „Kommt her und seht, dann geht und sagt!“: Passantenkirche sozusagen.

Medienpastoral will dieser pragmatischen Einsicht durch eine Professionalisierung kirchlicher Kommunikation auf lokaler Ebene gerecht werden, indem sie sich praktisch-theologisch als Querschnittsthema einer gemeindeübergreifenden kommunikativen Seelsorge artikuliert. Das Projekt „Medienpastoral“ im Bistum Münster hat dieses praktische Anliegen zwei Jahre lang aufgegriffen und bearbeitet: eher punktuell als systematisch, mehr beispiel- als modellorientiert. Der „Bericht über das Projekt“ in Hamm (Westfalen), veröffentlicht im Frühjahr 2003, stellt die wichtigsten Erfahrungen und Ergebnisse zusammen, dokumentiert und kommentiert diese und liefert aus der Reflexionsperspektive Anregungen für die medienpastorale Praxis vor Ort.

Autor: Ludger Verst
Dokument erstellt am 10.03.2004
Erscheinungsdatum 12.03.2004

Weitere Artikel:

1. Einführung: Der "dramatische Bruch zwischen Evangelium und Kultur"
2. Zwischenräume überraschender Gottesgegenwart
3. Von der Verlautbarung zur Kommunikation
4. Neu-Inszenierung des Evangeliums in meiner Welt
5. Der Kommunikationsstil der Kirche
6. Als ob das Evangelium ein publizistischer Dauerknüller wäre
7. Das Evangelium in die zeit­genössische Erlebniskultur übersetzen
8. Kommunikation mit den „treuen Fernstehenden“
9. Das Projekt Medienpastoral
10. Das medienpastorale Engagement im Überblick
 
 
Der Autor:
Ludger Verst (44), Theologe, Journalist, Ausbildungsleiter in der katholischen Journalistenschule ifp in München; für verschiedene
Radio- und Fernsehsender tätig; seit 2000 zudem wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt "Kirche und Öffentlichkeit" an der Universität Kassel.

Weiterführende Links:

>>> Radio-Beiträge aus der Zeit des Medienprojekts

>>> TV-Beiträge aus der Zeit des Medienprojekts

 

   
© 1995-2004 www.kath.de