 |
Gegenbilder zur
Fastenzeit
Karneval heißt, dem Fleisch,
lateinisch Carnis, Lebewohl sagen. Fastnacht ist im engeren Sinn
der Karnevalsdienstag. Weil während der mit dem Aschermittwoch beginnenden
vierzigtägigen Fastenzeit kein Fleisch gegessen werden durfte, begannen
zuerst die Klöster, das Fleisch aufzuessen. Die Städte und Dörfer
schlossen sich dem an. Die These, in der Fastnacht tauche altes
germanisches Brauchtum wieder auf, erkennt die religiöse Bedeutung
der Masken und des Narren nicht. Pfau, Fuchs, Bär und andere Tiere
stehen für die sieben Laster. Der Narr ist
der Dummkopf, der die Existenz Gottes leugnet. Das Narrenschiff,
ohne Segel und Steuer, fährt die Insassen ins Verderben. Im Büttenredner
hat sich die Funktion des Hofnarren erhalten, der den Politikern
heute ihre Schwächen und Fehler vorhält.
Der rheinische Karneval ist in Gegnerschaft zur napoleonischen und
preußischen Besatzung entstanden. Der Elferrat weist auf den elfköpfigen
Jakobinerrat der französischen Revolution hin, der sich durch die
Zahl von den 12 Aposteln unterscheiden wollte. Nachdem die Aufklärung
dem Karneval sehr kritisch gegenüber gestanden hatte, lebte er 1823
mit der Romantik im Rheinland wieder auf. München übernahm die italienische
Tradition der großen Bälle. Daß der Karneval in protestantischen
Gebieten viel weniger bestimmend ist, hängt mit den Entwicklungen
im Späten Mittelalter und in der Reformation zusammen. Es wurde
nicht mehr die Grenze des Aschermittwoch eingehalten, eine Spaßgesellschaft
feierte einfach bis weit in die Fastenzeit weiter. Eine religiöse
Reformbewegung mußte diese Form des Karnevals ablehnen.
Bücher
zum Kirchenjahr
© www.kath.de
|
 |