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Beginn der Karwoche
Mit dem Einzug in Jerusalem
tritt die Mission Jesu mit einem verheißungsvollen Auftakt in ihre
entscheidende Phase. Beim Evangelisten Lukas lesen wir, nachdem
Jesus für den Einzug in die Stadt einen Esel herbei holen ließ:
" Als er an
die Stelle kam, wo der Weg vom Ölberg hinabführt, begannen alle
Jünger freudig und mit lauter Stimme Gott zu loben wegen all der
Wundertaten, die sie erlebt hatten. Sie riefen: Gesegnet sei der
König, der kommt im Namen des Herrn. Im Himmel Friede und Herrlichkeit
in der Höhe." (Kap. 19, 37f)
Bei Matthäus steht das Wort "Hosanna in der Höhe", das in jeder
Messe gesungen wird. Jesus hatte sich einige Zeit nicht in der Öffentlichkeit
gezeigt, weil die Behörden ihn überwachten. Sein Erscheinen im Zusammenhang
mit dem jüdischen Paschafest, zu dem viele Wallfahrer in die Stadt
kommen, erregt Aufsehen. Er wird freudig begrüßt, als er auf einem
Esel in die Stadt reitet. Dieser Zuruf "Hosanna - gesegnet, der
kommt im Namen des Herrn, gesegnet das kommende Reich unseres Vaters
David." (Mk 11,7; 10) wurde damals nicht allein religiös verstanden.
Die Erwartungen richteten sich darauf, daß Jesus das Reich Davids
wiederherstellen, d.h. die politischen Verhältnisse in Palästina
ändern würde. Jesus entzieht sich dieser Erwartung. Er "nutzt" die
Begeisterung der Menge nicht politisch aus. Vielmehr setzt er sich
kritisch mit der religiösen Praxis auseinander. Er vertreibt die
Händler, die für das kommende Fest Schafe und anderes verkaufen,
aus dem Tempel. Die Evangelien referieren Streitgespräche mit den
Theologen, den Schriftgelehrten und die Prophezeiungen Jesu vom
Untergang der Stadt. Es läuft auf das Ende hin.
Der Hohe Rat behält diesen Prediger sorgfältig im Auge. Er mußte
ein Interesse daran haben, daß er nicht zur Macht kommt. Denn es
war abzusehen, daß die Römer einen jüdischen Aufstand mit brutaler
Gewalt niederschlagen würden. Aus dem Blickwinkel der jüdischen
Obrigkeit bestand die Möglichkeit, daß sich das Volk Jesus anschloß,
es bestand aber keine Chance, daß die Römer zum Abzug hätten gezwungen
werden können. Jesus hat sich allerdings klar gegen ein politisches
Mandat entschieden. Der Ritt auf dem Esel wurde immer auch als Zeichen
des Selbstverständnisses Jesu gesehen. Zur politischen Situation
Palästinas, der römischen Fremdherrschaft und den herodianischen
Vasallenkönigen hat Jesus nach den Berichten der Evangelisten nicht
Stellung bezogen. Er hat seine Anhängerschaft nicht für politische
Ziele eingesetzt. Die Herbeiführung eines bestimmten politischen
Systems hat also nichts mit dem von Jesus angekündigten Reich Gottes
zu tun. Es besteht höchstens dann ein Zusammenhang, wenn mehr Gerechtigkeit
verwirklicht werden soll.
Der Ursprung der christlichen Palmsonntagsfeier geht wohl auf Jerusalem
zurück, wo man die einzelnen Ereignisse des Leidensweges Jesu in
eigenen Feiern und Riten nachbildete. Der Palmsonntag erinnert an
den Einzug Jesu in Jerusalem, wo das Volk ihm zujubelte.
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