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Letzter Sonntag
im Kirchenjahr
Am Ende des Kirchenjahres, d.h. am Sonntag vor dem 1. Advent, wird
das Hochfest vom Königtum Christi gefeiert. Im Mittelalter bezeichneten
sich die Kaiser als Stellvertreter Christi, während dem Papst der
Titel "Nachfolger Petri" zukam. In verschiedenen Religionen war
der König zugleich Priester, durch den die Verbindung zur Transzendenz
gewährleistet wurde. Bis ins 20. Jahrhundert gibt es die Vorstellung,
daß der König seine Macht unmittelbar von Gott herleitet, nicht
von Volkes, sondern von "Gottes Gnaden" sein Amt ausübt.
Das Königtum Jesu wird von den Christen durch den Titel Kyrios ausgedrückt,
der eigentlich dem Kaiser von Rom zustand. Der auferstandene Christus
wird dem gottgleichen Kaiser gegenüber gestellt und als Pantokrator,
d.h. als Weltenherr verehrt. Nicht zuletzt deswegen gerieten die
Christen in Konflikt mit dem römischen Staat. Sie erkannten zwar
die staatliche Macht an, verweigerten ihr aber kultische Verehrung.
Das heutige Christkönigsfest wurde 1925 von Papst Pius XI eingeführt.
In der Zeit des Dritten Reiches und auch noch in der Nachkriegszeit
galt dieser Tag einer Demonstration der Katholiken, vor allem der
Jugend, wen sie als ihren König anerkennen. Ein weiterer Grund,
das Fest einzuführen, war die 1600-Jahrfeier des Konzils von Nicäa
325. Der Termin für das Fest war der letzte Sonntag im Oktober,
vor dem Fest Allerheiligen am 1. November. An dem Festtag sollte
jeweils auch die öffentliche Weihe an das Herz des Erlösers vorgenommen
werden. Das Christ-Königs-Fest war früher der Bekenntnistag der
Jugend. Zuerst lag der Tag auf dem Sonntag nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag.
Als die Nationalsozialisten das Reichssportfest auf diesen Sonntag
legten, wurde der Christkönigssonntag zum Bekenntnistag der Jugend.
Die Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil hat das Fest
vom Oktober in den November, auf den letzten Sonntag des Kirchenjahres,
auf den Sonntag vor dem 1. Advent, gelegt. Texte vom Ende der Welt
und der Wiederkunft Christi werden an den letzten Sonntagen des
Kirchenjahres und am Anfang des Advents im Gottesdienst gelesen.
Am Ende des Kirchenjahres beinhaltet das Christkönigsfest einen
Ausblick auf das Ende der Zeiten, wenn Jesus seine Königsherrschaft
in vollem Umfang ausübt. Dann ist das Reich Gottes verwirklicht.
Es erfüllen sich die alttestamentlichen Verheißungen, die mit der
Erwartung eines Messias verbunden waren. Jesus war mit dem Anspruch
aufgetreten, eine neue Zeit anzukündigen. Er hat vom Reich Gottes
gesprochen, das kommen soll und schon anfänglich da ist. Dieses
Reich Gottes, das Matthäus Basileia, Königsherrschaft nennt, hat
Jesus in engem Zusammenhang mit seiner Person gesehen. Mit ihm kommt
das Reich Gottes, er ist nicht nur einer, der die Gottesherrschaft
ankündigt. Die Jünger Jesu hatten diese Herrschaft als ein politisches
Erstarken Israels verstanden, das zur Vertreibung der Römer und
zur Aufrichtung einer neuen Regierung führen würde. Die Hinrichtung
Jesu als gemeiner Verbrecher hatte diese Erwartungen radikal enttäuscht.
Die Ostererfahrungen bedeuten für die Jünger einen neuen Anfang.
Gott hat Jesus nicht im Tod gelassen. Jesus hat durch sein Sterben
und seine Auferstehung den Tod überwunden. Er ist zum Herrn, Kyrios,
eingesetzt. Die Dimensionen seiner Herrschaft umfassen den ganzen
Kosmos, auch die Welt der Engel sowie die ganze Geschichte. An Ostern,
d.h. mit der Auferstehung, wird im Verständnis der Bibel Jesus als
Kyrios eingesetzt. Das Christ-Königs-Fest hat daher keinen anderen
Inhalt als Ostern. Die Anerkennung des Kyrios Jesus beinhaltet für
die Christen auch eine Relativierung aller Könige und Kaiser und
der von ihnen repräsentierten staatlichen Macht.
Die Christen haben den Staat entsakralisiert, der König, der Kaiser,
hatte für sie keine religiöse Funktion, sie konnten in den Augen
der Christen kein Heil vermitteln. Neben der Relativierung der staatlichen
Macht haben die Christen im Verhalten Jesu auch einen Maßstab für
jede Herrschaftsausübung gesehen. An diesem Maßstab haben sie nicht
nur die weltlichen, sondern auch die kirchlichen Herren gemessen.
Die Sorge Jesu für die Armen und Kranken, sein Eintreten für Gerechtigkeit,
seine Bereitschaft zu vergeben, beschreiben zugleich das Idealbild
eines Königs. In den biblischen Texten finden sich auch Aussagen
über die Ausübung von Herrschaft. Der Bericht über die Versuchung
Jesu stellt szenisch dar, daß Jesus nicht mit den üblichen Mitteln
die Menschen beeindrucken, sich den Rückhalt für die Ausführung
seiner Sendung nicht mit Machtdemontrationen sichern wollte. Er
weist den Versucher zurück und will keine spektakulären Dinge tun,
vor allem will er die Herrschaft über die Welt nicht durch
Unterwerfung unter den Satan gewinnen. Der Verzicht auf Machtmittel
kennzeichnet sein Verhalten. Nach dem Brotwunder weist er das Angebot
der Volksscharen zurück, eine politische Rolle zu übernehmen. Seinen
Jüngern trägt er auf, ihr Amt als Dienst aufzufassen. Er wäscht
ihnen selbst die Füße, um ein Vorbild zu geben. Die Überschrift
über dem Kreuz nennt ihn als den König der Juden. So zeichnet ihn
vor allem das Johannesevangelium. Vor Pilatus stehend sagt Jesus:
"Ich bin ein König, ich bin dazu geboren und dazu in die Welt
gekommen, daß ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus
der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. (Joh 18,37) Die Züge des
Königsbildes Jesu sind durch die biblischen Berichte deutlich akzentuiert.
Sie werden auch durch das Bild des Hirten zum Ausdruck gebracht.
Jesus ist der Hirt, der sich um seine Herde sorgt. Christsein bedeutet
in der Terminologie des Königtums, sich der Herrschaft Jesu zu unterwerfen.
Das heißt aber, Jesus in seinem Handeln und seinen Intentionen nachzufolgen.
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