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Der Ursprung des christlichen
Abendmahls, der Eucharistie
Am Abend des Gründonnerstags
beginnen die drei Tage, in denen Jesus seinen Lebensweg vollendet.
Die Ereignisse können nicht gegensätzlicher sein. Erfahrungen von
Freundschaft gehen mit Verrat einher, der vom Volk verehrte Prophet
gerät in die Mühlen der jüdischen und römischen Justiz, das
Unglück nimmt seinen Lauf, nur wenige bringen die Kraft auf, Jesus
auf dem Kreuzweg zu begleiten.
Am Abend vor seiner Kreuzigung hält Jesus im Zusammenhang mit dem
jüdischen Passahfest das rituelle Mahl mit den 12 Aposteln, die
für die 12 Stämme Israels stehen. Das Volk gedenkt am Paschafest
der Befreiung aus Ägypten und des Durchzugs durch das Rote Meer.
Dieses Mahl hat folgenden Ablauf:
- Segenssprüche über den ersten Becher Wein;
- Auftragen der ungesäuerten Brote und der Kräuter;
- Auftragen des Paschalammes;
- Erzählung der Auszugsgeschichte;
- 1. Teil des großen Hallel (Ps 113, 114, 1-8)
- Zweiter Becher;
- Verzehren des Paschalammes mit bitteren Kräutern und ungesäuertem
Brot;
- Dritter Becher mit einer Danksagung über das Mahl;
- Vierter Becher mit dem zweiten Teil des Hallel (Ps 115 - 118)
Jesus hat Teile dieses rituellen Mahles, jedoch nicht den zentralen,
den Verzehr des Lammes, aufgegriffen und mit einem neuen Sinn versehen.
Dabei hat er die Darreichung des Brotes und des (vierten) Bechers
mit Deute-Worten verbunden. In der christlichen Fortführung des
Mahles wird Jesus selbst als das Lamm gesehen, das am Kreuz geopfert
wurde. Der
1. Korintherbrief und die drei synoptischen Evangelien berichten
mit etwas unterschiedlichem Wortlaut von dieser Umwidmung des Maholes.
Der älteste Text ist der, den Paulus im 1. Korintherbrief zitiert:
"Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert
habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert
wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das
ist mein Leben für euch.
Tut dies zu meinem Gedächtnis.
Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch
ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, so oft ihr daraus trinkt,
zu meinem Gedächtnis" (1 Kor 11,23-25)
Jesus hat nicht ein Gedächtnismahl neu gestiftet, sondern ein kultisches
Gedächtnismahl umgewidmet. Dabei konnte er an verschiedenen religiösen
Inhalten des Paschamahles anknüpfen. Die Theologie zur Zeit Jesu
bezieht das Paschamahl auf vier Nächte mit Offenbarungen Jahwes,
eine Symbolik, die in der Osternachtsliturgie wieder aufgegriffen
wird:
- Nacht der Schöpfung, in der die Welt noch dunkel war;
- Offenbarung an Abraham, Verheißung des Isaak;
- In der dritten Nacht erschlug Jahwe die Erstgeburt Ägyptens, verschonte
aber die der Israeliten.
- In der vierten Nacht wird die Welt an ihr Ende gelangen, die Bande
der Gottlosigkeit werden zerstört
werden ... und der neue Messiaskönig wird kommen.
Dieses Mahl ist als Eucharistiefeier (Katholiken und Orthodoxie)
oder als Abendmahl der evangelischen Kirchen bis heute die zentrale
Versammlung der Christen. Es wird auch an Werktagen, aber besonders
am Sonntag zugleich als Gedächtnis an die Auferstehung Jesu gefeiert.
Es ist nicht nur Rückblick, sondern es vergegenwärtigt die damaligen
Geschehnisse. Zugleich greift es aus auf die Vollendung der Welt
aus. Im Matthäusevangelium sagt Jesus: "Ich sage euch: "Von
jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken,
bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon trinke im Reich
meines Vaters." (Kap. 26, 28f). Mit dem Mahl wird ein neuer Bund
gestiftet, es bewirkt die Vergebung der Sünden und wird so lange
gefeiert, bis die Welt vollendet ist. Diese Vollendung wird wieder
ein Mahl sein, das Jesus mit den Seinen feiert. Das ist eine Erklärung
dafür, dass die Christen bis heute diese Mahlpraxis fortführen,
denn die Vollendung der Welt mit dem dann endgültigen Mahl ist noch
nicht eingetreten. Auch das jüdische Passahmahl war auf die Zukunft
ausgerichtet. Zwar beginnt es mit dem Rückblick. Im Buch Exodus
(13,8) heißt es: "An diesem Tag erzähl deinem Sohn: Das geschieht
für das, was der Herr an mir getan hat, als ich aus Ägypten auszog."
Es wird aber auch in Erwartung des Messias gefeiert. Die Christen
sehen in Jesus den Gesalbten, den von den Juden erwarteten Messias.
Jesus selbst war mit dem Anspruch aufgetreten, eine neue Heilszeit
einzuleiten, er kündigte das nahe Hereinbrechen des Reiches Gottes
an. Damit ist die messianische Zeit, auf die das Paschamahl ausgreift,
bereits angebrochen. Es wird ein "Neuer Bund" zwischen Gott und
seinem Volk gestiftet. Im Korintherbrief heißt es (11,24), ebenso
bei Lukas (22,20): "Dieser Becher ist der Neue Bund in meinem Blut."
Jesus nennt das Brot seinen Leib.
Mit Leib ist das ganze Wesen des Menschen gemeint. Seinen Leib hingeben,
heißt dasselbe wie seine Seele hingeben, d.h. "sich selbst". Im
Judentum wird diese Terminologie auf den Märtyrertod angewandt.
