Aktuelles | Kirchen-Datenbank | Stellenmarkt | Impressum  
  Diskussions-Forum | Buch.Shop | E-Mail-Adressbuch | URL-Tauschbörse  


Die Passion Christi - anders als die Presse schreibt:

Dokumentation einer Hinrichtung, aber nicht nur

Der Film dokumentiert, wie ein Mensch mit den damals üblichen Verfahren gequält, gefoltert und dann ans Kreuz genagelt wird. Das ist sehr grausam. Es ist schwer zuzusehen. Jedoch bleibt die Kamera über weite Strecken auf Distanz, es gibt Nahaufnahmen, was passiert, wenn ein Mensch gegeißelt wird. Die Grausamkeiten werden jedoch nicht als Effekt gezeigt. Der Film erhält dadurch eine besondere Atmosphäre, dass die Qualen in die Beziehung zwischen Maria und Jesus eingebettet sind. Der Zuschauer verfolgt über weite Strecken das Geschehen mit den Augen der Mutter.

Zwar ist Jesus von den römischen Soldaten umgeben, der Weg nach Golgotha geht durch eine geschäftige Stadt, Emotionen schlagen hoch, aber einige Frauen und Johannes sind ständig in seiner Nähe. Ein Beispiel: Claudia, die Frau des Pilatus verfolgt den Prozeß. Sie entdeckt Maria und bringt ihr und der anderen Maria weiße Tücher. Nachdem die Geißelung endlich zuende ist, wischt Maria das Blut von den Steinen. Ein Kontrapunkt zu der gezeigten Gewalt. Die Geißelung, der Weg nach Golgotha, die Kreuzigung - es sind die römischen Soldaten, die das Urteil nicht nur exekutieren, sondern ihre Freude zeigen, den Verurteilten zu quälen. Wenn etwas abstoßend ist, dann ist es die mit Genuß ausgeübte Grausamkeit. Der Konflikt um Jesus wird als ein innerjüdischer gezeigt. Es gibt Juden, vor allem Frauen, die zu Jesus stehen und andere, die seinen Tod wollen. Affekte der Römer gegen die jüdische Bevölkerung werden gezeigt.

Der Film ist antirömisch, der unterstellte Antisemitismus ist nicht zu erkennen. Geißelung, der Kreuzweg und die Kreuzigung werden so gezeigt, wie nach den heutigen Kenntnissen im römischen Reich mit Nicht-Römern umgegangen wurde. Der im Abspann genannte theologische Berater, William Fulco S.J. ist ein renommierter biblischer Archäologe. Der Film zeigt wie die 14 Kreuzwegstationen den Leidensweg Jesu. Er beginnt mit dem Gebet Jesu im Ölberggarten und endet mit einer kurzen Szene, die auf die Auferstehung hindeutet. Der Film dauert zwei Stunden, die Filmsprache ist alles andere als hektisch, er kann wie ein Kreuzweg meditiert werden. Ist es ein religiöser Film? In der Gerichtsszene vor dem Hohen Rat der Juden geht es um den Messiasanspruch Jesu und ob er sich als Sohn Gottes versteht. Auch beim Verhör durch den römischen Machthaber, Pontius Pilatus, folgt der Film den Berichten der Evangelien. Hier spielt der Königstitel eine Rolle, ob Jesus Ansprüche auf die Herrschaft über Palästina erhebt. Pilatus erkennt, dass Jesus kein politischer Rebell ist, er muß dem Hohen Priester jedoch nachgeben, als dieser damit droht, ihn beim Kaiser zu denunzieren. Es sind die kurzen Gebetstexte, die aus den Evangelien übernommen sind, Zitate aus den Gottesknechts­liedern des Jesaja und einiger Psalmen, die das Geschehen interpretieren.

Der Film ist eine Möglichkeit, den Leidensweg und den Tod Jesu darzustellen, so wie es die gemalten Kreuzwege, die Kruzifixe oder auch die Matthäus- oder Johannespassion versuchen. Er erklärt nicht, warum die Verurteilung nicht des Barrabas, sondern die Jesu‘ gefordert und von Pilatus auch zugestanden wurde, warum die jüdische Obrigkeit und die vor dem Palast des Pilatus zusammengeströmte Menge die Kreuzigung des nach der Geißelung völlig zerschundenen Jesus verlangen und durchsetzen und warum die Soldaten mit solcher Inbrunst auf den Mann einschlagen, von dem sie vorher wahrscheinlich nichts gehört haben. Wie die Evangelien erzählt der Film die Abfolge der Ereignisse.

Diese Absage an vorschnelle Erklärungen könnte den Film auch noch in 10 oder 30 Jahren zu einem filmischen Dokument machen, das ein unglaubliches Geschehen zeigt, das nicht vergessen werden darf. Sehenswert unter den üblichen Kinokriterien ist er nicht, aber dafür sicher empfehlenswert. Am 18. März kommt er in die Kinos.

Autor: Dr. Eckhard Bieger SJ
Dokument erstellt am 13.02.2004
Erscheinungsdatum 13.02.2004

 

Weitere Artikel:


Dokumentation einer Hinrichtung, aber nicht nur
Warum sind einige jüdische Kreise gegen den Film ?
Passion Christi - falsche Strategie
Der Tod Jesu- Kreuzweg
Mel Gibson im Interview
Wirkte die Kreuzigung Jesu antisemitisch?
Der Disput
Die Botschaft des Mel Gibson: ein brutaler Dualismus
Jesus bei Mel Gibson – Kein Sunnyboy, aber nahe bei den Menschen
 

 

Diskutieren Sie mit:




 

Literatur zum Thema:

 Der kath.de Buchshop


 

Weitere Links zum Thema:

Medienzentrum Köln

   
© 1995-2004 www.kath.de