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Die Bedeutung
des des Festes
Uns erscheint Weihnachten
als das eigentlich christliche Fest. Gott wird Mensch, er erbarmt
sich der Sünder, er ist solidarisch mit den Armen. Ist unsere Rettung
nicht schon geschehen, wenn die Hirten das Kind in der Krippe verehren
und die drei Weisen aus dem Morgenland, im Traum durch einen Engel
gewarnt, Herodes den Aufenthaltsort des Kindes nicht verraten? Woher
sollten die Zeitgenossen Jesu aber wissen, daß er der erwartete
Messias, der Gesalbte, der Erretter Israels tatsächlich ist? Was
sich in der Verfolgung durch Herodes und im Kindermord von Bethlehem
schon andeutet, dieses Kind wird keinen einfachen Weg gehen. Als
junger Mann wird er am Kreuz enden und damit werden erst einmal
alle Hoffnungen zerstört. Daher war die Auferstehung, mit der die
Jünger nach dem Desaster des Karfreitages nicht gerechnet hatten,
der eigentliche Wendepunkt. Weihnachten war für die ersten christlichen
Generationen von nachrangigem Interesse. Erst die Begegnung mit
dem griechischen Kulturkreis forderte die Christen, sich nicht nur
mit dem Schicksal des in Betlehem geborenen Kindes auseinanderzusetzen,
sondern mit der Person Jesu. Weihnachten hat theologische Wurzeln,
die bis in das Brauchtum heute noch lebendig sind. Warum führte
das griechische Denken zu Beginn des 4. Jahrhunderts den christlichen
Glauben in eine Krise?
Es war der strikte Monotheismus, der vor allem durch die Philosophie
im Rückblick auf Platon entwickelt worden war. Dieser hatte sich
bereits von den Göttervorstellungen der Sagenwelt gelöst und die
Idee der Einheit entwickelt. Das Vollkommene konnte nicht aus Vielem
bestehen, je vollkommener desto größer die Einheit. Wenn Gott einer
ist, dann kann Gottes Sohn nicht wirklich Gott sein, sondern er
ist ein Geschöpf, sicher das erste und am höchsten stehende Geschöpf,
aber doch geschaffen. Der Priester Arius propagierte diese Sicht
und fand in Athanasius, dem Patriarchen von Alexandrien, seinen
Widerpart. 325 entschied das von Kaiser Konstantin einberufene Konzil
von Nicäa, daß der Sohn wesensgleich mit Gott, dem Vater ist, "nicht
geschaffen, sondern gezeugt, Gott von Gott, wahres Licht vom wahren
Licht, eines Wesens mit dem Vater", wie es im Glaubensbekenntnis
bis heute in den Kirchen in Ost und West heißt. Die Bedeutung dieses
Bekenntnisses für den westeuropäischen Raum zeigt sich daran, daß
der Frankenkönig Chlodwig am Weihnachtstag 498 getauft wurde, Karl
d.Gr. wurde an Weihnachten im Jahr 800 in Rom zum Kaiser gekrönt,
831 hat eine Synode in Mainz den Weihnachtstermin am 25. Dezember
bestätigt. Wie kommt es aber zum Termin für Weihnachten am 25. Dezember?
Volkskundler behaupteten, der Festtermin leite sich vom germanischen
Julfest her. Das lag aber im Januar und eine Weihnachtstradition
gibt es Jahrhunderte vorher schon in Rom. Da es für den Geburtstermin
Jesu, anders als für den Tag seiner Hinrichtung, keine Überlieferung
gab, mußte man den Termin durch genaues Studium der biblischen Texte
erschließen. In der Bibel findet sich nur eine Angabe, nämlich daß
Jesus 6 Monate nach Johannes d. Täufer geboren wurde. (Lukas 1,26.)
Um aus dieser Angabe einen Termin herauszulesen, konnten die Christen
das Johannesevangelium zu Rate ziehen. Dort wird folgendes Wort
des Täufers über Jesus berichtet: "Ihr selbst könnt mir bezeugen,
daß ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein
Gesandter, der ihm vorausgeht ... Er muß wachsen, ich aber muß kleiner
werden." (Joh 3,28) Dieses Wort wurde auf die Sonne bezogen. Nach
dem Fest des Täufers nimmt die Sonne ab, nach dem Fest der Geburt
Christi nimmt die Sonne zu. Daher liegt das Geburtsfest des Täufers
auf dem Tag der Sommersonnenwende, der Geburtstag Jesu auf dem der
Wintersonnenwende. Weihnachten,
25.12
In den Evangelien finden sich die Berichte und theologischen Aussagen,
die bis heute dem Weihnachtsfest seine innere Kontur geben. Am meisten
hat der Evangelist Lukas den Charakter des Festes mit folgenden
Erzählungen geprägt.
