 |
Segen für
Felder und Stadtviertel
Die Prozession
mit dem eucharistischen Brot, eingefaßt durch die sonnenförmige
Monstranz, ist zu einem typisch katholischen Fest geworden. Entstanden
ist Fronleichnam in Lüttich und wurde dort 1246 zum ersten Mal gefeiert.
Keine zwanzig Jahre später hat der aus Lüttich stammende Papst Urban
IV. das Fest 1264 für die ganze Kirche eingeführt. Köln ist die
Stadt der ersten Fronleichnamsprozession, 1279 wurde das eucharistische
Brot zum ersten Mal feierlich durch die Stadt getragen. Neben der
Prozession durch Straßen und Wege gibt es auch Schiffsprozessionen,
so auf einigen Alpenseen und auf dem Rhein bei Köln, die Mühlheimer
Gottestracht.Das
Fest folgt auf den Sonntag nach Pfingsten und wird an einem Donnerstag
begangen, weil am Gründonnerstag
Jesus das eucharistische Mahl zum ersten Mal mit seinen Jüngern
gefeiert hat.
Fronleichnam spiegelt die Frömmigkeit des hohen Mittelalters. Die
gotischen Kirchen haben große Glasfenster, die Kirchen werden mit
Altären und vielen Figuren ausgestattet. Bei der Messe wird die
Wandlung besonders herausgehoben. Der Priester hebt die Hostie hoch,
so daß alle sie sehen können. Nicht mehr der Verzehr des gewandelten
Brotes, sondern das Sehen tritt in den Vordergrund.
Eine zweite Wurzel des Festes sind die Flurumgänge, um die Felder
bzw. die Stadtviertel zu segnen. Deshalb macht die Prozession an
vier Altären Halt, um alle Himmelsrichtungen abzuschreiten. Da es
auch vier Evangelien gibt, wird an jedem Altar aus einem anderen
Evangelium gelesen. Der Prozessionsweg wird durch Blumen und Bilder
geschmückt, Mädchen streuen Blumen, die Monstranz wird unter einem
Tuch getragen, das an vier Stöcken ausgespannt ist und "Himmel"
genannt wird.
Fronleichnam feiert die Gegenwart des auferstandenen Jesus im eucharistischen
Brot und läßt diese Gegenwart zum Segen für die Wohnquartiere und
Fluren werden. Wie ist diese Gegenwart zu verstehen? Offensichtlich
bleibt das Brot Brot und der Wein wird nicht in Blut verwandelt.
Die aristotelische Philosophie, die im Mittelalter über arabische
Gelehrte in Spanien den Weg ins Abendland fand, unterscheidet Substanz,
den Wesenskern, und die äußere Erscheinung, die Akzidentien. Man
spricht deshalb von Transubstantiation, um die Wandlung des Brotes
und Weines zu erklären. Verwandelt wird die Substanz, die äußeren
Akzidentien bleiben. Heute erklärt man diese Wandlung symbolisch.
Wie ein Stück Stoff zu einer Fahne wird und man eine Nation beleidigen
kann, wenn man ihre Fahne herunterreißt und auf ihr herumtrampelt,
gewinnen Brot und Wein eine neue Wirklichkeit, die untrennbar mit
dem Materiellen verbunden ist.
Bücher
zum Kirchenjahr
© www.kath.de
|
 |