Vor allem das Mittelalter hat darum gerungen, wie die Gegenwart
Jesu in Brot und Wein zu verstehen ist. Schon für die Teilnehmer
des jüdischen Mahles galt, daß der Bund eine bleibende Realität
ist. Gott hat jeden Israeliten, nicht nur deren Vorfahren, befreit.
Gleiches sagen die Christen von Jesus. Nicht nur den Jüngern ist
in Brot und Wein die Lebenshingabe Jesu zuteil geworden, sondern
allen, die in seine Jüngerschaft aufgenommen werden. Nachdem man
im frühen Mittelalter darauf beharrte, es handle sich wirklich um
Fleisch und Blut, konnte das Hochmittelalter eine Vorstellung des
Aristoteles nutzen, um die Gegenwart Jesu im Brot adäquater zu beschreiben.
Die Theologie spricht von Transsubstantiation, die Substanz ändert
sich, das äußere Erscheinungsbild von Brot und Wein bleibt. Dieser
Vorstellung wurde von der neueren Theologie durch ein symbolisches
Denken weiter geführt. So wie eine Fahne ein Stück Stoff bleibt,
aber nicht hingenommen wird, daß jemand auf der Fahne herumtrampelt,
so ist auch das eucharistische Brot etwas Neues.
Die Bedeutung des Namens "Gründonnerstag"
Die Herkunft des Namens ist nicht völlig geklärt. Er leitet sich
möglicherweise von dem mittelhochdeutschen Wort ab, das in den Worten
"greinen" oder "grienen" noch fortlebt. Es würde sich dann auf die
Wiedereingliederung der Büßer beziehen, die als "Weinende" gesehen
wurden. Ihre Entlassung aus dem Büßerstand führte auch zur Bezeichnung
"Antlaßtag". Möglicherweise kommt Gründonnerstag auch tatsächlich
von Grün, weil im Mittelalter an diesem Tag grüne Meßgewänder getragen
wurden.
Die Glocken verstummen
Das Abschiedsmahl wird in den Abendstunden als feierliche Messe
gefeiert. In Abhebung zum Bußcharakter der Fastenzeit und des kommenden
Karfreitags wird der Gottesdienst feierlich gestaltet. Es wird das
Gloria gesungen, dabei läuten die Glocken, die dann bis zur Osternacht
schweigen sollen. Der Volksmund sagt, daß sie nach Rom fliegen.
Es werden bis Ostern auch nicht mehr die Schellen benutzt, mit denen
die Meßdiener bestimmte Augenblicke im Gottesdienst herausheben.
Sie benutzen kleine Holzplatten, auf die ein Holzklöppel montiert
ist, so daß damit die Schellen ersetzt werden. Um die Menschen zum
Gottesdienst einzuladen, gehen die Meßdiener mit Ratschen durch
den Ort.
Fußwaschung: Vorgeschlagen, vor allem für Bischofs- und
Abteikirchen, ist die Fußwaschung durch den Bischof, Abt bzw. Priester
als Nachahmung des Vorbildes Jesu. Dieser hatte vor dem Mahl seinen
Jüngern die Füße gewaschen. Im Mittelalter bildete sich der Brauch
heraus, daß der Fürst und sogar der König die Fußwaschung innerhalb
des Gottesdienstes vornahmen.
Ölbergandacht: Nach dem Ende des Gottesdienstes wird das
konsekrierte Brot in einer Prozession zu einem Seitenaltar gebracht.
Der Hauptaltar wird völlig abgeräumt, es bleibt kein Tuch auf ihm
liegen. Die Entblößung des Altars stellt symbolisch die Entäußerung
Jesu dar. Die Gläubigen bleiben still oder beten gemeinsam, um des
Gebetes und der Todesangst Jesu am Ölberg zu gedenken. Der Tabernakel,
in dem das eucharistische Brot aufbewahrt wird, wird manchmal "Heiliges
Grab" genannt. Das geht auf folgenden Brauch zurück: Nach der Kreuzverehrung
am Karfreitag wurde das Kruzifix oder nur der Corpus in ein Tuch
gehüllt und symbolisch in ein Grab (meist in der Kirche) gelegt.
In manchen Gegenden wurde auch konsekriertes Brot in das Grab dazugelegt.
Der Gründonnerstag wird in der katholischen Kirche als besonderer
Tag der Priester und der priesterlichen Gemeinschaft gesehen, da
sich dieses Amt nicht zuletzt durch seinen Bezug zur Eucharistie
bestimmt.
Weihe der heiligen Öle: Am Gründonnerstag oder einem anderen
Tag der Karwoche werden in der Bischofskirche die für die Sakramentenspendung
benötigten Öle, das Chrisam und das Katechumenenöl geweiht. Öl versinnbildlicht
den Heiligen Geist Gottes.
Brauchtum
Entsprechend dem Namen des Festes wird Wert auf grünes Gemüse und
Kräuter gelegt, um die Kräfte des Frühlings aufzunehmen. Der Gründonnerstag
als Tag der Entlassung aus dem Büßerstand (Antlaßtag) wirkt noch
in gewisser Weise als Beichttag fort. Im Zusammenhang mit dem Antlaßtag
hat sich ein Zinstag herausgebildet. Das Ei, der Zins der kleinen
Leute, spielt daher heute noch in manchen Gegenden eine Rolle.
Übergang zum
Karfreitag
Die Evangelien berichten,
daß Jesus nach dem Gebet am Ölberg gefangen genommen wurde. Judas
führt die Tempelpolizei an den Ort. Jesus wird noch in der Nacht
dem Hohenpriester vorgeführt und muß erleben, daß Petrus ihn verleugnet.
Hier zeigt sich der Realismus der biblischen Schriftsteller, den
ersten Papst nicht zu schonen.
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