- Verkündigung des Engels Gabriel an Maria
- Besuch Marias bei Elisabeth
- Herbergssuche
- Geburt im Stall
- Verkündigung an die Hirten
- Beschneidung und Darstellung Jesu im Tempel
- Der Zwölfjährige im Tempel
Hinzu kommen die Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers an
seinen Vater Zacharias und der Bericht von der Geburt des Johannes.
Matthäus berichtet ebenfalls, daß Maria schwanger geworden war,
ohne daß sie mit Joseph zusammengekommen war, sowie von der Geburt
in Betlehem. Bei ihm finden sich die Berichte von den drei
Sterndeutern, die das Kind in Betlehem finden, über den Kindermord
in Betlehem und die Flucht nach Ägypten. Diese Erzählungen verstehen
sich nicht als Reportagen, sondern sagen, wer dieses Kind ist. Bei
der Geburt des Johannes fragen sich die Nachbarn: "Was wird wohl
aus diesem Kind werden? Denn es war deutlich, daß die Hand des Herrn
mit ihm war." (Lukas, 1,66) Die Geburt Jesu wird den Hirten durch
einen Engel erklärt. "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter
geboren; er ist der Messias, der Herr." (Lukas 2, 11) Als die Eltern
das Kind entsprechend dem jüdischen Gesetz 40 Tage nach der Geburt
in den Tempel bringen, werden sie schon von Simeon erwartet, der
das Kind mit folgenden Worten empfängt:
"Nun entläßt du Herr deinen Knecht, wie du gesagt hast, in
Frieden scheiden, Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du
vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet
und Herrlichkeit für dein Volk Israel." (Lukas 2, 29-32)
Die Heiden haben nach der Erfahrung der Christen die Botschaft von
der Erlösung offener aufgenommen als das jüdische Volk. Deshalb
konnten sich viele aus dem Heidentum bekehrte Christen mit dem Bericht
von den drei Sterndeutern identifizieren. Die von Herodes erzwungene
Flucht nach Ägypten besagt nicht nur, daß diesem Kind Gewalt droht,
sie charakterisiert für Kenner es Alten Testaments Jesus als den
neuen Moses. Moses war ebenso als Kind mit dem Tod bedroht, wie
Moses kommt Jesus aus Ägypten. Die Evangelien des Markus und des
Johannes überliefern nichts von der Geburt Jesu und aus seiner Kindheit.
Markus eröffnet sein Evangelium mit der Taufe Jesu. Johannes stellt
diesem ersten öffentlichen Auftritt Jesu einen Hymnus voraus, der
sagt, wer dieser Jesus ist: Gottes Wort, der von Anfang an bei Gott
war, durch den alles geschaffen ist.
Auch die Reaktion auf Jesus wird schon wie in einer Ouvertüre angekündigt:
Die Finsternis hat das Licht, das aufgeleuchtet ist, nicht erfaßt.
Die Welt erkannte den, durch den alles geschaffen ist, nicht. Diejenigen,
die ihn aufnahmen, wurden zu Kindern Gottes. "Niemand hat Gott je
gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht;
er hat Kunde gebracht." (Joh 1, 18) Sowohl bei Johannes wie bei
Lukas klingt die Lichtthematik an, Jesus ist das Licht, das die
Heiden erleuchtet, das in die Finsternis kommt.
Der Weihnachtsbaum ist nicht nur
deshalb zum Zentrum des Weihnachtszimmers geworden, weil das Grün
im Winter symbolisiert, daß das Leben trotz de rKälte weiter
geht, er ist auch das Gegenbild zum Paradiesesbaum, von dem das
Unheil ausgegangen ist, aus dem das Kind die Menschheit erretten
wird. Das Kind wird mit ausgebreiteten Armen in die Krippe gelegt,
weil so auf die Kreuzigung hingedeutet wird. Ein Charakteristikum
der Predigt Jesu klingt bei der Geburt schon an: Die kleinen Leute,
die Hirten, werden als erste auf die Geburt hingewiesen, die Mächtigen
in der Gestalt des Herodes reagieren mit Angst und daraus folgender
Gewalt. Trotz allen Konsums, trotz Wintersport und andere heutigen
Arrangements um das Weihnachtsfest herum dringt die Botschaft des
Kindes aus der Krippe weiterhin bis in die Herzen der Menschen.
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