 |
Patron der Kinder
Im Mittelalter wurde
in den Klosterschulen am Nikolaustag einer der Schüler zum Abt eingesetzt.
Anderswo wurden Kinderbischöfe für einen Tag auf dem Bischofsstuhl
inthronisiert. Auf jeden Fall hatten die Kinder Anspruch auf ein
Geschenk ihrer Paten, die wiederum von den Eltern am Neujahrstag
ein Gegengeschenk erhielten, Ursprung des heutigen Neujährchens
für einzelne Dienstleistungsberufe. Die Aufklärung hat den Heiligen
pädagogisiert und läßt ihn als himmlischen Richter auftreten, der
sich wie Gott selbst aufspielt und den Kindern die Straftaten vorhält,
die Eltern und Erzieherinnen ihm ins Buch geschrieben haben. Wer
Kinder liebt, sollte sich nicht an dieser Praxis beteiligen. Vielmehr
sollten am Nikolaustag die Kinder in das Buch des Nikolaus schreiben,
was ihnen an den Eltern und Lehrern nicht paßt und der Nikolausspieler
sollte es den Erwachsenen vorlesen. Dann wäre es wieder wie im Mittelalter,
so wie es noch in einigen theologischen Hochschulen und Internaten
Brauch ist, daß die Studierenden und Schüler am Nikolaustag das
Lehrpersonal aufs Korn nehmen dürfen.
Zum Patron der Kinder wurde Nikolaus durch eine wirkliche Begebenheit.
Als er noch nicht Bischof war, hatte er von einem verarmten Kaufmann
erfahren, der seinen drei Töchtern keine Aussteuer bieten konnte.
Es bestand die Gefahr, daß die drei Mädchen in der Tempelprostitution
gelandet wären. Nikolaus wollte unerkannt bleiben und warf nachts
den Dreien durchs Fenster jeweils ein Goldstück. Deshalb wird er
auf vielen Bildern mit drei Goldkugeln dargestellt. Der sog. Einlegebrauch,
daß Nikolaus nachts Kindern etwas in die herausgestellten Schuhe
oder Strümpfe legt, geht auf diese Legende zurück.
Als im Mittelalter ein Schulwesen entstand und die Jungen weit von
zu Hause weg lernten und lebten, verdichtete sich die Angst vieler
Eltern zu folgender Legende: Drei Scholaren übernachten bei einem
Wirt. Als dieser entdeckt, daß die jungen Leute das Geld für den
Unterhalt in der Stadt bei sich hatten, brachte er sie um und zerstückelte
ihre Leichen. Nikolaus erscheint, stellt den Wirt zur Rede und erweckt
die Drei wieder zum Leben.
Nikolaus von Myra hat wahrscheinlich noch die letzte Christenverfolgung
unter Diokletian erlebt, war ein sozial eingestellter Bischof und
wurde in Myra begraben. Sein Grab wurde verehrt. Als die Türken
heranrückten, nutzten Kaufleute aus dem süditalienischen Bari das
als Vorwand, die Reliquien aus dem Grab mitzunehmen. Am 8. Mai 1087
erreichten sie den heimatlichen Hafen. Der Tag wird bis heute mit
einer großen Schiffsprozession begangen. Der in Bari liegende Schädel
entspricht der Kopfform früher Ikonen, die Nikolaus darstellen.
Von Bari nahmen Kreuzfahrer eine Handreliquie nach Lothringen mit.
Sie wird in der Kirche von Saint Nicolas de Port, südlich von Nancy,
verehrt. Als in einem Krieg gegen Burgund der lothringische Herzog
die Reliquie mit ins Feld nahm und den Gegner besiegen konnte, war
Nikolaus der Patron Lothringens geworden, wie er das auch für Rußland
und das schweizerische Fribourg wurde.
Da Nikolaus auch Patron der Schiffsleute ist, finden sich in alten
Hafenstädten häufig Nikolauskirchen. Nikolaus ist auch Patron der
Bäcker und der Weinhändler.
So wie es pädagogischer Unsinn ist, den Kindern mit dem heiligen
Nikolaus Angst einzujagen, so wenig hat der Heilige mit dem Weihnachtsmann
zu tun. Dieser ist im 19. Jahrhundert als Geschenkebringer entwickelt,
von Coca Cola in den dreißiger Jahren rot eingekleidet und so nicht
ohne Grund zur Witzfigur der Vorweihnachtszeit geworden.
Die
Frankfurter Nikolausinitiative gibt Informationen zum wahren
Nikolaus heraus
© www.kath.de
|
 |